Ein Jahr nach dem Hochwasser:
HAZ lädt zum Forum ein

Das verheerende Hochwasser in der Region Hildesheim hat im Juli 2017 schwere Schäden hinterlassen und Existenzen bedroht. Ein Jahr später ist das Wasser weg, viele Schäden sind beseitigt. Aber noch immer kämpfen die Menschen in den Hochwassergebieten mit den Folgen der Flut. Und sie haben Angst vor der nächsten Katastrophe. Ihre Sorgen sind begründet: Experten warnen vor deutlich höheren Hochwassern in den kommenden Jahrzehnten und vor häufigerem Starkregen. Die Hildesheimer Allgemeine Zeitung hat die Bürger in der Zeit des Hochwassers begleitet und informiert. Jetzt haken wir in einem Gesprächsforum nach.

 

Die HAZ diskutiert

Am Anfang war es nur ein starker Regen. Keiner konnte ahnen, was daraus werden würde: Das schlimmste Hochwasser, das Hildesheim und der Landkreis jemals erleben mussten. Am 24. Juli 2017 begannen die Feuerwehrleute gegen die Fluten zu kämpfen. Der Pegel der Innerste stieg unaufhörlich und erreichte ein Rekordhoch von über sieben Metern. Ganze Orte versanken in den Fluten. Das Hochwasser hinterließ vielerorts schwere Schäden, die teilweise auch ein Jahr danach noch nicht behoben sind.

Wie ist die Lage? Und wie soll es weitergehen? Darüber diskutieren Beteiligte verschiedener Seiten beim HAZ Forum am 4. September 2018 in Bad Salzdetfurth:

Das große Hochwasser – ein Jahr danach. Jetzt live: Das HAZ Forum aus der IGS in Bad Salzdetfurth. Unter anderem mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies, Matthias Bellgardt von der Feuerwehr und Helfried Basse vom Landkreis.

Gepostet von hildesheimer-allgemeine.de am Dienstag, 4. September 2018


Das sind die Gäste:

Olaf Lies

Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz

Dr. Oliver Junk 

Oberbürgermeister der Stadt Goslar                                     

Matthias Bellgardt 

Stadtbrandmeister der Stadt Bad Salzdetfurth

Heiko Räther 

Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung der Stadt Bad Salzdetfurth

Matthias Mörke  

Brandabschnittsleiter

Helfried Basse

Landkreis Hildesheim, Dezernent für Sicherheit, Ordnung und Umwelt

Außerdem dabei: 

 

Heinz Habenicht, Fachbereichsleiter Tiefbau und Grün der Stadt Hildesheim

Caroline Geburek,  Bürgerinitiative Hochwasser

Bernd Ebeling, Bürgerinitiative Hochwasser

 

Weitere Gäste können folgen …


Das Hochwasser in Hildesheim

Der Regen lässt in den letzten Julitagen 2017 einfach nicht mehr nach. Der Pegel der Innerste erreicht ein Rekordhoch, der Fluss steigt über sieben Meter an. 

In zahlreichen Orten in Stadt und Region herrscht Land unter. So schlimm hat es Hildesheim noch nie zuvor getroffen. Vor allem Menschen in Klein Düngen, Groß Düngen und Itzum kämpfen gegen die Flut.

Einsatzkräfte vom Technischen Hilfswerk und der Feuerwehren aus Hildesheim, Lüneburg, Göttingen, Diepholz, Verden und vielen anderen Orten sind Tag und Nacht im Einsatz. Genau wie die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren.

Auf dem Bauhof der Stadt werden rund um die Uhr Säcke mit Sand befüllt. Zahlreiche freiwillige Helfer kommen hinzu. Sie pumpen Keller aus und stapeln die Sandsäcke an bedrohten Stellen.

Weil Straßen überflutet sind, kommt der Verkehr in Hildesheim phasenweise völlig zum Erliegen. Zahlreiche Straßen sind gesperrt. Laster mit Sand und Sandsäcken fahren mit Polizei-Eskorte durch die Stadt.

Die Domäne Marienburg steht unter Wasser. Allein an den Universitätsgebäuden des Kultur-Campus entsteht ein Schaden in Millionenhöhe.

