HAZ-Serie: Mit Sicherheit

Was passiert mit meinem Ersparten? Ist meine Wohnung vor Einbrechern sicher? Welche Gefahren drohen aus dem Internet? Und wie sicher sind wir überhaupt?
Terror, Krankheit, Armut, Kriminalität – nur einige Gefahren, die unser Leben einschränken können und von denen sich Menschen bedroht fühlen.

Die HAZ widmet sich diesen Gefahren und beantwortet in der Serie „Mit Sicherheit“ nach und nach die wichtigsten Fragen aus zwölf verschiedenen Themengebieten rund um Ihre Sicherheit.

 

 

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Was hilft wirklich gegen Einbrecher?

Steigen Einbrecher ein, entsteht erheblicher Schaden.

Euro kostet ein Einbruch im Durchschnitt.

Klare Präferenz: In

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der Fälle nehmen Einbrecher Schmuck oder Uhren mit. Es folgen Bargeld (48,6 Prozent) und elektronische Kleingeräte wie Smartphones (31 Prozent).

Fünf populäre Irrtümer über Einbrüche

„Einbrecher kommen überall rein, Schutz ist zwecklos“:

Falsch. Nichts erschwert Einbrüche so wirksam wie gesicherte Fenster, Türen und Alarmanlagen. Diebe wollen schnell zugreifen und rasch verschwinden. In mehr als 40 Prozent aller Fälle brechen sie den Einbruchsversuch inzwischen ab, weil es ihnen zu lange dauert.

„Mein Versteck ist absolut sicher“

Ein Irrglaube. Diebe sind äußerst kreativ im Aufspüren selbst ungewöhnlichster Verstecke. Am sichersten sind Wertsachen im Banktresor.

„In oberen Etagen hat man nichts zu befürchten“

Im Gegenteil. Wenn es Einbrecher erst mal in ein Mehrfamilienhaus geschafft haben, brechen sie bevorzugt in den höher gelegenen Wohnungen ein – dort werden sie weniger gestört.

„Diebe kommen vor allem nachts“

Falsch. Einbrecher vermeiden die Begegnung mit Besitzern – und kommen deshalb in 43 Prozent aller Fälle zwischen 6 und 21 Uhr, wenn die Bewohner nicht da sind.

„Dieben muss man sich in den Weg stellen“

Sehr gefährlich. Wer einen Einbrecher bemerkt, soll Licht anmachen oder sich auf andere Weise bemerkbar machen – aber die direkte Konfrontation vermeiden.

Für die Opfer ist es fast immer ein gewaltiges Drama,  viele fühlen sich in ihren Häusern und Wohnungen nie mehr sicher:  Seit Jahren ist die Zahl der Einbrüche dramatisch angestiegen.  Die Politik wirkt auf viele Bürger hilflos. Dabei gibt es  inzwischen wirksame Mittel – und erste Erfolge.

Von Thorsten Fuchs

Burkhard Homburg und seine Frau kamen gerade aus dem Urlaub zurück, vier Wochen Neuseeland, als ihn die Nachricht erreichte; sie war gleichsam das traurige Willkommen, das sie am Flughafen empfing. Es habe einen Einbruch gegeben, eröffnete ihnen der Freund, der sie abholte. Zum Glück aber seien bloß die Sachen durchwühlt und etwas Modeschmuck gestohlen worden, nichts von größerem Wert, beruhigte er sie. Die Polizei sei auch schon da gewesen. Allerdings wusste der Freund nichts von dem Safe, den die Homburgs in ihrem Kleiderschrank untergebracht hatten. Die Einbrecher aber hatten ihn gefunden – ebenso wie den Schlüssel, den die Homburgs in einem Raum versteckt hatten. Sämtlichen Schmuck, Erbstücke und Erworbenes, hatten sie in dem Safe deponiert. Jetzt war er leer. „Da möchte man vor Wut gegen die Wand springen“, sagt der 75-jährige Rentner, früher Kundenberater einer Werbeagentur, aus der Nähe von Hamburg. „So ohnmächtig fühlt man sich.“

Das Ehepaar Homburg gehört zu den Hunderttausenden, die jedes Jahr in Deutschland Opfer eines Einbruchs werden. Nahezu kontinuierlich ist die Zahl der Einbrüche in Deutschland zuletzt gestiegen – von 106 000 im Jahr 2006 auf 167 000 im Jahr 2015. Für die Betroffenen bedeutet jedes dieser Verbrechen eine enorme Belastung, viele fühlen sich in ihrer eigenen Wohnung nie mehr wirklich sicher. Polizei und Politik schienen dem Phänomen lange Zeit ähnlich ohnmächtig gegenüberzustehen wie Burkhard Homburg seinem aufgebrochenen Haus.

Für das vergangene Jahr belegt die Polizeistatistik jedoch zum ersten Mal seit Langem wieder einen Rückgang, auf insgesamt 151 000 Einbrüche. Lediglich in Sachsen und Sachsen-Anhalt ging der Anstieg weiter. Ist das also nun eine Trendwende?

Tatsächlich versuchten der Gesetzgeber und die Ermittler zuletzt gleich auf mehreren Wegen, das Sicherheitsgefühl der Bürger wieder zu stärken. So erhöhte die Große Koalition zum Beispiel die Mindeststrafe für Einbruchdiebstahl von sechs Monaten auf ein Jahr. In mehreren Städten und Regionen wurden Sondereinheiten eingesetzt, die sich mit nichts anderem als Einbrüchen beschäftigen. Die KfW vergibt Zuschüsse und Darlehen, wenn Immobilienbesitzer ihre Häuser und Wohnungen einbruchsicher machen wollen. Immer mehr Polizeipräsidien und Landeskriminalämter setzen zudem eine spezielle Analysesoftware ein, die aufgrund vorangegangener Straftaten vorhersagt, in welchen Vierteln die Gefahr eines neuen Einbruchs besonders hoch ist.

Hilft das alles etwas? Oder ist das eher Aktionismus, um erschütterten Bürgern Tatkraft zu suggerieren? Zumindest die Computerprogramme, die Innenminister und Polizeipräsidenten in den vergangenen Jahren öffentlichkeitswirksam präsentierten, machen die Welt offenbar nur unwesentlich sicherer.

Die erste, gerade veröffentlichte wissenschaftliche Studie über das Programm „Precobs“ deutet auf einen nur bescheidenen Nutzen bei der Verminderung der Fallzahlen hin. Dominik Gerstner vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg hat den Einsatz der Software in Stuttgart und Karlsruhe über ein halbes Jahr lang untersucht. Das Ergebnis: geringe, statistisch kaum von Zufallsschwankungen zu unterscheidende Effekte in den jeweiligen Alarmgebieten.

Der seherische „Kommissar Laptop“, der den Ermittlern den Weg zum nächsten Verbrechen weist, bleibt bloße Fiktion. „‚Precobs‘ kann Polizeiarbeit in gewisser Weise effizienter machen, ist aber keine Wunderwaffe“, resümiert Gerstner. Auch Strafverschärfungen halten Wissenschaftler für wenig effektiv. „Mögliche Täter studieren nicht das Strafgesetzbuch, bevor sie sich für eine Tat entscheiden“, sagt Gina Wollinger vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Höhere Strafen schreckten also nicht ab.

Ohnehin sei über die Täter bei Einbrüchen herzlich wenig bekannt. Die Aufklärungsquote liegt bei unter 20, die Verurteilungsquote sogar bei unter 3 Prozent. Die vor allem von Polizisten häufig geäußerte These, dass osteuropäische Banden für einen Großteil der Einbrüche verantwortlich seien, „wird durch die Daten nicht gedeckt“. Was hilft also wirklich gegen Einbrecher? Für effektiv hält Wollinger vor allem die hoch spezialisierten Ermittlergruppen, die das Vorgehen von Tätern eingehend analysieren, wie die Hamburger Soko „Castle“. Zudem liegt die Zahl gescheiterter Einbruchsversuche bei mittlerweile 40 Prozent – ein Zeichen, dass Immobilienbesitzer ihre Wohnungen besser sichern. Dennoch sieht Wollinger hier noch Möglichkeiten: „Einbruchsverordnungen, wie es sie etwa in den Niederlanden gibt, könnten Sicherheitsstandards auch für Mietwohnungen verbindlich machen.“

Die Täter, die bei Burkhard Homburg einbrachen, wurden nie gefasst. Der teure Schmuck, gesammelt und erworben als Altersvorsorge, ist verschwunden. Versichert war nichts. „Ich habe mich einfach darauf verlassen, dass wir in einem sicheren Land leben“, sagt er. „Das war natürlich dämlich.“ Er will erreichen, dass die Politik Einbrüche ernster nimmt als bislang – und hat sich eine Alarmanlage zugelegt. Damit, sagt der Rentner, fühle er sich wieder sicher. Mittlerweile fahren er und seine Frau auch wieder in Urlaub. „Aber beim Heimkommen, kurz vor dem Ziel, packt mich jedes Mal eine mächtige Unruhe.“


Wie viele Einbrüche gab es in der Region Hildesheim?
Auf der Karte sind die Einsatzgebiete der fünf Polizeikommissariate aus dem Landkreis eingezeichnet – samt Zahl der Einbrüche im Jahr 2016.

Um mehr zu erfahren, klicken Sie in der Karte auf die Gebiete, die Sie interessieren.

Von Fingerabdrücken bis zu winzigen Fasern – Spezialisten sind Einbrechern auf der Spur

Die Tür steht offen, Schränke und Schubladen sind durchwühlt. Wird ein Einbruch gemeldet, rückt sofort die Tatortgruppe der Polizei aus, um Spuren zu sichern. (Foto: Gossmann)

von Renate Klink

Bloß nichts anfassen. Oder noch schlimmer: aufräumen. „Wenn wir kommen, muss noch alles so sein, wie die Täter es verlassen haben“, sagt Polizeikommissarin Julia Schwertfeger. Die 26-Jährige gehört zusammen mit ihrem Kollegen Tobias Reich zu einer der Tatortgruppen, die sich nach einem Einbruch auf Spurensuche machen. Tag und Nacht. In der Stadt und im Landkreis Hildesheim. Melden sich Opfer, dann schnappen sie ihre fast zehn Kilo schweren Spezialkoffer und fahren mit dem Streifenwagen auf dem schnellsten Weg zum Tatort. In den Spurensicherungskoffern steckt ein ganzes Arsenal von Hilfsmitteln. Damit werden noch so kleine Details aufgespürt, die die Einbrecher in der Wohnung hinterlassen haben.

