Hildesheimer Schützenfest:

Tradition, Niedergang – und Neuanfang

 

Zuckerwatte und Lüttje Lage, Scheibenschießen und Festumzug, „Bayernkurve“ und Riesenrad: Das Schützenfest in Hildesheim ist jahrzehntelang ein Besuchermagnet. In langen Nächten entstehen Erinnerungen für die Ewigkeit.

Mit der Zeit verblasst jedoch der Glanz. Die Besucher werden weniger, die Aussteller unzufriedener. Das Schützenfest zieht mehrfach um. Doch der Erfolg vergangener Tage kehrt nicht zurück. Nun wagen die Schützen einen Neuanfang.

Ein Blick auf wilde Jahre – und auf das Hin und Her, das darauf folgte.

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Hier drehen sich die Karussells

Schützen luden bereits auf vier Plätze ein

Von 1965 bis 2000 feiern Schützen und andere Hildesheimer auf dem Volksfestplatz an der Lademühle. 2017 kehrt das Schützenfest dorthin zurück.

2000 wechselt das Schützenfest schon wieder seinen Standort. Es zieht an die Pappelallee. Hier wird es bis 2012 gefeiert.

In den Jahren 2013, 2014 und 2016 feiern die Hildesheimer im Stadtzentrum das Hildesia-Stadtfest. Ein traditionelles Schützenfest gibt es nicht. 2015 wird das Stadtfest mit dem Tag der Niedersachsen verbunden.

Von 1949 bis 1964 können die Schützen auf den Schützenplatz einladen. Doch dann muss das Fest umziehen, weil die Polizeiinspektion auf das Grundstück verlegt wird.

Ab jetzt wird gefeiert!

Das waren die Anfänge des Schützenfestes in Hildesheim

1949 einigen sich die Junggesellen-Kompanie und die Hildesheimer Schützengesellschaft (HSG) mit der Stadt, künftig ein Schützenfest auf dem Gelände an der Schützenwiese auszurichten. Hier hatten die Hildesheimer auch schon vor dem Krieg ihr Volksfest gefeiert. Bis einschließlich 1964 ist die Schützenwiese traditionell in der dritten Juniwoche zehn Tage lang der Hildesheimer Besuchermagnet. Zwischen Festzelten, Karussells und Imbissbuden drängen sich Schützen, Junggesellen und andere Hildesheimer. Zahlreiche Geschäftsleute und Innungen beteiligen sich am Festumzug. Am Gedenktag des 17. Juni verstummt die Musik in der Budenstadt. Doch auch das hält die Hildesheimer nicht davon ab, sich auf dem Volksfestplatz zu vergnügen.

Sehnsucht nach Unterhaltung

Zum traditionellen Handwerkertag, dem jeweiligen Montag in der Festwoche, erhalten unter anderem Friseur-, Bäcker- und Schlachter-Lehrlinge sowie Gesellen von ihren Lehrherren 5 Mark zum Besuch des Rummelplatzes. Bei einem Fahrpreis von einem Groschen für ein Kettenkarussell ein spendables Taschengeld. Die Menschen in der Nachkriegszeit haben Nachholbedarf und freuen sich in den Jahren des Wiederaufbaus über Unterhaltung.

Waren Sie dabei? Klicken Sie sich durch alte Aufnahmen vom Schützenfest:

Es boomt!

Der Umzug zum Volksfestplatz

Mitte der 60er Jahre will das Land Niedersachsen die Polizei an die Schützenwiese verlegen. Das jährliche Ensemble rund ums Riesenrad muss weichen, die Fahrgeschäfte drehen sich von 1965 an auf dem Platz an der Lademühle. Das frühere Fabrikgelände wird vor der Neubelegung herausgeputzt: Auf der Fläche wird der spätere, weitläufige Rundweg geebnet und eine Asphaltdecke aufgebracht. Stromanschlüsse werden verlegt, Wasser- und Abwasserleitung kommen unter die Erde. In den 70er Jahren boomt das Volksfest am neuen Standort. Die Zahl der Fahrgeschäfte steigt: Bis zu 122 Schausteller füllen nahezu den gesamten Festplatz inklusive zweier Mittelgänge aus.

1974 lockt das Schützenfest mit „Public Viewing“

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft können die Hildesheimer in der nun weitläufigeren Festmeile ganz groß feiern: Im Festzelt Fichtelmann werden auf drei Farb-Fernsehgeräten die spannendsten Spiele übertragen. Jahrzehnte vor der Erfindung von „Public-Viewing“ locken die Organisatoren damit zu einem Schützenfestbesuch. Ein Novum: Parallel stattfindende Fußball-Partien, die offiziell nicht im Fernsehen übertragen werden, flimmern zeitversetzt über die Bildschirme im Festzelt.