Viele Menschen müssen in Hildesheim und in der Region mit ansehen, wie ihr Hab und Gut im dreckigen Wasser versinkt. Sie fühlen sich  von der Stadt und dem Landkreis alleingelassen. Vielerorts kommen nicht mal die Versicherungen für die hohen Schäden auf.

 

Montag, 24. Juli

Nachts fängt es an zu regnen – und hört nicht wieder auf. Am Abend sind mehrere Flüsse der Region über die Ufer getreten. In fast allen Kommunen sind Feuerwehren und Technisches Hilfswerk im Einsatz, füllen Sandsäcke und pumpen Keller aus.

 

Dienstag, 25. Juli

In der Itzumer Hauptstraße kämpfen Anwohner gegen Wasser, das von allen Seiten kommt. Sie fühlen sich von den Rettungskräften im Stich gelassen.

Bis Dienstagabend sind in der Stadt Hildesheim 15000 Sandsäcke verbaut. Der Krisenstab fordert Hilfe aus Nachbarregionen an.

Die Stadt bereitet sich auf die Evakuierung der Straßen Große Venedig und Kalenberger Graben vor.

Auch das Jo-Bad ist bedroht.

In Sarstedt legen THW und Feuerwehr in der Nacht Sonderschichten ein, um Sandsäcke zu Barrieren zu stapeln.

Mittwoch, 26. Juli

Um 7 Uhr morgens bricht in Heersum der Deich. Die Feuerwehr reißt daraufhin den Damm weiter ein, lässt das Wasser auf das Überflutungsgebiet laufen. Heersum und Klein Düngen versinken im Wasser.

In Bad Salzdetfurth ist die Altstadt überflutet, einige Anwohner sind in ihren Häusern eingeschlossen. Nachmittags zieht sich das Wasser aufgrund des Deichbruchs zurück.

Dagegen verschlimmert sich die Lage in Groß Düngen. FTZ und ZAH werden evakuiert.

Auch in Bockenem sind Straßen nachmittags unpassierbar.

Holle ist kaum noch zu erreichen, die Einsatzkräfte wissen nicht mehr, wohin mit dem abgepumpten Wasser.

In Diekholzen und Sibbesse beginnt nachmittags das Aufräumen. Am Abend fließen Alme und Despe wieder in ihren Flussbetten.

Die Evakuierung von Große Venedig und Kalenberger Graben scheint abgewendet.

 

Donnerstag, 27. Juli

Nach einer Entspannung am Mittwoch steigt das Wasser jetzt in Itzum wieder an.

Itzumer Hauptstraße, Kesselei und die Domäne Marienburg sind schwer getroffen. Der Kulturcampus stellt den Betrieb ein.

Hockeln ist seit 3 Uhr nachts von der Außenwelt abgeschnitten.

Freitag, 28. Juli

Aufatmen im Landkreis! Das Wasser geht langsam zurück. 

Als die Wassermassen zurückweichen, wird jedoch erst der Schaden deutlich, den die Fluten angerichtet haben. 

Zahlreiche Menschen haben ihr Zuhause verloren und müssen bei Freunden und Verwandten unterkommen. Vor den Häusern stapeln sich Möbel, die das Wasser zerstört hat.

Liter Regen pro Quadratmeter fielen im Juli 2017 in Niedersachsen – doppelt so viel wie im landesweiten Durchschnitt von rund 75 Litern pro Quadratmetern.

Millionen Euro – darauf beziffert Dezernent Helfried Basse die Hochwasserschäden im Kreis, ein Viertel davon entfällt auf Gebäude des Landkreises und der Kommunen.

haupt- und ehrenamtliche Retter aus dem Kreis und ganz Niedersachsen waren während der Flut im Einsatz.

Betroffene Orte

Die Einsatzkräfte kämpfen stundenlang gegen die Fluten: Ohne Erfolg. Die Altstadt von Bad Salzdetfurth wird vollständig von der Lamme überflutet. Und auch die umliegenden Orte hat es besonders schlimm getroffen. Viele Läden sind zerstört, Häuser unbewohnbar. Der Strom wird abgestellt. Auch der Kurpark steht unter Wasser.