„Spuren gibt es immer“, betont Polizeikommissar Reich. Selbst wenn die Täter Handschuhe getragen haben. Rußpulver, Klebefolien, Zollstock, Pinzette, Scheren, Wattestäbchen und jede Menge kleiner Tüten und Kunststoffbehälter gehören zum Arbeitszeug der Ermittler. Auch sie tragen Handschuhe, Mundschutz und weiße Hüllen über den schwarzen Schuhen, um nichts zu verfälschen. Jeder gefundene Zigarettenstummel, jedes Haar oder noch so kleine Fussel wird gesichert, beschriftet und verpackt. Die Wohnung wird so fotografiert, wie die unbekannten Täter sie hinterlassen haben. Dazu spricht die Ermittlerin mit leiser Stimme in ihr Diktiergerät – all ihre Beschreibungen und Beobachtungen. „Kommode im Schlafzimmer, rechts neben der Tür, alle Schubladen offen, Inhalt durchwühlt.“ Diese Details sind später für den Sachbearbeiter auf der Dienstelle wichtig, um sich ein umfassendes Bild vom Tatort machen zu können. Auch werden am Computer Vorgehensweisen der Täter abgeglichen, um sich vielleicht an die Fersen von Serieneinbrechern heften zu können.

Wenn die Ermittler Glück haben, dann haftet an den sichergestellten Beweisstücken vielleicht DNA- fähiges Material. Zur Untersuchung werden Mikrospuren von Blut, Kleidung, Erde, Splitter, Klebereste oder Farbpartikel ans Landeskriminalamt geschickt, damit sie dort im Labor unter die Lupe genommen werden können. Damit nichts durcheinander kommt, versieht Kommissar Reich vorher seine gefüllten Tütchen und Kästen mit einem Barcode. Das piept jedesmal wie an der Kasse im Supermarkt. Auf akribisches Asservieren wird großen Wert gelegt. Denn Ergebnisse müssen in einem Prozess nachvollziehbar sein. „Gerichtsfest“ – so sagen die Beamten dazu.

Jedoch: Hochwertige Technik, präzise Spurensuche, umfangreiche Dokumentation und Auswertung sind noch keine Garantie, dass es tatsächlich zu einer Gerichtsverhandlung mit verurteilten Tätern kommt. Die Zahl der Einbrüche in Stadt und Landkreis Hildesheim für das Jahr 2017 liegt derzeit noch nicht vor. „Die Tendenz ist leicht rückläufig“, weiß bereits Polizeisprecher Claus Kubik. Und was bislang an Zahlen vorliegt zeigt: die Aufklärungsquote auch. Wurden in den vergangenen drei Jahren im Schnitt rund 500 Einbrüche in Stadt und Landkreis aufgenommen, so sank die Prozentzahl von 24,17 (2014) auf 20,63 (2015) und schließlich auf 16,98 (2016). Die Zahl der Einbrecher, die tatsächlich bestraft werden, liegt sogar nur im einstelligen Bereich.
Ist das nicht auch für die Ermittler frustrierend? Die beiden Hildesheimer Polizeikommissare sehen das nicht so. Für jedes Opfer sei ein Einbruch sehr einschneidend. So einer Straftat müsse nachgegangen werden. Und überhaupt: Was wäre die Alternative? Jeder Tatort erzähle eine Geschichte. „Die wollen wir aufklären“, sagt Beamtin Schwertfeger. Mit allen möglichst unberührten Spuren.

Feuermelder retten Leben

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aller Feuerwehreinsätze werden in Deutschland von Ehrenamtlichen absolviert.

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aller Brände entstehen in Privathaushalten, nicht in der Industrie.

 

So funktionieren Rauchmelder

 

 

Deutschland ist mit strengen Brandschutzregeln und  dem System der Freiwilligen Feuerwehren gut abgesichert gegen Brandkatastrophen. Doch bei der Vorbeugung sind auch Immobilienbesitzer und Mieter gefragt.

 

Von Kerstin Hergt

In Deutschland wird durchschnittlich achtmal am Tag ein Zimmerbrand ausgelöst. Alle paar Sekunden rückt die Feuerwehr aus. Jährlich bekämpft sie etwa 175 000 Brände und Explosionen. Rund 400 Menschen sterben pro Jahr in den Flammen. Dabei hat sich die Zahl der Todesfälle seit 1990 fast halbiert. Die Prävention im Brandschutz wird zunehmend besser. Doch welche konkreten Regeln sollten Hauseigentümer, Mieter oder auch Arbeitgeber beachten, damit vorbeugende Maßnahmen auch wirklich greifen? Ein Überblick.

 

Wer bei einem Umzug das Bundesland wechselt, ist nicht selten verwirrt, wenn es um die Ausstattung der neuen Bleibe mit Rauchmeldern geht. Vorschriften über Fristen und Pflichten sind Sache der Länder. Während es also in Hamburg etwa schon seit 2011 eine Pflicht zur Installation von Rauchmeldern auch für Altbauten gibt, besteht dafür in Sachsen bislang noch keine Pflicht. Dagegen ist die Einbaupflicht bei Neubauten flächendeckend.

Doch was bringen die Frühwarnsysteme überhaupt? „Sie wecken die Menschen und bewahren sie so davor, vor allem im Schlaf Opfer von Brandrauch zu werden. Die größten Gefahren für Menschenleben gehen oftmals vom Rauch aus und weniger von Flammen. Denn im Rauch stecken jede Menge Giftstoffe, die innerhalb weniger Sekunden zu Bewusstlosigkeit führen können“, erläutert Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes und im Hauptberuf Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz.

Seit der Einführung von Rauchmeldern vor mehr als einem Jahrzehnt hat sich die Zahl der Brandopfer halbiert. Dennoch fehlen in manchen Altbauten immer noch Frühwarnsysteme. Vor allem, weil oft unklar ist, wer zur Montage verpflichtet ist – Eigentümer oder Mieter? „Auch das ist Sache der Länder“, sagt Hachemer und rät, schon beim Schließen eines Kauf- oder Mietvertrages darauf zu achten, wer für die Installation, aber auch die Wartung von Rauchmeldern zuständig ist.

Bei der Auswahl sei neben Prüfsiegeln der Preis ein Qualitätsmerkmal: „Ein hochwertiges, verlässliches Gerät ist mit einer Batterie von zehn Jahren Lebensdauern und nicht mit einer einfachen Blockbatterie ausgestattet.“ Die Betriebsbereitschaft von Rauchmeldern sollte einmal jährlich überprüft werden. Die Montage sollte nicht in Badezimmer oder Küche erfolgen, wo viel Wasserdampf erzeugt wird, sondern in angrenzenden Räumen.

Rückt die Feuerwehr trotz Fehlalarms aus, so ist der Einsatz kostenlos, wenn die oder der Anrufer tatsächlich von einem Notfall ausgegangen sind.

Nach dem Brand in einem Londoner Hochhaus im Frühjahr dieses Jahres haben deutsche Brandschutzexperten die hierzulande herrschenden strengeren Brandschutzregeln gelobt. Danach darf ein Gebäude ab 22 Metern Höhe nicht mit brennbarem Material gedämmt werden. Doch was ist mit weniger hohen Häusern? Der Deutsche Feuerwehrverband rät zu „grundsätzlich besonnenem Einsatz von Dämmmaterial“. Zwar gebe es mittlerweile schwer entflammbare Stoffe, sagt Verbandsvizepräsident Hachemer, doch brennen würden diese am Ende auch. Eine Alternative sei Mineralwolle, die jedoch für optimalen Dämmschutz nicht feucht werden dürfe. Auch das Einbauen von Riegeln zum Schutz vor Fassadenbränden biete nicht immer umfassenden Brandschutz, etwa bei zu hohen Flammen.

Für Bauherren privater Einfamilienhäuser ist eine professionelle Brandschutzplanung nicht gesetzlich vorgeschrieben. Etwas anderes gilt für größere Neubauten oder auch die Nutzungsänderung älterer Gebäude, wo in jedem Fall ein Sachverständiger zurate gezogen werden muss. Grundsätzlich sollte das Tragwerk eines Gebäudes einem Feuer mindestens neunzig Minuten Stand halten.

Greifen beispielsweise Kerzenflammen auf Mobiliar über, sollte schon vor eigenen größeren Löschversuchen die Feuerwehr gerufen werden. Ist der Zimmerbrand im fortgeschrittenen Stadium, sollten die Bewohner bei der Flucht die Tür hinter sich schließen, um zu vermeiden, dass das Feuer auf andere Teile der Wohnung übergreift. „Auch eine normale Zimmertür hält einem Vollbrand mindestens 15 Minuten stand“, sagt Brandschutzexperte Frank Hachemer.

Wichtig sei, dass der primäre Fluchtweg, das Treppenhaus, frei sei. Sperrige Gegenstände sollten zu keiner Zeit dort stehen oder aufbewahrt werden. Überhaupt sei Entrümpeln eine gute Präventionsmaßnahme, sagt Hachemer. So sollten Keller und Dachböden nicht allzu voll stehen mit brennbarem Sperrmüll.

Eigentümer von Häusern in schmalen Straßen oder mit engen Innenhöfen sollten dafür Sorge tragen, dass der Feuerwehr im Notfall keine größeren Hindernisse im Weg stehen. Bei Altbauten mit Holztreppenhäusern sollten außen Feuerleitern angebracht sein. „Denkmalschutz und Brandschutz schließen sich nicht aus“, betont Hachemer.

In größeren Wohnhäusern oder auch in Bürogebäuden gibt es häufig Brandschutztüren, in deren Bereich auch keine Kinderwagen abgestellt werden dürfen. Brandschutztüren sollten immer geschlossen sein. Wer sich nicht daran hält, muss schlimmstenfalls mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Einen Feuerlöscher in Privathäusern zu haben ist nicht verpflichtend. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, sollte jedoch auf den richtigen Inhalt achten: „Für Wohnräume eignen sich im Grunde nur Schaumlöscher und nicht etwa Pulverlöscher, die mit ihrer gewaltigen Wolke aus Löschsalzen einen enormen Löschmittelschaden anrichten können“, sagt Hachemer, der seit 30 Jahren ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist.

Was Bürogebäude angeht, stehen Arbeitgeber laut der Ende 2012 in Kraft getretenen Arbeitsstättenverordnung in der Pflicht, regelmäßig Evakuierungsübungen durchzuführen und mindestens 5 Prozent der Mitarbeiter zu Brandschutzhelfern ausbilden zu lassen.

In jedem vierten Brandfall ist ein Privathaushalt betroffen. Allerdings sind die Bewohner oft unzureichend dagegen gewappnet. Vorbeugen lässt sich mit der Installation von Rauchmeldern und der Anschaffung eines Feuerlöschers. Doch gerade bei Mietobjekten herrscht häufig Unsicherheit oder auch Uneinigkeit darüber, welche Kosten Mieter und Eigentümer zu tragen haben. Nach einem vom Mieter fahrlässig verursachten Brandfall ist die Rechtslage indes klar: Der Vermieter hat die Schäden zu beheben, weil er grundsätzlich für die Instandhaltung der Mietsache verantwortlich ist. Er kann für die Finanzierung aber seine Gebäudeversicherung in die Pflicht nehmen.


