be bop - Nachts ein Zuhause

 Das be bop war kein normaler Tanzladen. Es war Ersatzfamilie und das Versprechen von Freiheit.
Und es war Bühne für ungewöhnliche Konzerte.

Ein Blick zurück auf eine Zeit, in der Hildesheim Nachtschwärmern ein Zuhause bot.

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Die Idee: Den Hildesheimern den Arsch einheizen

Candido De Bona (damals 24), Kurt-Martin Leiding (20) und Peter Höcker (24) langweilen sich in Hildesheim, fahren nächtelang durch die Gegend. Dann kommt ihnen eine Idee: Sie pachten einen Laden auf der Wilhelmshöhe, um sich dort „den Arsch einzuheizen“. Sie werkeln und basteln rund drei Monate lang, taufen ihn „be bop“. Das Konzept dahinter: Das machen, was man gerne tut. Kneipe, Disko, Teestube, Konzerthaus, Clubkino. Kurzum: Eine Nische füllen. Es ist der 5. November 1976, die Geschichte beginnt.

Und welche Musik wurde gespielt, Doddy?

Die Anfänge: Ein Laden für dich und mich

Drinnen ist es stickig, draußen blickt man über die Stadt. Im be bop ist man hinten zum Tanzen und vorne zum Sitzen oder Stehen. Der fensterlose Tanzraum ist 100 Quadratmeter groß. Es gibt eine große Spiegelwand, sie lässt den Raum größer wirken. Die Tanzfläche ist quadratisch, über ihr kreist ein dreiflügliger Ventilator. Im vorderen Kneipen-Raum ist die Bühne. Im be bop ist es meist friedlich, familiär. Musikalische Grenzen gibt es keine.

Wer waren die Leute, die sich im be bop tummelten, Doddy?

Die Konzerte: Dreckig, schmuddelig, hip

Das Programm im be bop ist über Jahre republikweit bekannt. Der Laden brummt. Für manche Eltern ist er Sündenpfuhl, Haschkneipe, Drecksloch. Eben ein Ort, den man seinen Kindern verbietet.

Dafür ist die Liste der Musiker, die auftreten, lang. Alphonse Mouzon, Jim Capaldi, Jack Bruce (Foto links), Toto Blanke, Danny Toan (Foto Mitte), Edgar Broughton, Frankie Miller (Foto rechts). Und so viele mehr.

Eng, enger, be bop: Stieß der Laden bei Konzerten räumlich an Grenzen, Doddy?

Ein Großer kommt: Wie Sex Joe Cocker ins be bop brachte

Doddy erlebt im November 1981 eineinhalb chaotische Wochen, Joe Cocker soll in Hildesheim spielen. Und dessen Techniker braucht so einiges: VerstäŠrker fŸür die Musiker, PA, Licht, eine Hammond B3-Orgel. Davon gibt’s damals in Deutschland drei StŸück. Eine deutsche Band sagt zu, alles mit dem Sattelschlepper zum be bop zu bringen. Doch als Cocker am 1. November 1981 in Hildesheim eintrudelt, kommt die Ladung nicht, die Band lässt Doddy hängen. Er leiht sich auf die Schnelle noch so viel zusammen, wie er kriegen kann. Doch unter anderem die B3 fehlt. Von zwei geplanten Cocker-Gigs fällt deshalb der erste ins Wasser.

Und wie hast du es überhaupt geschafft, Joe Cocker nach Hildesheim zu lotsen, Doddy?

Es ist der 2. November 1981: Joe Cocker spielt vor gerade mal 350 Zuschauern im be bop. Er glaubt, ein VerrŸückter habe ihn füŸr seine private Geburtstagsfete gebucht.

Und, Doddy, wie hoch waren deine Schulden nach dem Cocker-Gig? 

Für Joe Cocker war der Auftritt im be bop nur eine Station von vielen. Doch sie blieb ihm in Erinnerung – wie eine spätere Anekdote zeigt.

Was dachte Joe Cocker über seinen Auftritt im „Nest“ Hildesheim, Doddy?

Der Umzug: Von der Wilhelmshöhe in die Steuerwalder Straße

Im Dezember 1985 ist im be bop auf der Wilhelmshöhe Schluss. Der Lärm hat Anwohner gestört, vor allem Villenbesitzer, die ihre Häuser erst unterhalb des Panoramawegs bauten, als es das be bop längst gab. Es sind Rechtsanwälte, Ärzte, einflussreiche Leute. Sie wollen das be bop unterbinden, fangen 1982 an zu wühlen. Ihr Motto: Wie können wir das be bop dicht machen lassen? Der Kampf beginnt: Anwälte werden eingeschaltet, Razzien unternommen, die hygienischen Verhältnisse überprüft, Verträge herausgekramt, Anträge angezweifelt. Für Doddy und seine Mitstreiter sind es zweieinhalb anstrengende Jahre – bis sie schließlich das Handtuch werfen. Doddy sagt heute: Das be bop auf der Wilhelmshöhe war tot.

Jedenfalls fast.

Am 28. Februar 1986 eröffnet das be bop neu – in der Steuerwalder Straße. Und 4000 Leute feiern mit.

In der Steuerwalder Straße fehlt allerdings das Weitläufige, das draußen auf der Wiese Sitzen, das über die Stadt Schauen. Das be bop ist nun ein anderes, die Leute sind sich einig: Oben war’s schöner. Bis 1996 hält der Laden unten durch. Dann ist endgültig Schluss. Auch deshalb, weil sich erneut Anwohner am Lärm stören.

War das zweite ein schlechteres be bop, Doddy?

Die Verbundenheit: Revival und Geburtstagsparty jedes Jahr

1996 veranstaltet Doddy die erste Bebop-Revival-Party. Die Leute finden das super – und die jährliche Geburtstagsfete jeweils am ersten November-Wochenende im Vier Linden ist seitdem gebucht. Doddy spielt dann lediglich Stücke, die vor 1996 produziert worden sind. Im Jahr 2016 steht der 40. Geburtstag an. Doddy verspricht: „Ich mache auch noch bis zum 50. weiter. Wir machen vielleicht nicht die beste Musik. Aber wir machen’s anders.“

Ein Blick ins Revival 2015…

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