Die Hildesheimer Hütte:
Heimat auf 2899 Metern

 

Seit über 100 Jahren thront die Hildesheimer Hütte auf einem Felsen in den österreichischen Alpen. Die Reise von Hildesheim aus ist ein Abenteuer – HAZ-Redakteur Manuel Lauterborn hat es gewagt.

Eine Geschichte von schmerzenden Waden, Schneegestöber und Wirten, die seit 26 Jahren einen Knochenjob leisten.

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77 Mark und der Wunsch nach einer Hütte

Die Historie

Ganze 77 Mark und zwei Pfennige betrug das Vermögen der Hildesheimer Sektion des Deutschen Alpenvereins, als die 81 Mitglieder im Jahre 1892 beschlossen, in den Tiroler Alpen, 40 Kilometer westlich des Brenners, eine Berghütte zu errichten. Um den mutigen Plan zu realisieren, schlug der Hildesheimer Bankier Paul Weber im Jahr 1892 eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages auf stattliche zwölf Mark vor, von denen drei Mark in einen „Hütten- und Wegebaufonds“ flossen. Zusätzlich wurden Anteilsscheine, das Stück für 20 Mark, ausgegeben, um die immensen Baukosten von 8500 Goldmark finanzieren zu können.

In dem Bergführer, Baumeister und Bauern Martin Scheiber aus Obergurgl aber hatten die Verantwortlichen einen tüchtigen Mann gefunden, der 1896 die Hütte aus den Bruchsteinen der Umgebung errichtete.

Eröffnung Hildesheimer Hütte 1896

Eröffnung Hildesheimer Hütte 1896

Martin Scheiber, Erbauer der Hildesheimer Hütte

Martin Scheiber, Erbauer der Hildesheimer Hütte

1915, wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, musste die Hildesheimer Hütte schließen, weil sie plötzlich mitten im Kriegsgebiet lag und zudem der Hüttenwirt als „Tiroler Standschütze“ eingezogen wurde.

Nach Kriegsende verschlang die Inflation das Sektionsvermögen. Dem Besucherrekord im Jahr 1929 mit mehr als 4000 Gästen folgte die „Machtergreifung“ Hitlers. 1933 verhängte die deutsche Reichsregierung eine Sondergebühr für Österreichreisende von 1000 Reichsmark – was einer Einreisesperre gleichkam.

Mit dem „Anschluß Österreichs an das Reich“ stand die Hütte ab 1938 für sieben Jahre sogar auf deutschem Territorium, doch der Zweite Weltkrieg, der ein Jahr später entfesselt wurde, ließ die Besucherströme erneut versiegen.

Nach Kriegsende war das Haus geplündert, verhängten die Alliierten eine Reisesperre für die deutsch-österreichische Grenze und beschlagnahmten sämtliche deutschen Hütten in Österreich.

Erst nach Abschluß des deutsch-österreichischen Staatsvertrages 1955 begannen die Verhandlungen über eine Rückgabe der Immobilien aus österreichischer Treuhand: 1958 schließlich erhielten die deutschen Sektionen ihre 142 Hütten zurück – darunter die Hildesheimer Hütte.

„Die Hildesheimer Hütte enthält im unteren Schlafraum acht, im Oberraum vier Betten. Im Falle großen Andrangs dürfen die Lagerstätten im Führer-Raum benutzt werden; in letzterem Falle sind die Führer auf das Heulager angewiesen. So lange es der Raum gestattet, müssen Zuflucht Suchende aufgenommen werden. Betreffens die Wahl der Schlafstellen entscheidet im Allgemeinen der Zeitpunkt des Eintreffens. Damen haben jedoch, auch wenn sie später eintreffen, Anspruch auf einen Platz im unteren Schlafraum und müssen die zuletzt eingetroffenen Reisenden den Damen Platz machen.“ (Auszug aus der  ersten Hausordnung des Jahres 1896)

Wunde Waden und leckende Lämmer

Die Wanderung

Es ist Ende Juli. Zusammen mit Ferdinand Niewiera will ich zur Hildesheimer Hütte wandern. Die steht auf 2899 Metern Höhe auf einer Klippe in den Stubaier Alpen in Österreich – seit dem 28. Juli 1896. Niewiera ist Hüttenwart der Hildesheimer Hütte. Er kennt den Weg. Ich nicht.

Pünktlich um 8 Uhr in der Früh geht es los – direkt mit einem steilen Aufstieg. Schon nach wenigen hundert Metern atme ich schwer. „Geht ja gut los“, denke ich mir. Wenigstens geht es danach sanfter bergan. Nach einer kurzen Pause stehen wir vor einer Entscheidung: links oder rechts? Serpentinen oder steiler Pfad? Natürlich links. Serpentinen. Ludwig-Aschenbrenner-Weg.

Auf dem geht es auf den letzten Metern vor der Hütte noch einmal kräftig bergan.Mittlerweile schleppe ich mich Schritt für Schritt voran. Dann sind wird da -endlich. Sechs Stunden haben wir gebraucht, laut Wanderapp waren wir drei Stunden und 14 Minuten in Bewegung.

Komfortabel - mit Charme

Die Hütte

Um die 360°-Bilder zu sehen, die Bilder mit der Maus/Hand nach rechts/links und oben/unten bewegen.

26 Sommer auf dem Berg

Die Wirte

Die erste Wirtin der Hütte hieß Fiegl, der jetzige Wirt auch. Über mehrere Ecken sind Hierlanda und Gustav wohl verwandt, so genau weiß man das aber heute nicht mehr. Zusammen mit seiner Frau Elfriede betreibt Gustav Fiegl seit 1991 die Hildesheimer Hütte. Das Ehepaar bewirtet bis zu 80 Gäste – ein Knochenjob, den die beiden trotzdem genießen können.

Von Eystrup bis Maine

Die Gäste

„Man kommt rein und es ist heimelig. Die Hütte wurde modern renoviert – ohne ihr die Gemütlichkeit zu nehmen.“

Frank Strauss aus Niederhasli, Schweiz

„Wir kommen jedes Jahr wieder zur Hildesheimer Hütte. Das ist schon Tradition.“

Hagen Bandt aus Eystrup

„Als ich die Hütte zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich den Anblick kaum fassen – so schön.“

Rebecca Penczer aus Maine, USA

„Die Hütte ist umwerfend – und so komfortabel. Mein Schwiegervater hat uns den Tipp gegeben – ich bin sehr glücklich, dass wir hier sind.“

Erica Penczer aus Maine, USA

„Das ist die schönste Hütte Österreichs.“

Gerd Grönke aus Eystrup

„Man fühlt sich einfach gut aufgehoben – und Elfriede kocht sehr gut. Hier gibt es das beste Tiramisu der Welt.“

Elisabeth Reiter, Bergwanderführerin, aus Gosau am Dachstein, Österreich

„Einfach eine Hütte mit Charme.“

Rudolf Anhorn aus Thal am Bodensee, Schweiz

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