Tipps der Feuerwehr zur Adventszeit

Verstellen Sie keine Fluchtwege wie Fenster, Türen, Flure und Treppen.

Behalten Sie Tannengestecke und Adventskränze nicht zu lange in der Wohnung, trockene Zweige brennen wie Zunder.

Ersetzen Sie trockene Zweige durch frisches Tannengrün und holen Sie den Weihnachtsbaum möglichst erst am 24. Dezember in das warme Zimmer.

Benutzen Sie keine brennbaren Untersätze.

Achten Sie auf ausreichenden Sicherheitsabstand zu leicht brennbaren Materialien, wie zum Beispiel Vorhängen und Gardinen.

Prüfen Sie das Temperaturumfeld vorsichtig mit der Hand.

Verwenden Sie Sicherheitskerzen. Der vor dem Kerzenboden endende Docht lässt die Flamme erlöschen.

Lassen Sie brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt, schon gar nicht, wenn Kinder allein im Zimmer sind.

Auch am Arbeitsplatz sollten Kerzen in Adventsgestecken nie unbeaufsichtigt brennen.

Verwahren Sie Zündhölzer und Feuerzeuge an einem sicheren, vor Kindern unzugänglichen Platz.

Wunderkerzen gehören nicht in die Adventsgestecke oder Weihnachtsbäume.

Beugen Sie vor: Halten Sie für den Brandfall ein Gefäß mit Wasser griffbereit, denn um ein Gefäß mit zehn bis zwölf Litern Wasser zu füllen, benötigen Sie rund eine Minute wertvolle Zeit.

Was tun, wenn’s brennt? Oft beginnt die Tragödie mit einem kleinen Flämmchen

In der Wohnung brennt’s. Und jetzt? Erstmal Ruhe bewahren, die Lage einschätzen und dann die Retter alarmieren.
Die Feuerwehr hat noch einen weiteren wichtigen Tipp: Vorbeugen! (Foto: dpa)

Wenn meine Gardine in Flammen steht, habe ich noch jede Menge Zeit zum Handeln. Ich kann mir aus der Küche einen großen Krug mit Wasser holen, um das Feuer zu löschen. Oder ich tauche im Badezimmer eine Decke in die Wanne, um die nasse Textilie anschließend über die Flammen zu werfen. So dürften sich die meisten Menschen, die sich gedanklich auf einen möglichen Brand vorbereiten, die ersten Sekunden vorstellen.

Wie es wirklich ist, hat ein Sarstedter vor einigen Jahren erlebt: Aus seinem Fernseher war anfangs eine winzige Flamme gezüngelt, nicht viel größer als die einer Kerze. Aber sie entzündete eine kleine Decke und die einen weiteren Gegenstand in der Nähe. Innerhalb von wenigen Sekunden war das Feuer so groß, dass der Mann es nicht mehr selbst löschen konnte. Er rief noch die Feuerwehr, dann flüchtete er sich auf seinen kleinen Balkon. Als die Feuerwehr nach wenigen Minuten eintraf, kauerte der Mann in der letzten Ecke des Balkons, in dem er noch atmen konnte.

Der Begriff von Rettung in letzter Sekunde wird bei Feuerwehreinsätzen gern mal bemüht. Aber selten war er so zutreffend wie bei dem mann aus dem Stadtteil Giebelstieg. Nahezu sein komplettes Hab und Gut war verbrannt. Dass er sein Leben behielt, glich einem kleinen Wunder. Die Tragödie hatte mit einer kleinen Flamme begonnen. Zwischen ihr und dem anschließenden Flammenmeer lagen nur wenige Minuten.

Wie so etwas aussieht, kann man sich zum Beispiel im Internet auf YouTube anschauen. Feuerwehrmänner haben zu Übungszwecken komplette Wohnräume aufgebaut und etwas Papier in einer Ecke entzündet. Kameras halten den Brand in Echtzeit fest. Nach nicht einmal einer Minute schlagen die Flammen bis zur Decke, nach zweien ist der Raum von fettem schwarzem Rauch gefüllt. Für Menschen besteht zu diesem Zeitpunkt bereits akute Lebensgefahr. „Wenn man die Tür öffnet und Feuer und Rauch schlagen einem schon entgegen, sollte man den Raum nicht mehr betreten“, sagt Marcus Illemann, Wachabteilungsleiter der Hildesheimer Berufsfeuerwehr. Vor allem der Rauch stelle eine tödliche Gefahr dar. Meistens reichen in so einem Umfeld wenige Atemzüge, bis ein Mensch das Bewusstsein verliert. Die Feuerwehr versucht seit vielen Jahren, die Menschen an dieser Stelle zu sensibilisieren: Die weitaus größte Gefahr bei einem Brand geht vom Rauch aus. Und zwar nicht nur für Leib und Leben der Betroffenen, sondern auch für deren Eigentum.

Rauch breitet sich meist rasch über Flure und Fenster aus. Wo er eindringt, sind Textilien, Möbel, Einrichtungsgegenstände – und oft sogar Tapeten, Teppiche und Putze nicht mehr zu retten. „Deshalb ist es wichtig, bei einem Brand die Türen zu schließen“, sagt Illemann. Das verhindere zudem, dass das Feuer durch Luft weiter entfacht wird. Befinde man sich selbst noch in einem Raum, der schon von dichtem Rauch durchzogen sei, sollte man möglichst auf allen Vieren den Rückzug antreten. „Der Rauch sammelt sich oben und drückt langsam nach unten“, weiß der Feuerwehrmann. Je dichter man sich in Fußbodennähe aufhalte, desto größer sei die Chance, noch atmen zu können.

Doch bis zu welchem Zeitpunkt sollte ich eigentlich versuchen, ein Feuer selbst zu bekämpfen? Und ab wann ist es geboten, den Rückzug anzutreten? Pauschale Empfehlungen hierzu hat die Feuerwehr nicht. Die Beantwortung der Frage hängt mit vielen Faktoren zusammen: Wie gut kann ein Betroffener die Situation einschätzen? Und wie schnell und konkret kann er handeln, ohne sich und andere in Gefahr zu bringen? „Wenn man die Möglichkeit hat, einen Entstehungsbrand zu verhindern, sollte man das tun“, sagt Illemann. Soll heißen: Wenn die Kerze umgekippt ist, sollte jeder dazu in der Lage sein, den Docht zu löschen. Oder wenn die Pfanne in Flammen steht, ein feuchtes Tuch darüberzulegen, um dem Feuer den Sauerstoff zu nehmen.

Aber gerade die brennende Pfanne dient der Feuerwehr oft als Negativbeispiel. Denn wer in die heiße Pfanne Wasser kippt, kann nach dem Bruchteil einer Sekunde selbst in Flammen stehen – zumindest dann, wenn sich brennendes Fett darin befindet. „Das Wasser verdampft blitzartig und reißt das brennende Fett mit sich“, sagt Illemann. Wer diesen Fehler begeht, kann sich in einem Feuerball wiederfinden. Beispielfilme, wie es aussieht, wenn man Wasser auf brennendes Öl gießt, finden sich ebenfalls auf YouTube.

Zu Küchenbränden muss die Hildesheimer Feuerwehr regelmäßig ausrücken. Manchmal ist es tatsächlich das auf dem Herd vergessene Essen, das Feuer gefangen hat. Doch meistens hat das Feuer andere Gründe. „Ein Großteil der Brände entsteht durch defekte Elektrogeräte“, sagt Illemann. Mitunter gebe es billige Geräte, die schon vom Hersteller nicht optimal konstruiert worden seien. „Mit Wasserkochern hatten wir mal eine Serie“, sagt Illemann. Beliebt sei auch, Steckdosenleisten mit zu vielen Verbrauchern zu überlasten. Er selbst reduziere die Gefahr, indem er so viele Verbraucher wie möglich vom Netz trenne. „Wenn ich in den Urlaub fahre, ziehe ich alle Stecker.“

Sicher allein zu Hause

Sicher wohnen im eigenen Zuhause

Stolperfallen vermeiden: Wer unsicher auf den Beinen ist, sollte Stolperfallen wie Bettvorleger, Bodenvasen oder lose Kabel aus der Wohnung verbannen. Gerade Menschen, die auf Gehstöcke oder Rollatoren angewiesen sind, werden besser zurechtkommen, je mehr Bewegungsfreiheit sie in den eigenen vier Wänden haben.

Für genügend Halt sorgen: Haltegriffe im Bereich von Toilette, Dusche und Waschbecken erleichtern das Gehen und Stehen auf rutschigen Fliesen, Antirutschmatten für Böden und Treppenstufen beugen Stürzen ebenfalls vor.

Wohnbereich gut ausleuchten: Vor allem in Räumen wie Bad und Küche ist eine gut durchdachte Beleuchtung sinnvoll, auch die Nachttischlampe sollte den Bereich rund ums Bett ausreichend ausleuchten. Zeitschaltuhren für Lichter, die nach einer festgelegten Zeit ausgehen, müssen so eingestellt werden, dass es lang genug hell ist.

Ältere Menschen wollen heute selbstbestimmt ihren Lebensabend so lange wie möglich zu Hause verbringen – auch wenn sie allein leben. Dank intelligenter Notrufsysteme ist im Falle von Krankheit oder eines Unfalls schnelle Hilfe von außen zur Stelle.

Von Alena Hecker

Wer sich dafür entscheidet, im Alter so lange wie möglich zu Hause zu leben, ist oftmals auf sich allein gestellt, wenn die Familie weiter weg wohnt oder kein Partner da ist. Solange Körper und Geist fit sind, geht es gut. Doch was ist im Falle von Krankheit oder körperlicher Schwäche? Ein ambulanter Pflegedienst kommt nur zu bestimmten Uhrzeiten und im Zweifel auch nicht täglich. Die Angst davor, im Notfall gänzlich hilflos zu sein, bringt dann doch so manchen dazu, das Leben in den eigenen vier Wänden aufzugeben und in ein Seniorenheim zu ziehen. Intelligente Notrufsysteme und Sensoren sowie die sogenannte Smart-Home-Technik ermöglichen es heutzutage jedoch, den Lebensabend möglichst lange und vor allem sicher zu Hause zu verbringen.