Zahlreiche Menschen in Klein Düngen verlieren ihr Zuhause. Denn die braune Brühe aus Lamme und Innerste flutet nicht nur die Keller. Die Bewohner stehen im Erdgeschoss knietief im Wasser. Sicherungskästen fangen Feuer, ein 6000 Liter fassender Öltank läuft aus. Das Wasser hinterlässt schlimme Verwüstungen – und verzweifelte Menschen.

In Groß Düngen dringt das Innerste-Hochwasser über Bahnhofsallee und Wiesenstraße in den Ort vor. Das Gewerbegebiet mit Feuerwehrtechnischer Zentrale und den Gebäuden des Zweckverbands Abfallwirtschaft Hannover muss evakuiert werden. Zahlreiche Häuser werden geflutet. 

Das Hochwasser trennt Hockeln von der Außenwelt ab. Die Zufahrtsstraßen von Klein Düngen und Heersum sind unpassierbar. Der Strom wird abgestellt.

Auch viele Menschen in Wesseln sind von der Flut betroffen: Das Wasser zerstört Wohnungen und Häuser. Keller werden ausgepumt.

Itzum ist zeitweise von den Wassermassen eingeschlossen, sodass Menschen evakuiert werden müssen. Die Hauptstraße ist gesperrt. Manche Autofahrer erkennen den Ernst der Lage nicht: Sie bleiben mit ihren Fahrzeugen in den Wassermassen stecken. Landwirte helfen mit ihren Traktoren aus.  

Die Menschen in Marienburg sind mit als erstes von der Flut betroffen. Die Pferdeweiden des Reitvereins werden geflutet, die Tiere evakuiert. Auf dem Gelände der Domäne Marienburg steigt das Wasser immer weiter an. Auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim entsteht ein Schaden in Millionenhöhe.

Die Straßen am Hohnsensee sind tagelang gesperrt. An der Straße Große Venedig werden Tag und Nacht Sandsäcke gestapelt, um noch Schlimmeres zu verhindern. Lange Zeit fürchten die Einsatzkräfte, dass die Menschen, die am Kalenberger Graben leben, evakuiert werden müssen. Notunterkünfte werden eingerichtet und von manchen Anwohnern genutzt.

Auch im Bereich des Dammtors steigt das Wasser unaufhörlich weiter an. Die Bischofsmühle wird geflutet. Genauso wie zahlreiche Wohnungen, die in der Nähe des Flusses liegen. Die Einsatzkräfte fürchten mehrfach, dass der Damm bricht und die Dammstraße flutet. Doch er hält stand.

Das Gewerbegebiet Ahrbergen droht im Wasser zu versinken. Mit der Hilfe von Einsatzkräften aus Hannover werden tausende Sandsäcke gestapelt. Die Ackerflächen laufen voll, aber die Dämme halten.

 

Auch  Sibbesse wird nicht von der Flut verschont: Das Hochwasser hinterlässt in der Gemeinde vielerorts zerstörte Keller, Matsch und Geäst. Vor allem Almstedt ist betroffen.

In Bockenem sind die Feuerwehren im Dauereinsatz. Die Nette überflutet die Bundesstraße 243. Etliche Gebäude laufen mit Wasser voll. Im DRK-Seniorenheim steht das Wasser etwa einen Meter hoch.

Gesperrte Straßen und vollgelaufene Keller in Nordstemmen: In der Heyersumer Straße, der Hauptstraße und der Marienbergstraße – alle entlang des Salzbaches – haben Feuerwehr und THW feste Pumpstationen eingerichtet, um das übertretende Wasser umzuleiten.

Auch die Menschen an der Beuster trifft das Hochwasser schwer. Die Feuerwehr stemmt sich mit Pumpen und Sandsäcken gegen die Flut – vor allem in Söhre und im Diekholzener Unterdorf.

Mehr als 600 Feuerwehrleute sind allein in Alfeld im Einsatz: Bei Sack laufen zwei Regenrückhaltebecken über. Neben zahlreichen Häusern wird auch die Park-Residenz überflutet. 129 Senioren müssen evakuiert werden.

In der Gemeinde Lamspringe ist die Feuerwehr vor allem in Harbarnsen und Sehlem im Einsatz. Auch hier laufen in den Kellern die Pumpen auf Hochtouren.