Nach dem Erfolg kommt die Flaute

In den kommenden Jahren gehen die Besucherzahlen jedoch rapide zurück. Der Glanz des einstigen Zugpferdes Hildesheimer Veranstaltungen bröckelt in den 80er und 90er Jahren immer weiter. Die Umsätze der Schausteller sind teilweise so schlecht, dass sie schon in der Mitte der Woche ihre Sachen packen und Hildesheim den Rücken kehren.

Das waren die Highlights beim Schützenfest:

Neben Klassikern wie Riesenrad, Autoscooter, Geisterbahn und Kettenkarussell sind über die Jahre auch einige Schausteller mit ausgefallenen Fahrgeschäften in Hildesheim: Ein Highlight für die Besucher ist unter anderem die rasante Kult-Kreisbahn unter den Fahrgeschäften, die legendäre „Bayernkurve“. Freunde der Geschwindigkeit können auch in dem sich überschlagenden „Mondlift“ und im „Rio-Express“ auf ihre Kosten kommen. Der funktioniert ähnlich wie eine Berg- und Talbahn.

Bei besonders warmem Wetter sorgt der „Happy Sailor“ während der Fahrt für eine kurze Abkühlung. Denn das Karussell dreht sich nicht nur rasend schnell, sondern spritzt auch mit Wasser.

Sogar die Achterbahn des Münchner Oktoberfests kommt zu den besten Zeiten nach Hildesheim. Außerdem gibt es eine zweistöckige Go-Kart-Bahn und ein „Rotor-Fass“, in dem Steilwandfahrer auf Motorrädern und Rennwagen im Kreis fahren. Der „Booster Maxx“ ist etwas für ganz starke Nerven: Ein langer Arm wirbelt die mutigen Festplatz-Besucher durch die Luft. Sportlich Interessierte können in einer Boxbude Kämpfe beobachten.

Das Hin und Her

Schützenfest oder Stadtfest?

Die Besucher bleiben aus. Das Schützenfest an der Lademühle lohnt sich für  die Schausteller nicht mehr. Deshalb entscheiden sich die Veranstalter zur Jahrtausendwende für einen erneuten Standortwechsel: Das Schützenfest wird an der Pappelallee – in der Nähe des alten Schützenhauses – gefeiert. Doch die Stellflächen sind hier viel kleiner. Noch weniger Karussells werden den Besuchern geboten, für ein Riesenrad bleibt nur in den Anfangsjahren Raum. Dafür gibt es ein überdimensioniertes Festzelt.

Schützen feiern im Stadtzentrum

Der Erfolg alter Tage kehrt nicht zurück. Nach einem Jahrzehnt ist 2012 auch das Schützenfest an der Pappelallee endgültig Geschichte. Statt eines Schützenfestes mit Karussells wird in den Jahren 2013, 2014 und 2016 das Hildesia-Stadtfest im Stadtzentrum gefeiert. Die HSG organisiert das Stadtfest gemeinsam mit den Junggesellen sowie Matthias Mehlers Event-Werft. 2015 ist das Fest in den Tag der Niedersachsen integriert, mit einer Vesper an der Steingrube und kaum Aufmerksamkeit.


So wurde in den vergangenen Jahren gefeiert:

Das halten die Hildesheimer vom Ortswechsel

Das Schützenfest 2017

Die Rückkehr zum Volksfestplatz

Vom 22. bis zum 25. Juni 2017 können die Hildesheimer erstmals seit 2000 wieder auf dem Volksfestplatz an der Lademühle Karussell fahren. Die HSG feiert mit dem Schützenfest ihr 650-jähriges Bestehen, weil sie im Zuge der Schlacht bei Dinklar 1367 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Von Donnerstag bis Sonntag drehen sich auf dem Volksfestplatz jeden Tag ab 14 Uhr die Karussells. Zehn Fahrgeschäfte bieten die Veranstalter den großen und kleinen Besuchern. Dazu gibt es Dosenwerfen, Bogenschießen und Trampolinspringen.

Die Schützen sind anschließend zufrieden mit dem Neustart an alter Stelle: „Das Fest wurde deutlich besser angenommen, als wir erwartet hatten“, sagt der stellvertretende HSG-Chef Markus Engelke. Der Platz sei noch nicht optimal gewesen. „Aber wir werden uns jetzt mit den Schaustellern zusammensetzen und das für das kommende Jahr verbessern“. Er gehe davon aus, dass zum Schützenfest 2018 deutlich mehr Schausteller mitmachen.