Smart Home, das schlaue Zuhause, bietet technische Lösungen, die das Leben in vertrauter Umgebung vereinfachen und für mehr Bequemlichkeit sorgen sollen. „Smart Home kann den Lebensalltag erleichtern für Ältere, die nicht mehr so fit sind“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg. „Wenn die Verkabelung liegt, lässt sich beispielsweise vom zweiten Stock aus bequem der Rasensprenger anmachen und einstellen, wann er wieder ausgehen soll.“ Dabei sei die Bedienung bereits installierter Systeme nicht besonders schwierig: „Letztendlich ist es nichts anderes, als den Lichtschalter zu drücken oder den elektrischen Rollladen zu betätigen. Nur dass das Bedienelement für alle Geräte direkt vor einem liegt“, betont Buttler. Von der Technik profitieren kann jeder, selbst wer kein Tablet oder Smartphone besitzt. Für jedes Smart-Home-System liefern Hersteller auch eigene Bedienelemente, über die wie bei einer Universalfernbedienung mehrere Geräte in dem und um das Haus herum gesteuert werden können. Buttler ist überzeugt, dass auch Senioren mit dieser Art von Technik etwas anfangen können: „Es ist nicht mehr so, dass Ältere solche Systeme nicht nutzen.“

Diverse Kursangebote in Volkshochschulen und anderen Einrichtungen zeigten, dass das Interesse an Technik und Medien auch bei der älteren Generation da sei. „Ältere Leute wollen den Anschluss nicht verpassen“, ist Buttler überzeugt. Zudem hätten sie mehr Zeit und Geduld, um sich einzulesen und alles zu verstehen.

Selbst wer technischen Systemen kritisch gegenübersteht, kann sich das eigene Zuhause ein bisschen smarter einrichten. „Viele Möbel haben schlaue Funktionen“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Betten sind mit elektrischen Aufstehhilfen ausgestattet, Fernsehsessel verfügen über verstellbare Lehne und Sitzhöhe und können mit einer kleinen Bewegung sogar das Aufstehen erleichtern. Immer mehr Kleiderschränke sorgen zudem mittlerweile selbst für Licht, wenn man die Tür öffnet. Das erleichtert die Suche nach bestimmten Kleidungsstücken und hilft allen, deren Sehfähigkeit langsam nachlässt. Auch technische Gehilfen im Haushalt gehören zum Smart Home. Zum Beispiel kleine Roboter, die sich selbstständig darum kümmern, den Rasen zu mähen oder den Fußboden zu säubern. Manche können mittlerweile zusätzlich zur Staubsaugerfunktion auch noch den Boden wischen. „Viele solcher Kleinigkeiten helfen dabei, dass man viel länger zu Hause wohnen und selbstständig bleiben kann“, sagt Wohnexpertin Geismann.

Der klassische Hausnotruf ist ein bewährtes System Besonders im Bereich Notrufsysteme bietet Smart-Home-Technik intelligente Lösungen. Fußmatten etwa, die mit Sensoren ausgestattet sind und unauffällig unter Teppiche gelegt werden können, lösen einen Notruf aus, falls jemand hingefallen ist und womöglich nicht mehr aufsteht. Vor Terrassentür oder Fenster drapiert, fungieren sie zusätzlich als Alarmanlage, sobald jemand in die Wohnung einbricht. „Ein nachträglicher Einbau solcher Sensoren ist aufwendig“, räumt Geismann ein. Wer jedoch ein altersgerechtes Zuhause haben wolle, sollte eine solche Investition durchaus in Betracht ziehen. Ein immer noch bewährtes System ist der klassische Hausnotruf, ein roter Alarmknopf, der am Handgelenk, als Brosche oder um den Hals getragen werden kann. Über eine Basisstation mit Freisprechanlage ist er am Telefonnetz angeschlossen und alarmiert per Knopfdruck die spezialisierte Notrufzentrale. Doch nicht jeder möchte einen roten Knopf um den Hals tragen, viele Betroffene empfinden ihn als stigmatisierend. Hinzu kommt, dass der Notfallknopf in wirklich sturzgefährlichen Situationen, etwa unter der Dusche, häufig gar nicht getragen wird.

In jüngster Zeit wurde an zahlreichen Alternativen zum klassischen Hausnotruf geforscht. Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) etwa hat das System safe@home entwickelt, bei dem 3-D-Sensoren eingesetzt werden, die erkennen, wenn jemand fällt und nicht wieder aufsteht. Dann senden sie ein Alarmsignal an einen Basiscomputer, der wiederum über das Telefon verschiedene Rufnummern wählt, bis jemand abnimmt. Zu den unauffälligen Notruflösungen zählen  auch Apps wie b-cared: Hier löst der im Smartphone eingebaute Fallsensor einen Alarm aus. Auf dem Display erscheint ein „Ich bin okay“-Button, der innerhalb einer Minute gedrückt werden muss. Geschieht das nicht, werden nacheinander die zuvor eingespeicherten Kontaktpersonen benachrichtigt. Das funktioniert auch, wenn das Handy ausgeschaltet ist oder kaum Internet- oder Funkverbindung besteht.


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der über 65-jährigen leben im eigenen Haushalt.

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der Deutschen können sich laut einer Umfrage vorstellen, sich einen Roboter als Haushaltshilfe anzuschaffen. Vor allem die Unterstützung beim Staubsaugen und Wischen stieß bei den Begragten auf großes Interesse.

Technische Helfer im Haushalt

Sensoren wie das Gerät von Bosch Smart Home erkennen, wann das Fenster offen steht, und benachrichten das Smartphone.

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WCs mit Duschfunktion für den Intimbereich wie das Modell Sensia Arena von Grohe können im Alter bei der Körperwäsche helfen.

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Zum Smart Home gehören viele Gegenstände der Einrichtung – auch ein mit Fernbedienung steuerbares Dusch-Wc wie zum Beispiel Sensia Arena von Grohe.

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Leuchten direkt im Schrank helfen bei der Auswahl der Bekleidung. Hier ein Beispiel von raumplus.

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Bewegungsmelder schalten das Raumlicht ein, wann immer jemand das Bad betritt – und sorgen so für mehr Sicherheit im Dunkeln. Manche Produkte vereinen die Funktionen eines Bewegungsmelders, einer Orientierungsleuchte und eines berührungslosen Schalters in einem Gerät, hier Sensotec von Gira.

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Automatische Staubsauger-Roboter können Senioren Hausarbeit abnehmen. Ihre Programme sorgen dafür, dass sie regelmäßig den ganzen Raum abfahren.

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Von außen sieht es aus wie eine normale Schüssel: Das ViClean-I 100 von Villeroy&Boch ist ein Dusch-WC, das individuell per Fernbedienung einstellbar ist.

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Gauner profitieren vom Irrglauben: „Mir kann ja nichts passieren“

Sicherheit steht bei älteren Menschen hoch im Kurs, doch sie unterschätzen häufig Gefahren. Berater der Polizei und vom Präventionsrat zeigen, wie man sich schützen kann. (Foto: Gossmann)

Dass die Anruferin aus Polen stammt, konnte man nicht hören. Sie sprach mehrere deutschsprachige Dialekte einwandfrei, konnte sich bayerisch perfekt ausdrücken oder schwäbelte. In Bockenem sprach sie Hochdeutsch, wenn sie zum Telefonhörer griff, um vor allem ältere Frauen anzurufen. Frauen mit Vornamen wie Hedwig oder Martha. Sie gab sich als lange verschollene Enkeltochter aus, die plötzlich in finanzielle Not geraten war. Als es der Polizei gelang, die Frau festzunehmen, hatte sie sich gerade in einem Hotel in Bockenem eingebucht. Das Geld hatte sie. Allein an einem Tag hat die Betrügerin mit drei Anrufen 13 800 Euro erbeutet, erzählt Clemens Rumpf, Beauftragter für Kriminalprävention bei der Polizei Hildesheim. „Wir wissen nicht, wie viele Anrufe sie noch getätigt hat, wir kennen nur die drei Anzeigen.“

Es müssen weit mehr gewesen sein, ist Rumpf sicher. „Viele Ältere trauen sich nicht, sich bei der Polizei zu melden, weil sie dann denken, dass ihre Kinder sie ins Heim stecken.“ Dass die Familie sagt: Oma oder Opa kriegen das nicht mehr alleine geregelt.

Der Enkeltrick ist unter Betrügerbanden immer noch die am häufigsten verbreitete Masche. Weil sie Erfolg verspricht. Ältere Menschen haben häufig ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich lange Zeit nicht mehr um ihre Verwandten gekümmert haben. Und sie verhalten sich am Telefon ungeschickt und rücken schnell Namen und persönliche Daten heraus. Sobald der Anrufer das Vertrauen seines Opfers erlangt hat, erfüllt dieses ihm fast jeden Wunsch. Zum Beispiel eine hohe Summe von der Bank abzuheben und einem Mittelsmann des vermeintlichen Enkels zu übergeben.

Der zweite Klassiker ist der vermeintliche Polizist. Der kündigt sein Erscheinen an, behauptet, dass in der Nähe ein Einbrecher unterwegs sei, und will die Wohnung seines Opfers untersuchen, um es zu schützen. Ein zweiter „Beamter“ lenkt das Opfer ab, während der andere abräumt, schildert Rumpf die Vorgehensweise. „Wenn man die Leute fragt, sagen sie immer, dass ihnen so etwas nicht passieren kann. Hinterher sind sie immer klüger.“

Trickbetrüger wissen wie auch Einbrecherbanden meist ziemlich genau, wo sie zuschlagen wollen. „Sie baldowern die Umgebung ihrer Opfer genau aus“, sagt Rumpf. Doch vor Einbrechern kann man sich schützen. Das ist die gute Nachricht. Wenn man Clemens Rumpf in seinem kleinen Dienstzimmer im Polizeigebäude an der Schützenwiese aufsucht, sieht man sofort, was er meint. An den Wänden hängen abschließbare Fenster, stehen Türen und andere Einstiegsflächen für Einbrecher. Wie leicht es ist, ein Kunststofffenster aufzuhebeln, demonstriert Rumpf sofort. Ein Schraubenzieher, kurz hinter die Fensterdichtung hebeln und zack!, die Metallführung springt aus dem Rahmen, das Fenster ist sperrangelweit offen. „In vielen Gärten liegt das passende Werkzeug herum“, sagt er. Ein Spaten bringt bis zu 1,2 Tonnen Hebelkraft. Dagegen hat eine Terrassentür keine Chance.

Seit 19 Jahren ist Clemens Rumpf in der Präventionsarbeit tätig. Und er weiß, dass es eine Kärrnerarbeit für die Polizei bleiben wird, die Menschen aufzuklären, damit sie möglichst sicher vor Straftaten bleiben. „Für professionelle Einbrecher ist es wie ein Gang durch den Supermarkt, wenn sie in einem Wohngebiet unterwegs sind“, erzählt Rumpf. Sie kennen keine Aufregung oder Stress, sondern finden häufig mühelos die besten Verstecke, in denen Bargeld, Sparbücher oder Schmuck lagern.