Der Pegel der Innerste steigt auch in Sarstedt immer weiter an. Mehrere Parkplätze werden gesperrt. Kanäle werden leergepumpt, um sie zu entlasten. Die Sandsäcke reichen nicht aus: Wasser läuft auf Straßen und Grundstücke.

Besonders schlimm trifft es in Holle die Michelswiese, die Bahnhofsstraße und die Zollstraße. Das Pumpen hat schnell keinen Sinn mehr. Denn es stellt sich die Frage: Wohin mit dem ganzen Wasser?

In Deinsen steht das Wasser bis zu 60 Zentimeter hoch auf den Straßen, etliche Keller laufen voll.

Gewässer um Gewässer steigt über die Ufer – wie die Despe in Nienstedt

 

In Sottrum tritt der Borbach über die Ufer und flutet Straßen und Felder.

In Sillium wird ein Gehöft komplett überflutet.

In Hackenstedt rinnt das Wasser durch die Borbachstraße.

20 Lämmer werden in Derneburg Opfer des Hochwassers. Sie werden auf den Grünflächen an den Derneburger Teichen von der Flut überrascht. Von der Bundesstraße 6 ist der Ort nicht mehr zu erreichen. Der Bahndamm ist unterspült

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Ein Jahr später

Schutz vor neuen Fluten: Was schon passiert ist und noch passieren soll

Ein Hochwasserschutz-Projekt im Landkreis wurde bereits Ende vergangenen Jahres abgeschlossen – es war allerdings keine Konsequenz aus dem Juli-Hochwasser, sondern schon länger geplant: Der Deich bei Heersum, der das Dorf selbst, aber auch die weiter unten an der Innerste liegenden Orte schützen soll. Geplant wurde er seit zehn Jahren.

So lange soll es nicht dauern, bis weitere Projekte abgeschlossen sind. Das besonders heftig betroffene Klein Düngen etwa soll seine Kombination aus Mauern und Wällen entlang der Lamme noch in diesem Jahr bekommen, verspricht der Landkreis. So schnell geht es im benachbarten Groß Düngen nicht. Dort soll in den nächsten Jahren ein Pumpensystem entstehen, weil das Wasser im Fall der Fälle von unten hochdrückt. Ein Deich würde da kaum helfen, meinen die Fachleute.

Obendrein sind neue Deiche zum Schutz der Orte und zur Bildung sogenannter Retentionsflächen (letztlich Auffangbecken auf Feldern) auch in den Kommunen Bad Salzdetfurth, Holle, Giesen, Sarstedt und Nordstemmen geplant. Dort geht es teilweise nicht nur um Innerste und Leine, sondern auch um deren kleinere Zuflüsse.

Zudem plant der Landkreis zusammen mit der Stadt Hildesheim, Stadt und Landkreis Goslar sowie der Stadt Salzgitter neue Staubecken zwischen Harz und Hildesheim, um der Innerste besser Herr zu werden. Das Land hat zudem angekündigt, gemeinsame Projekte mehrerer Kommunen oder Landkreise massiv finanziell zu unterstützen.

In der Stadt Hildesheim wurde bereits ein Rückhaltebecken bei Itzum eingerichtet und ein Damm dort ertüchtigt. Zudem will die Stadt unter anderem mit einem mobilen Schlauchsystem Innerste-Anlieger schützen – das sei schneller und einfacher als das Stapeln Tausender Sandsäcke.

Noch in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr, soll ein Bypass für die Innerste an der Scharfen Ecke in Itzum entstehen. Ansonsten gehören die Jahre 2018 und 2019 vor allem den Planern, zumal für viele mögliche Bauwerke sogenannte Planfeststellungsverfahren nötig sind. Ab 2020 hofft die Stadt dann, zu bauen. In einer Präsentation im Stadtentwicklungsausschuss warnte die Verwaltung allerdings, die Finanzierung sei noch zu klären.

Vergangene Hochwasser

1968: Mit dem Paddelboot durch die Altstadt

Bad Salzdetfurth versinkt im Januar 1968 unter einer dicken Schneeschicht. In der Nacht zum 15. Januar steigen die Temperaturen dann plötzlich an. Die weiße Pracht schmilzt langsam vor sich hin.

Aus dem Harz drängt zusätzlich Schmelzwasser in die Lamme. Zu viel für den kleinen Fluss. Der Pegel steigt bedrohlich an und schließlich gibt es kein Halten mehr für die Wassermassen. Die gesamte Altstadt wird überschwemmt.