 

Schausteller sind beim Schützenfest 2017 auf dem Volksfestplatz an der Lademühle dabei

Jahre gibt es die Hildesheimer Schützengesellschaft bereits - sie feiert in diesem Jahr ihr Jubiläum.

Die HAZ testet das Hildesheimer Schützenfest

Für die sehr Mutigen

Erst kann der Hip Hop Jumper nicht starten. Die Bolzen müssen nachgezogen werden. Mit etwas mulmigem Gefühl geht es eine viertel Stunde später doch los. Gurte gibt es nicht. Die Karussellfahrer halten sich mit den Händen an Gitterstäben fest. Wenn der Jumper seine Runden dreht, heben die Beine schon mal vom Boden ab. Da wird mir wieder mulmig. „Das war richtig cool“, findet aber Nilay (11) nach der Fahrt.
Tipp: Vorher nicht die Hände einkremen! Mit feuchten Händen kann das Festhalten schwierig sein.
Fahrzeit: 4.30 Minuten.

Für Freunde der Geschwindigkeit

Das Fahren mit der Berg- und Tal-Bahn macht immer wieder Spaß. Auch wenn sie bei fast jedem Volks- und Schützenfest dabei ist. Beim Hildesheimer Schützenfest heißt der Klassiker Music-Express. Bei der rasend schnellen Fahrt weht einem ganz schön der Fahrtwind um die Ohren. Aber weil der Music-Express immer in dieselbe Richtung fährt, wird mir zum Glück nicht so schnell schwindelig.
Tipp: Gleich mehrere Chips kaufen! Dann sind sie günstiger. Und die Fahrt hat mir sehr gut gefallen.
Fahrzeit: 4.20 Minuten.

Für jeden ohne Höhenangst

Der Bayernstar ist zum ersten Mal in Hildesheim. In 30 Metern Höhe schleudert er die Besucher über den Volksfestplatz. Von dem großen Kettenkarussell hat man einen tollen Blick über den Festplatz und über Hildesheim. Bei dem strahlenden Sonnenschein tut der Fahrtwind gut. Kinder unter acht Jahren brauchen eine erwachsene Begleitung.
Tipp: „Nicht nach unten schauen!“, rät Denise (7). Ihren Eltern gehört der Bayernstar. Deshalb kennt sie sich gut aus.
Fahrzeit: 5 Minuten.

Für Fans von Klassikern

Gemütlich seine Runden drehen kann man im Autoscooter auf dem Hildesheimer Volksfestplatz nicht. Aber das will vermutlich auch keiner der Fahrgäste. Gleich nach Beginn werde auch ich in einen üblen Crash verwickelt. Doch im Vergleich zu den anderen Fahrgeschäften auf dem Rummel ist man im Autoscooter doch recht langsam unterwegs.
Tipp: Gleich am Anfang ganz doll auf das Gaspedal treten! Sonst wird man ziemlich schnell von den anderen Fahrgästen an den Rand gedrängt. Dann ist der nächste Crash vorprogrammiert.
Fahrzeit: 2.40 Min.

Für die ganze Familie

Die Raupe sieht nicht nur niedlich aus. Sie fährt auch schneller, als zuerst gedacht. Die Achterbahn Bugs & Bees ist etwas für die ganze Familie. Sie startet langsam. In den Kurven und an einer steilen Abfahrt ist sie dann aber rasant unterwegs. Kinder, die mindestens sechs Jahre alt sind, dürfen auch ohne ihre Eltern mitfahren. Doch am meisten Spaß macht das Ganze, wenn man nicht alleine in der Raupe sitzt.
Tipp: Vorne sitzen! Da hat man in der Raupen-Achterbahn den besten Ausblick.
Fahrzeit: 3 Minuten.

Für besonders Schwindelfreie

„Wollt ihr noch mehr?“, schallt es nach der Hälfte der Fahrzeit im Breakdancer aus dem Lautsprecher. Für mich ist es schon lange genug. Doch der Rest der Fahrgäste grölt „Jaaaaaaa“. Wer es gerne schnell und ziemlich wackelig mag, der kommt in dem Karussell auf seine Kosten. Denn hier wird man ordentlich durchgeschüttelt. Ich steige am Ende mit weichen Beinen aus und muss mich erstmal hinsetzen. Viele Gäste fahren aber gleich noch einmal.
Tipp: Den Kopf an die Lehne drücken! Sonst kann es ziemlich schmerzhaft werden.
Fahrzeit: 7 Min.


Der Schützenumzug

Klicken Sie in der Karte auf dieses Symbollegende, um mehr über die Route des Schützenumzugs zu erfahren

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