„Entschieden wird auf der Straße, stehen sie auf dem Grundstück, ist der Entschluss zum Einbruch längst gefallen“, sagt Rumpf. Auch vor moderner Sicherheitstechnik machen sie häufig keinen Halt. „Viele Systeme sind eben noch nicht sicher, und Ältere sind häufig auch nicht so technikaffin.“ Ob Trickbetrug oder Einbruchsschutz: Für Rumpf gelten immer zwei Grundprinzipien. Man soll auf sein Bauchgefühl achten und ein gesundes Misstrauen bewahren. Und man muss darauf achten, dass das Zuhause immer bewohnt wirkt. „Ein Dekolicht auf der Fensterbank mit Zeitschaltuhr reicht nicht“, sagt er. Am besten sei es, wenn im Wohnbereich nicht einsehbare Bereiche beleuchtet sind, möglichst mit wechselnden Schaltzeiten. Um man solle den Kontakt zu den Nachbarn pflegen. „Soziale Kontrolle ist in so einem Fall immer gut.“

Was Clemens Rumpf im Auftrag der Polizei dienstlich bietet, hat sich der ehemalige Kriminalbeamte Erhard Paasch als Ehrenamt vorgenommen. Vor knapp 20 Jahren hat er eine Sicherheits-AG im Hildesheimer Präventionsrat ins Leben gerufen. Zu den Beratungsterminen kommen regelmäßig bis zu 20 Menschen. Zu bestimmten Zeiten weit mehr. Die Sprechstunde ist wie ein Barometer des Zeitgeistes, sagt Paasch. Nach jedem Attentat oder nach jeder Einbruchsserie füllt sich der Raum im Rathaus immer wieder bis auf den letzten Platz.

Paasch kümmert sich vor allem um die Älteren. „Viele glauben nicht mehr daran, dass die Polizei rechtzeitig kommt oder dass etwas dabei herauskommt, wenn man eine Anzeige aufgibt.“ Oder sie schämen sich einfach, sagt er und erzählt einen Fall aus seiner Amtszeit. Ein Rentnerpaar ist in der Wohnung am Neustädter Markt ausgeraubt worden. „Sie wollten nicht, dass ein Polizeiauto vor ihrer Tür steht und dass der Fall in die Zeitung kommt“, erzählt er. Paasch hat bei den Beiden angerufen und ihnen empfohlen, mit dem Taxi zur Polizei zu kommen. Paasch war jahrelang für die Fachhochschule als Dozent für Kriminologie im Dienst und hat selber mehrere Sicherheitsstudien unternommen. „Es gibt ein großes Dunkelfeld von nicht angezeigten Fällen“, sagt er. Nur jeder zehnte werde überhaupt der Polizei gemeldet. Daher gebe es auch eine große Diskrepanz zwischen der Polizeistatistik und dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Menschen.

Und genau das ist der Punkt, an dem Paasch mit seinem Präventionskonzept ansetzen möchte. „Ältere Menschen haben mehr Angst, das liegt auch daran, dass ihre körperlichen Fähigkeiten nachlassen“, ist er sicher. Viele würden glauben, es reicht, wenn man sich technisch schützt. „Man kann aber vieles erreichen, wenn man sich im Alltag richtig verhält“, sagt er. Ebenso wie Clemens Rumpf empfiehlt er, auch die eigene Umgebung im Blick zu behalten und der Polizei Ungewöhnliches zu melden. Bloß nicht selbst aktiv werden, dann hauen die potenziellen Täter ab und die Polizei kann die Personalien nicht mehr feststellen. Besser: beobachten, was sie tun, unauffällig folgen und eventuell ein Nummernschild notieren. Und immer: sofort die 110 wählen.

„Angst ist ein schlechter Ratgeber“, sagt Paasch. Information und Aufklärung sind der beste Schutz dagegen. Polizei und Präventionsrat bieten beides.

Schöne neue Welt?

Helfer im Alltag

Sie trägt den gleichen Namen wie ein bei Horrorfans beliebter Gruselschocker, allerdings soll „Ring“ für Sicherheit in den eigenen vier Wänden sorgen: Die smarte Türklingel informiert den Eigentümer per dazugehöriger Smartphone-App auch unterwegs, wenn jemand vor der Tür steht. Und nicht nur das: Darüber hinaus zeigt sie auch gleich ein Bild der Person, an mit der – ebenfalls via App – auch gesprochen werden kann. Ein eingebautes Mikrofon und ein Lautsprecher ersetzen die Gegensprechanlage. Voraussetzung, damit es funktioniert: Das Smartphone muss eine funktionierende Internetverbindung haben.

Das Smart Home bietet viel Komfort, aber auch eine große Angriffsfläche für Hacker. Experten warnen davor, zu  unvorsichtig mit Daten und Passwörtern umzugehen.

 

Von Marco Tripmaker

Mal eben auf dem Rückflug von einer anstrengenden Dienstreise aus 10 000 Metern Höhe mit dem Smartphone den heimischen Pool vorheizen, die Rollläden schon hochfahren und die Musik auswählen, die man später beim Relaxen hören möchte. In Sachen Komfort lässt das intelligente Haus kaum Wünsche offen. Doch die viele Technik birgt auch viele Sicherheitsrisiken. Smart-Home-Systeme sind anfällig für Hackerangriffe.

 

 

Jörn Weber zeigt sich skeptisch hinsichtlich der ach so schönen neuen Welt daheim: „Smart Home bietet viele sinnvolle Dinge, aber auch viele sinnbefreite. Installiert sind solche Tools schnell, aber es macht sich kaum jemand Gedanken darüber, dass sie mit dem Internet verbunden und damit leicht angreifbar sind“, sagt der ehemalige Kriminalpolizist und Geschäftsführer der Corma GmbH. Die Firma im nordrhein-westfälischen Brüggen hat sich auf Ermittlungsarbeit im Bereich Wirtschafts- und Internetkriminalität spezialisiert und berät Unternehmen in Sachen Corporate Security. Wer sein Zuhause nach Smart-Home-Maßstäben vernetzt habe, sollte sensible berufliche Daten nicht auf dem heimischen Rechner speichern, rät Weber. Auch bei der Nutzung eines Smartphones sowohl zu dienstlichen als auch privaten Zwecken sei Vorsicht geboten: „Wenn in diesem Fall das Passwort des WLAN-Routers standardisiert oder zu schwach ist, können Hacker leicht Schnüffel- oder Sabotageprogramme einschleusen und haben damit Zugriff auf das Eigenheim sowie auf Unternehmensdaten.“ Man müsse sich bewusst machen, dass Hacker heute imstande seien, ganze Unternehmen oder Flughäfen lahmzulegen, und sogar auf Wahlen Einfluss nehmen könnten.

 

 

Der verdeckte Ermittler Marius K., der für einige Strafverfolgungsbehörden in Deutschland tätig ist, ist vertraut mit den Strukturen der organisierten Kriminalität und der damit häufig verbundenen Hackerszene: „Wir reden in diesem Bereich über hochintelligente, konspirativ arbeitende Gruppen, die sich speziell zusammenfinden, um Straftaten zu begehen“, sagt K. Für diese extrem gut ausgebildeten IT-Fachleute sei es äußerst interessant, in Privathaushalte einzudringen und eventuell Bank- oder Telefonaccounts zu knacken oder hinterlegte Kreditkartendaten zu ergaunern. „Sie machen das in großem Stil und erwirtschaften damit Millionen. Darüber hinaus schaffen sie automatisierte Botnetze, also Schadprogramme, die auf vernetzten Rechnern laufen, und schicken Spam-Nachrichten auf angeschlossene Fernseher oder auch WLAN-Kühlschränke“, weiß der Ermittler. Das Problem sei, dass sowohl bei der Polizei als auch der Justiz der Bereich „Smart Home“ noch als wenig relevant eingestuft werde, zumal es diesbezüglich auch an klaren gesetzlichen Regelungen fehle. So seien Fragen der Haftbarkeit von Herstellern, falls das Smart Home verrücktspiele oder gar geknackt worden sei, überhaupt noch nicht geklärt, gibt K. zu bedenken.

 

 

Ex-Polizist und IT-Fachmann Jörn Weber rät Smart-Home-Interessenten, auf jeden Fall erst einmal zu überlegen, welche Anschaffung überhaupt sinnvoll sei: „Ich weiß nicht, ob es einen Nutzen bringt, seinen elektrischen Kaminofen aus dem Auto vorzuheizen. Die Heizung im Voraus anzustellen oder per Webcam das Haus zu kontrollieren kann hingegen ganz nützlich sein“, sagt Weber. In jedem Fall müsse man die Standardpasswörter der ans Home-Netz angeschlossenen Geräte neu vergeben, da der Hersteller oft nur leicht zu knackende Codenamen wie „admin-admin“ oder „1234“ verwende. Auch sollte für jedes Tool ein unterschiedliches Passwort vergeben werden, betont Weber. Der Experte empfiehlt eine sogenannte Zwei-Faktor-Identifizierung für jedes Gerät. Dabei wird nach der Eingabe von Benutzername und Passwort beispielsweise noch ein Code auf das Mobiltelefon versandt. Bei Kameras im Haus hingegen mahnt der Experte zur Vorsicht. Sie seien grundsätzlich leicht zu knacken und damit haben Hacker dann Einblick in ihre Privatsphäre. „Auf jeden Fall sollte man grundsätzlich die Kameralinse auf dem PC abkleben. Alles andere wäre leichtsinnig“, sagt Weber.

Der verdeckte Ermittler Marius K. ist sich sicher, dass man das Smart Home nie komplett gegen Hacker schützen kann: „Diese Leute sind den Herstellern und Kunden mit ihrer Expertise immer um eine Nasenlänge voraus. Es handelt sich um international agierende Banden, die die Besten der Besten aus der Szene für sich arbeiten lassen. Dennoch ist man als Privatmann gut beraten, sich gut in das Thema einzuarbeiten und sich so gut es geht zu schützen.“ Generell gelte, dass die Apple-IT deutlich weniger anfällig für Eindringlinge von außen sei als beispielsweise Microsoft. Bis zum Jahr 2020 würden weltweit rund 200 Milliarden elektronische Geräte miteinander verbunden sein, vom Navigationsgerät bis zur WLAN-Zahnbürste, ist K. sicher. Darauf seien die Strafverfolgungsbehörden noch längst nicht eingestellt.

 

 

Wer also verhindern will, dass Späher in die Privatsphäre eindringen und sich auf diese Weise wichtige Daten zunutze machen können, der muss sich zunächst vor allem selbst um die Sicherheit kümmern: Intelligente Passwörter sowie regelmäßige Sicherheitsupdates sind unabdingbar. Und darüber hinaus vor allem die Überlegung vor der Anschaffung eines neues Tools: Brauche ich das wirklich? Muss ich nach einer Geschäftsreise wirklich schon aus dem Flugzeug die Rollläden in meinem Haus hochlassen?