In der Oberstraße in Bad Salzdetfurth steht das Lammewasser gut 50 Zentimeter hoch. Reinhard Stoffregen und Edzard Prost machen das Beste daraus und paddeln in einem Kanu die Straße entlang.

 

2007: Die Region ist überflutet

Die Tage und Nächte der Hochwasser-Katastrophe im Jahr 2007 werden die Menschen in der Region nicht vergessen. Am letzten September-Wochenende versinken Teile des Landkreises im Wasser. Die Innerste und Nebenflüsse treten über die Ufer – Großalarm wird ausgelöst. Land unter in Heersum, Ahrbergen, Holle, Bad Salzdetfurth, Baddeckenstedt.

Die Helfer sind pausenlos im Einsatz, pumpen Keller leer und versorgen die Bevölkerung mit dem Notwendigsten. Fast 4000 Helfer packen mit an. Die Helfer kommen nicht nur aus dem Kreis Hildesheim. Auch aus benachbarten Kreisen rücken sie an.

Mit Müh und Not werden die Dörfer gesichert. Tausende Sandsäcke sollen helfen, Häuser zu schützen. Die alten Dämme können das Wasser kaum mehr stoppen, bei Klein Düngen bricht ein Wall. Viele Betroffene helfen sich jetzt gegenseitig. Dieses Hochwasser schweißt sie zusammen. 

Dann hört der Regen endlich auf. In den ersten Oktobertagen entspannt sich die Lage. Niemand wird verletzt, doch zurück bleiben Schäden in Höhe von etwa zwei Millionen Euro. Und Angst, dass die Flut noch mal über die Region hereinbricht.

2013: Die Flüsse treten wieder über die Ufer

Der Regen will nicht mehr aufhören: Ende Mai 2013 treten nach tagelangem Dauerregen mehrere Flüsse in der Region über die Ufer. Sowohl die Leine-Messstelle Poppenburg in Burgstemmen als auch die Messstelle in Heinde lösen die Meldestufe drei aus. Das bedeutet: Es drohen größere Überschwemmungen.

In Heinde klettert der Pegel der Innerste in wenigen Stunden auf mehr als sechs Meter – mehr als doppelt so hoch wie an normalen Tagen. Die Hildesheimer Stadtverwaltung und der Kreis sperren mehrere Straßen, etliche Keller laufen voll. Viele Feuerwehren sind im Einsatz.

Sarstedt meldet: Land unter. Die Holztorbrücke in der Innenstadt und weitere Straßen werden gesperrt. Das Wasser drückt aus der Kanalisation in die Stadt.

Und auch in Heersum blicken die Einwohner mit Sorge gen Himmel. Das verheerende Hochwasser von 2007 haben die Menschen noch gut im Gedächtnis. 

Vor allem Holle und Sarstedt betroffen

Als in den meisten Kommunen im Kreis das Wasser wieder sinkt, steigen in Holle die Pegel sogar noch einmal an. „Das Hauptproblem ist die Nette“, fasst Torsten Krakowski, Vertreter des Holler Bürgermeisters, zusammen. Der Bach kommt brechend voll ins Gemeindegebiet und will bei Derneburg in die Innerste fließen.

Aber deren Kapazitäten sind im Mai 2013 erschöpft. Die Innerste nimmt kaum noch Wasser auf, die Fluten aus den Zuflüssen werden zurückgedrückt und stehen dann auf den Feldern und Straßen rund um Holle.

Im Bereich Michelswiese ist das Problem ähnlich. Dort bereitet unter anderem der „Neue Graben“ Probleme. Auch der wird sein Wasser nicht los, bricht deshalb aus seinem Bett aus.

Sarstedt hat Glück, dass die erste Innerste-Welle noch in die nicht ganz volle Leine abfließen kann. Erst der Leine-Rückstau lässt das Wasser stark steigen.

Fotos: Chris Gossmann, Julia Moras, Clemens Heidrich, Jannik Gückel, Norbert Mierzowsky; Videos: Stephan Möller, Clemens Heidrich; Texte: Wiebke Barth, Rebecca Hürter, Tarek Abu Ajamieh

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