 


Das Smart Home bietet viele sinnvolle Dinge, aber auch viele sinnbefreite.

Jörn Weber

Sicherheitsexperte

Smart Homes soll es laut Prognosen von Statistikern bis 2020 geben.

Das schlaue Haus und seine vielen Gesichter – von Sicherheit bis Sparpotenzial

In Hildesheim und der Region wird die Idee vom vernetzten Zuhause auf verschiedene Arten genutzt. Dabei geht es keineswegs immer nur um Komfort. (Foto: Gossmann)

von Celia Borm

Es ist mitten in der Nacht, als das Smartphone von Michael Klein Alarm schlägt. Nicht etwa ein fehlgeleiteter Weckruf – es ist sein Haus, das sich da bei ihm meldet. Genauer gesagt, die Sicherheitshard- und software, die er dort installiert hat. Und die kennt keine Nachtruhe, geschweige denn Urlaub. Gerade das ist ihre Stärke. Und so nimmt er ihr nicht übel, dass sie ihn um halb zwei nachts in seinem Urlaub in Griechenland aus dem Schlaf reißt.

Klein ist Junior-Chef von Bauelemente Klein aus Holle. Er nutzt gern auch mal selber, was er verkauft. „Ich habe mein ganzes Haus ausgestattet und wollte testen, ob es funktioniert“, erzählt er. Dafür hat er einen Kontaktmelder am Fenster nur lose angebracht. „Da wusste ich, dass er irgendwann abfällt.“ Das tat er und löste prompt – Tausende Kilometer entfernt – den Alarm aus.

Das Eigenheim durch Einsatz von Technik zu schützen, liegt im Trend. So bewertet es der Fachmann. In den vergangenen zwei Jahren etwa sei die Nachfrage deutlich gestiegen. „Das wird immer mehr, weil das Sicherheitsbedürfnis immer größer wird“, sagt er. Seiner Ansicht nach liegt dies auch daran, dass mittlerweile die meisten Menschen ein Smartphone haben und damit die Bedienung schon in der Hosentasche. Ein paar Fensterkontakte, eine Kamera, die aufzeichnet, wenn der Alarm auslöst – diese Dinge gibt es mittlerweile sogar im Supermarkt zum Selbereinbauen.

Es sind aber nicht nur Privatleute, die ihr Zuhause aufrüsten. Baufirmen investieren bei Neubauten schon seit einigen Jahren in smarte Ausstattung. Am Moritzberg gibt es zum Beispiel gleich mehrere Projekte in dem Bereich. Beispielsweise das Gebäude der Gemeinnützigen Baugesellschaft (gbg) in der Maschstraße.

In den sieben Wohnungen können die Mieter über ein Display Licht, Jalousien und die Heizung steuern. Dabei geht es nicht nur um Komfort. Für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, kann es schon ein Problem sein, sich beispielsweise zu einem Thermostat zu bücken oder eine Jalousie zu bedienen. Nicht verbaut sind allerdings Bodensensoren, die erkennen können, ob jemand hilflos am Boden liegt – eine aufwendige und teure Angelegenheit. „Derzeit nutzen nur zwei der Mieter überhaupt die Smart-Home-Technologie“, sagt Frank Satow von der gbg. Dennoch ist es für die 60 neuen Wohnungen, die an der Straße Pippelsburg entstehen sollen, im Gespräch, auch diese entsprechend auszustatten. Nicht, um sie als Smart Homes zu vermarkten, wohl aber die Möglichkeit zu bieten, die Objekte ohne großen Aufwand nachzurüsten.

Darüber hinaus hat die Hanseatic Group auf dem Phoenix-Gelände in ein Projekt der Universität investiert. Dort ist 2015 das sogenannte Punkthaus entstanden. Der Forschungsansatz konzentrierte sich auf die Einsparung von Energie mittels einer intelligenten Maschine. Diese wertete den Energiebedarf aus und steuerte so besonders effektiv die eingesetzten regenerativen Stromquellen. Die Idee: Ein Wohngebiet schaffen, das sich weitgehend selbstständig aus erneuerbaren Energien mit Strom und Wärme versorgen soll. Das Bundesumweltministerium hat das Projekt mit 800 000 Euro gefördert. Denn die Technik kann auch dabei helfen, den Energieverbrauch in Wohnungen und Häusern zu senken. Sie lernt sozusagen vom Nutzer und passt die Leistung entsprechend an. Im Forschungsgebiet der Uni wurde so auch ein Blockheizkraftwerk gezielt gesteuert. Die Forschungsergebnisse wurden in einer Doktorarbeit festgehalten.

Aus Kostengründen sind die Daten nur über einen begrenzten Zeitraum dokumentiert und ausgewertet worden. Mit mathematischen Modellen rechneten die Forscher aus, wie viel durch die Technologie theoretisch eingespart werden könnte. Laut Projektleiter Professor Helmut Lessing hätten so zum Beispiel bis zu 40 Prozent Energie und 60 Prozent CO2 eingespart werden können.

Hierfür wird nicht nur das Nutzungsverhalten der Bewohner ausgewertet, sondern zum Beispiel auch der Wetterbericht „Wenn morgen die Sonne scheint, dann braucht das Blockheizkraftwerk gar nicht erst hochgefahren werden“, erklärt Lessing. Er hofft auf Nachahmer. „Das könnte auch ein Muster für das neue Baugebiet Ostend sein“, sagt er. Es habe diverse Gespräche mit der Stadt gegeben. Wie sich das konkretisieren und umsetzen lasse, sei dies aber eine andere Frage.

Sicher digital plaudern

 

Nachrichten schreiben wir im Durchschnitt täglich.

 

 

Minuten wird im Schnitt am Tag telefoniert.

 

Vorsicht vor unbekannten Links

Kriminelle nutzen Messenger zum Datendiebstahl

Wer Nachrichten von Kontakten über den Facebook-Messenger zugeschickt bekommt, sollte sie auf keinen Fall öffnen, warnt die Polizei. Hinter den Nachrichten steckt nämlich ein Versuch, an die Zugangsdaten von Facebook-Nutzern zu kommen. Die Wege dahin sind vielfältig.

Der Rat der Polizisten: keine Zugangsdaten eingeben und keinesfalls unbekannte Programme installieren. Stattdessen sollten lieber die Absender der Nachrichten informiert werden –  am besten auf anderem Weg als über den Facebook-Messenger.

Der alleinige Empfang solcher Nachrichten ist nicht gefährlich, versichern Experten der Polizei. Haben Nutzer allerdings schon Zugangsdaten nach Erhalt solcher Nachrichten eingegeben oder Software heruntergeladen, sollten sie sehr schnell reagieren. Soweit möglich, sollten sie das Smartphone oder den Computer mit aktueller Antivirensoftware prüfen. Außerdem muss das Facebook-Passwort geändert werden – damit die Nutzer nicht selbst unwissend zum Absender solcher Nachrichten werden.

Ein Smartphone ohne Messenger? Findet man nur noch selten. Das breite Angebot an entsprechenden Apps macht es möglich. Nutzer sollten Messenger-Anwendungen aber erst einmal gründlich unter die Lupe nehmen, bevor sie ihnen vertrauen und sie nutzen.

Von Sarah Thust

Die SMS ist tot, Messenger sind angesagt. Viele Smartphonenutzer verzichten inzwischen fast ganz auf klassische Kurznachrichten und bleiben mit Freundeskreis und Familie mit Hoccer, Signal, Threema, Viber, Whatsapp, Wire und Co. in Kontakt. Doch unbedacht einfach installieren und loschatten ist keine gute Idee. Messenger unterscheiden sich insbesondere bei der Sicherheit.

„In ihrer Funktion sind sich die Messenger alle recht ähnlich“, sagt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW). „In der Regel lassen sich Text- und Sprachnachrichten, Bilder oder auch weitere Dateiformate versenden.“ Beschränkungen könne es etwa bei der maximal möglichen Dateigröße geben. Microsofts Skype etwa kann Dateien mit einer Größe von bis zu 300 Megabyte (MB) versenden, bei Facebooks Whatsapp sind es jeweils nur rund 100 MB und bei Threema 50 MB. Teils werden Fotos oder Videos komprimiert, das heißt: in der Datenmenge heruntergerechnet.

Unterschiedlich ist auch die Übertragungsqualität bei der Telefonie und den Videochats. Beides ist neben dem klassischen Textchat inklusive Gruppenchats längst auch bei fast allen Text-Messengern Standard. Umgekehrt kann man mit Apps wie Skype, Yahoo Messenger, Google Hangouts, ICQ, WeChat oder Facetime, die eher aus der Videochat-Ecke kommen, auch nur per Text chatten. In jedem Fall gleichen sich beide Messenger-Stämme immer mehr an.

Aber sind Fotos, private und sensible Informationen sowie Daten oder gar Geheimnisse im Messenger gut aufgehoben? Was über Messenger-Dienste verschickt wird, ist nicht immer vor neugierigen Blicken Dritter geschützt. Datenschutzverstöße könnten dann nicht ausgeschlossen werden, erklärt ein Sprecher der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Nutzer sollten gründlich überlegen, welche Informationen sie über Messenger-Dienste mitteilen.

Das gilt zumindest dann, wenn der Dienst keine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Mit dieser ist zumindest die Kommunikation gut gesichert. „Da befindet sich der Schlüssel ausschließlich bei Sender und Empfänger“, erklärt Lena Rohrbach von Amnesty International Deutschland. Ein Anbieter von solch einem System ist zum Beispiel heinekingmedia der Madsack Medien Gruppe. Der heineking Messenger Stashcat zeichnet sich durch eine besonders sichere Datenübertragung aus. Inzwischen nutzt ihn sogar die Polizei in Niedersachsen.

Andere Verschlüsselungsmethoden sind dagegen nicht unbedingt sicher. Oftmals verfüge der Anbieter über eine Art Generalschlüssel, mit dem er oder Dritte die Kommunikation der Nutzer entschlüsseln könnten, sagt Rohrbach.

Viele Anbieter interessieren sich aber ohnehin viel mehr für Verbindungsdaten und Kontakte. Whatsapp behält sich etwa in den Nutzungsbedingungen vor, die auf dem Smartphone gespeicherten Kontakte abzugleichen, erklärt Juristin Steffen von der VZ NRW. „Damit könnte der Anbieter Nutzungsprofile erstellen, die Auskunft darüber geben, wer mit wem wie oft kommuniziert.“ Solche Daten werden dann etwa zu Werbezwecken genutzt.

Bei Apps wie Facebook Messenger oder Google Allo muss die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erst aktiviert werden – teils sogar für jeden einzelnen Chat. Skype, Google Hangouts oder auch Snapchat bieten diese sichere Verschlüsselung gar nicht erst, wie eine Untersuchung der VZ NRW im September 2016 ergeben hat. Verbraucher sollten sich vor der Installation einer Messenger-App darüber informieren, ob und wie die Daten verschlüsselt werden, ob, wie und wozu die Anwendung auf Kontakte zugreift oder das Nutzerverhalten analysiert.

Übrigens: Reguläre Messenger sind kein Kinderspielzeug. Darum dürfen die meisten dieser Dienste laut Angaben in den Geschäftsbedingungen auch erst ab 13 Jahren genutzt werden. Tatsächlich geprüft wird das Alter allerdings nicht. Für die Jüngsten gibt es aber inzwischen beaufsichtigte Chat-Apps wie etwa den Monster Messenger. Dort übernehmen Moderatoren oder die Eltern die Aufsicht.


Myspace, gegründet im Jahr 2003, wurde im Juli 2005 für 580 Millionen Dollar vom Medienkonzern „News Corporation“ gekauft. Am 9. August 2006 wurde die Marke der 100 Millionen Mitglieder gebrochen, womit Myspace zu dieser Zeit größer war als Google. Der Trend ging aber seit 2010 stark bergab. War Myspace im März 2010 noch auf Platz 16 der meistbesuchten Seiten im Internet, reichte es im September 2017 gerade einmal für Rang 3202. Der größte Grund dafür ist wohl Facebook, die den Markt für soziale Medien übernommen haben.

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Der webbasierte Online-Dienst Knuddels, welcher überwiegend zum Chatten genutzt wurde, wurde im Jahr 1999 gegründet. Im Jahr 2006 kam man bei Knuddels, das sein Gebiet auf deutschsprachigen Raum beschränkte, auf respektable 6 Millionen Nutzer. Im Jahr 2016 nutzten nur noch etwa 300.000 Personen monatlich die Seite.

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werkenntwen.de war ein soziales Netzwerk und erschien am 3. Oktober 2006. Seit 2009 gehört werkenntwen.de zur Mediengruppe RTL Deutschland. Im März 2013 hatte die Seite knapp 2,1 Millionen aktive Nutzer. Am 2. Juni 2014 wurde die Seite endgültig abgeschaltet, da sie durch Facebook an massivem Nutzer- und Reichweitenschwund litt.

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Auch „lokalisten.de“ war ein deutsches, soziales Netzwerk. Gegründet wurde es im Mai 2005. Die höchste Nutzung erreichte lokalisten.de im Oktober 2009 als 43,2 Millionen Besuche auf der Seite zu verzeichnen waren. Im April 2014 lagen die monatlichen Besuche dann nur noch bei 1,7 Millionen. Zuletzt nutzten noch circa 600.000 Personen das Netzwerk, welches am 30. September 2016 abgeschaltet wurde.

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Der Instant-Messaging-Dienst „ICQ“ (was für „ I seek you“, zu Deutsch „Ich suche dich“ steht), erschien am 15. November 1996. Seit 1998 gehörte ICQ zum US-amerikanischen Unternehmen AOL.  ICQ verpasste allerdings den Einstieg in die Ära der Smartphones und büßte stark an Relevanz ein. Im April 2010 wurde ICQ für 187,5 Millionen Dollar nach Russland verkauft.

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Am 11. November 2005 wurde das webbasierte soziale Netzwerk „studiVZ“ für Studenten gegründet. Im Februar 2007 kam der auf Schüler ausgelegte Ableger „schülerVZ“, ein Jahr später erschein „meinVZ“ ohne spezielle Zielgruppe. Im  Juli 2010 verzeichneten die Netzwerke noch ganze 8 Millionen Mitglieder, im Jahr 2015 war die Zahl der aktiven Nutzer allerdings bereits auf eine Million gesunken. Im April 2013 wurde zudem „schülerVZ“ geschlossen. Am 7. September 2017 wurde von Poolworks, der Firma hinter den „VZ-Netzwerken“, Insolvenz angemeldet.

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Unsere Freunde, unsere Daten – Vorsicht in den sozialen Medien

Facebook und WhatsApp machen Spaß – leider bergen sie auch Gefahren für die Sicherheit der Nutzer. Mit ein paar Tricks und dem richtigen Profilbild lassen die sich jedoch umgehen. (Foto: Gossmann)

von Kathi Flau

Der beliebteste Messenger von allen ist Whatsapp: unkompliziert und kostenlos lassen sich nicht nur Textnachrichten, sondern auch Bilder, Links, Emojis und Anhänge aller Art versenden.

2009 gegründet, ist der Nachrichtendienst seitdem gewachsen und gewachsen. Mittlerweile gehört er Facebook. Und das ist durchaus ein Problem. Denn nichts ist leichter als der Datentausch zwischen den beiden Anbietern, die eben nur auf den ersten Blick zwei verschiedene Anbieter sind, eigentlich aber mit denselben Absichten und Voraussetzungen handeln.

„Als Nutzer muss ich davon ausgehen, dass alle Daten, die ich Whatsapp zur Verfügung stelle, auch bei Facebook landen, angefangen natürlich mit meiner Telefonnummer“, sagt Kriminaloberkommissar Hans-Joachim Henschel, beim Landeskriminalamt Hannover seit 2012 für Cybercrime-Prävention zuständig. „Und man sollte wirklich immer daran denken, dass es kein deutsches oder europäisches Unternehmen ist, dem man diese Daten zur Verfügung stellt. Sondern ein US-amerikanisches. Und hier haben es die User mit ganz anderen Bestimmungen und Nutzerrechten zu tun.“

Was den Schutz von Daten betrifft, vertraut man nicht auf die Anbieter, sondern handelt am besten selbst, rät Henschel. „Facebook und Whatsapp, das sind Medien, die in erster Linie Spaß machen sollen.

Und dem einen macht es eben Spaß, sich mit Freunden auszutauschen, der andere kann nichts essen, was er nicht vorher als Foto gepostet hat. Die Leute sind da komplett unterschiedlich, was ihr Mitteilungsbedürfnis betrifft. Und das ist auch völlig okay.“

Man dürfe nur nie aus dem Kopf verlieren, dass man mit solchen Nachrichten, insbesondere in einer großen Gemeinschaft wie Facebook, auch mögliche Täter auf dem Laufenden hält. „Wenn da jemand sehr aufmerksam mitliest, dann weiß der plötzlich ganz viel über mich. Wo ich arbeite, mit wem ich befreundet bin, auf welches Konzert ich heute Abend gehe, wann ich joggen gehe und wohin und wann und mit wem ich in den Urlaub fahre.“

Für Einbrecher beispielsweise sei das eine geradezu herzliche Einladung, meint der 42-Jährige. Auch Stalking sei möglich. Oder der Missbrauch von Bildern.

Henschel sagt, besonders gut erinnere er sich noch an einen Fall aus Nordrhein-Westfalen. Da habe ein Mann Facebook-Profilbilder von Frauen heruntergeladen und sie in Hardcore-Pornos auf die Körper der Darstellerinnen montiert. „Der hat sogar dazu geschrieben, dass es sich um ein Fake handelt. Aber der Effekt für die Frauen bleibt derselbe: Die finden sich plötzlich in irgendwelchen Foren wieder oder werden von Männern kontaktiert, die sie auf diesen Porno-Bildern gesehen haben.“

Eine Situation, begünstigt durch Sorglosigkeit, meint der Kommissar. „Hinterher gibt es dann einen großen Aufschrei, und das ist aus Sicht der Nutzer auch verständlich. Aber tatsächlich ist es so, dass ich auch im Vorfeld etwas tun kann, um mich zumindest in einem bestimmten Maß gegen solche Übergriffe zu schützen.“

Konkret rät er, keine Profilbilder zu verwenden, auf denen man klar erkennbar ist. „Besser, man hat vielleicht eine Sonnenbrille auf oder ist von Weitem zu sehen. Ein Profilfoto ist schließlich kein Passbild für einen Ausweis oder eine Bewerbung. Je besser die Qualität und Erkennbarkeit, umso höher die Gefahr, dass das Bild für falsche Zwecke verwendet werden könnte. Die wirklichen Freunde erkennen einen ja trotzdem.“

Außerdem empfiehlt der Experte „Datensparsamkeit“. Und meint damit: vielleicht nicht zu spontan und unüberlegt posten, sondern zuvor überlegen, was mit einem Bild oder einer Information passieren könnte. „Manches scheint ganz harmlos auf den ersten Blick, aber wenn es in die falschen Hände gerät, ist es das möglicherweise doch nicht.“

Auf allzu konkrete Angaben wie Ortsangaben, Uhrzeiten oder die Namen anderer solle man möglichst verzichten. „Auch was Kinder betrifft, ist größte Vorsicht geboten. Wir erleben das immer wieder gerade bei sehr jungen Eltern, dass die ihren Nachwuchs fotografieren und ins Netz stellen. Davor warnen wir immer, das ist gefährlich und den Kindern gegenüber unfair.“

Auch kopierte Profile haben es in sich. Denn obwohl Anfragen von solchen Seiten täuschend echt aussehen, stecken nicht die vermeintlichen Freunde dahinter. „Sondern das sind dann Leute, die versuchen, an bestimmte Informationen oder auch Geld zu kommen, indem sie mit einer falschen Identität auftreten, die man aber für eine vertraute Person hält.“ Erkennen lässt sich so ein Fake-Profil tatsächlich nur an der Web-Adresse. „Und daran, dass es einen Freund plötzlich doppelt gibt“, so Henschel.

Sein letzter Tipp: Immer mal wieder die Sicherheits-Einstellungen kontrollieren: Wer kann die eigenen Beiträge sehen? Wem stelle ich meine Informationen zur Verfügung? „Ich kann mir auch“, meint Henschel, „mal alles herunterladen und ausdrucken, was ich je auf Facebook gepostet hab. Und mir diese paar hundert Seiten da mal ansehen. Und mich dann fragen, ob das wirklich alles okay und notwendig war. Nur mal so für mich selbst, um mich zu beobachten.“

Dieses Beobachten, so die Erfahrung des Landeskriminalamts, nimmt bei jungen Menschen tendenziell wieder zu. Besonders in den Anfangsjahren von Facebook seien die Menschen extrem offen und unvorsichtig gewesen. „Da war diese ganze Online-Selbstdarstellung noch relativ neu, da machten das plötzlich alle, da sah man Prominente in ganz privatem Umfeld, und da haben dann viele gedacht: Dann kann das ja nicht so schlimm sein, dann kann ich das auch machen“, sagt Henschel. Inzwischen sei die Sensibilität gewachsen.

Oder auch das Desinteresse: „Facebook ist doch nichts Neues mehr. Das jüngere Publikum ist da längst schon wieder weg, die findet man eher bei Instagram oder Snapchat.“ Wer, fragt Henschel, wolle denn auch bitte mit den eigenen Eltern in einem sozialen Netzwerk befreundet sein? Und antwortet gleich selbst: „Keiner.“

Hingegen sei die Attraktivität weiterhin groß für alle, die werben wollen: „Da erreiche ich ein Publikum, das ich über die klassischen Medien wie Anzeigen nicht erreiche. Ich kann andere informieren oder mich umgekehrt informieren lassen.“ Auch das Landeskriminalamt selbst mache von diesen Möglichkeiten Gebrauch, so Henschel. „Wir versuchen das mit Präventionsnachrichten. Aber wir haben auch schon um Hinweise aus der Bevölkerung im Rahmen einer Fahndung gebeten. Sehr erfolgreich übrigens.“ Als Geben und Nehmen könne man das soziale Netzwerk verstehen – im besten Fall.

Eine sichere Nummer

 

TAN-Liste, SMS, App: Die Banken und Sparkassen bieten verschiedene Systeme an, um ihr Onlinebanking gegen Betrüger zu schützen.  Doch welches ist das beste für die Verbraucher? Ein Überblick.

 

 

Von Anne Grüneberg

Die Überweisungsträger in Papierform waren gestern, Onlinebanking ist heute: Laut dem Branchenverband Bitkom erledigt die Mehrheit der Deutschen (42 Millionen) ihre Bankgeschäfte mittlerweile am Computer oder sogar am Smartphone. Und sie sind damit offenbar sehr zufrieden: 89 Prozent finden demnach das Onlinebanking leicht zu handhaben. Aber ist es auch sicher?

 

 

Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht Jahr für Jahr Zahlen zum Betrug beim Onlinebanking. Aus ihnen geht hervor, dass es im Jahr 2016 insgesamt 2175 Fälle von Phishing gab – dabei entlocken Hacker den Bankkunden mit gefälschten Mails die Zugangsdaten zum Konto. Noch 2015 zählte das BKA aber 4500 Fälle. Der Schaden lag 2015 bei rund 18 Millionen Euro, im vergangenen Jahr war er noch halb so hoch. Pro Fall erbeuteten die kriminellen Hacker im Schnitt 4000 Euro.

Die Menschen sind aufmerksamer geworden, auf Phishing-Mails fällt man nicht mehr so leicht herein. Aber auch die Sicherungssysteme der Banken sind deutlich besser geworden. Diente früher hauptsächlich die TAN-Liste zur Bestätigung einer Überweisung, wird heutzutage meist der TAN-Versand per SMS genutzt. Die Hacker müssen sich also zu gleich zwei Geräten Zugang verschaffen: zu den Log-in-Daten auf dem Computer und zur TAN auf dem Smartphone. Auch das können Hacker schaffen. Es wird ihnen aber wesentlich schwerer gemacht. Die Banken nutzen verschiedene Verfahren – aber welches ist das beste für die Verbraucher? Ein Überblick:

 

 

 

TAN-Liste: Die Abkürzung TAN steht für Transaktionsnummer. Als es mit dem Onlinebanking in den Neunzigerjahren losging, verschickten Banken an ihre Kunden Papierlisten mit TAN, die der Kunde bei einer Überweisung eingeben musste. „Dieses Verfahren wird kaum noch genutzt und ist sehr unsicher“, sagt Ronald Eikenberg vom Computermagazin „c’t“. Denn schon wenn der Bankkunde eine einzige TAN auf einem betrügerischen Portal eingibt, kann der Hacker damit eine Überweisung tätigen.

iTan: Die iTAN (indizierte Transaktionsnummer) ist die Weiterentwicklung der TAN. Die Zahlen werden immer noch auf Papier aufgelistet, vor jeder steht aber eine Nummer. Bei einer Transaktion wird der Benutzer aufgefordert, eine bestimmte TAN auf der Liste einzugeben. Das erhöht die Sicherheit etwas. Dennoch ist Eikenberg nicht überzeugt: „Das Verfahren ist veraltet. Es wird auch kaum noch angewendet.“

mTan: Hier schickt die Bank die Transaktionsnummer per SMS auf das Handy, nachdem man Überweisungsdaten eingegeben hat. Die Nummer gilt nur für wenige Minuten und nur für eine Transaktion. Dieses Verfahren ist im Moment am weitesten verbreitet, wurde deshalb aber auch schon von Hackern angegriffen. Es gilt trotzdem als relativ sicher, solange nie ein und dasselbe Gerät für Onlinebanking und SMS-TAN benutzt wird und „man sich keinen Trojaner aufs Smartphone holt“, wie Eikenberg sagt. Denn eine solche Schadsoftware kann die mTAN abfangen. Um sich vor Trojanern auf dem Handy zu schützen, sollten Android-Nutzer Apps nur vom offiziellen Appstore Google Play herunterladen, rät der IT-Sicherheitsexperte. Bei iPhone-Nutzern ist das sowieso nicht anders möglich. Außerdem sollte man keine unbekannten Anhänge aus E-Mails öffnen – und auch auf dem Smartphone einen Virenscanner installieren.

TAN-Generator: Es gibt verschiedene Versionen von TAN-Generatoren. Bei den meisten muss der Bankkunde seine EC-Karte in ein batteriebetriebenes Lesegerät stecken. Bei einer Überweisung erzeugt das Gerät eine Nummer, die der Kunde dann am Computer eingeben muss. Dieses Verfahren ist sehr sicher, „aber auch umständlich“, sagt Eikenberg.

Photo-TAN: Näher an der Zukunft ist die Photo- oder QR-TAN. Dafür muss sich der Bankkunde eine bestimmte App auf sein Smartphone installieren. Wird am Computer eine Überweisung getätigt, erscheint auf dem Bildschirm ein Bild aus bunten Punkten, das der Nutzer mit seinem Smartphone abfotografieren muss. Daraufhin wird eine TAN erzeugt. Diese gibt der Bankkunde dann am Computer ein und bestätigt damit die Transaktion. Auch bei diesem Verfahren können allerdings Trojaner zum Problem werden, warnt Eikenberg. Ihm sind Fälle bekannt, bei denen ein Trojaner auf dem Computer das Überweisungsziel und die Summe geändert hat: „Nutzer dieses Systems sollten vor dem Bestätigen unbedingt genau die Daten kontrollieren.“

Push-TAN: Dieses System hält Sicherheitsexperte Eikenberg für das Modernste – auch weil es Onlinebanking mit einem einzigen Gerät möglich macht. Mit dem Push-TAN-Verfahren können Bankkunden unterwegs mit dem Smartphone eine Überweisung in Auftrag geben und sie auch per Smartphone bestätigen. Möglich wird das durch zwei verschiedene Apps: eine für das Onlinebanking und eine für die Push-TAN. Hat der Nutzer im Onlinebanking-Bereich einen Auftrag veranlasst, wechselt er zur Push-TAN-App. Dort wird eine Nummer generiert, die er dann im Onlinebanking-Bereich eingibt. „Die Push-TAN-App ist über ein langes Passwort geschützt, falls das Handy geklaut wird“, erklärt Eikenberg. Außerdem erkennt sie Trojaner und warnt den Nutzer. „Das System ist technisch komplizierter, aber bisher sicher.“ Das Verfahren verursacht den Banken außerdem keine Kosten – im Gegensatz zur mTAN, bei der die Banken für die SMS zahlen müssen, wenn sie die Kosten nicht an den Kunden weitergeben.

„Die Push-TAN-App ist derzeit  wohl das modernste Sicherungsverfahren.“


Mit ein paar einfachen Verhaltensregeln lässt sich die Sicherheit beim Onlinebanking deutlich verbessern.

Vorsicht vor Phishing-Mails: Die gefälschten E-Mails im Namen von Freunden, Firmen oder Unbekannten sind heutzutage oft professionell gestaltet  und haben zum Teil eine persönliche Anrede. Eine Bank würde ihre Kunden aber niemals dazu auffordern, vertrauliche Daten wie Benutzerdaten, PIN, TAN oder Kontonummer bekannt zu geben. Häufig werden Sie auch über einen Link zu einer betrügerischen Internetseite weitergeleitet, auf der ebendiese Daten abgefragt werden. Falls Sie solche Nachrichten erhalten, informieren Sie Ihre Bank darüber.

Keine unbekannten Anhänge öffnen:  Oftmals enthalten Phishing-Mails Viren und Trojaner, die sich im Anhang verstecken. Internetnutzer sollten deshalb nur Anhänge öffnen, die vertrauenswürdig sind.

Auf sichere Verbindung achten: Die Onlinebanking-Portale der Banken und Sparkassen nutzen sichere Verbindungen – Verbraucher können sie daran erkennen, dass aus dem normalen http:// ein https://­ wird. Im Firefox-Browser und im Internet Explorer wird die sichere Verbindung zusätzlich durch ein grünes Schloss im Adressfeld gekennzeichnet. 

Kein Onlinebanking in öffentlichen WLANs: Experten empfehlen, Bankgeschäfte nur von eigenen Geräten und im heimischen WLAN zu tätigen. In öffentlichen Hotspots können Hacker Log-in-Daten leicht ausspionieren. Auch wer von fremden Geräten Überweisungen tätigt, geht ein Risiko ein: Der Besitzer könnte den Browserverlauf aufzeichnen.

Virenschutz aktuell halten: Antivirenprogramme erkennen, wenn sich Viren und Trojaner auf dem Computer einschleichen. Wer digital Bankgeschäfte erledigt, sollte also unbedingt diesen Schutz aktuell halten.

Wer haftet für Schäden?

Sicherheit im Onlinebanking liegt im Interesse der Bank und des Kunden. Dennoch gelingt es Betrügern immer wieder, sich Zugang zu den Log-in-Daten und TANs zu verschaffen. Wer im Schadensfall für die erbeutete Summe aufkommt, ist abhängig vom individuellen Fall.

Laut dem Deutschen Anwaltverein haftet der Bankkunde, wenn dieser selbst seine Log-in-Daten und TAN preisgibt – etwa per E-Mail oder über einen betrügerischen Link. Juristen sprechen dann von einer „autorisierten Zahlung“.

Anders sieht es aus, wenn Betrüger die TAN auf Umwegen erbeuten – etwa durch ein Virus auf dem Computer. Dann stellt sich die Frage, ob den Bankkunden eine Mitschuld trifft, weil dieser auf die Masche der Betrüger nicht hätte hereinfallen dürfen. Grundsätzlich muss aber das Sicherungssystem der Bank zum Tatzeitpunkt so gut wie möglich gewesen sein. Ansonsten trifft die Bank die Schuld.

In der Realität kommen die Banken aber in den allermeisten Fällen für den Schaden auf, wie „c’t“-Sicherheitsexperte Ronald Eikenberg berichtet. Denn für die Banken bedeutet jeder Betrug einen erheblichen Imageschaden. Um das Vertrauen der Verbraucher in das Onlinebanking zu stärken, gleichen die Institute meist aus Kulanz den Schaden aus.

 

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