HAZ-Serie: Mit Sicherheit

Was passiert mit meinem Ersparten? Ist meine Wohnung vor Einbrechern sicher? Welche Gefahren drohen aus dem Internet? Und wie sicher sind wir überhaupt?
Terror, Krankheit, Armut, Kriminalität – nur einige Gefahren, die unser Leben einschränken können und von denen sich Menschen bedroht fühlen.

Die HAZ widmet sich diesen Gefahren und beantwortet in der Serie „Mit Sicherheit“ nach und nach die wichtigsten Fragen aus zwölf verschiedenen Themengebieten rund um Ihre Sicherheit.

 

 

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Was hilft wirklich gegen Einbrecher?

Steigen Einbrecher ein, entsteht erheblicher Schaden.

Euro kostet ein Einbruch im Durchschnitt.

Klare Präferenz: In

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der Fälle nehmen Einbrecher Schmuck oder Uhren mit. Es folgen Bargeld (48,6 Prozent) und elektronische Kleingeräte wie Smartphones (31 Prozent).

Fünf populäre Irrtümer über Einbrüche

„Einbrecher kommen überall rein, Schutz ist zwecklos“:

Falsch. Nichts erschwert Einbrüche so wirksam wie gesicherte Fenster, Türen und Alarmanlagen. Diebe wollen schnell zugreifen und rasch verschwinden. In mehr als 40 Prozent aller Fälle brechen sie den Einbruchsversuch inzwischen ab, weil es ihnen zu lange dauert.

„Mein Versteck ist absolut sicher“

Ein Irrglaube. Diebe sind äußerst kreativ im Aufspüren selbst ungewöhnlichster Verstecke. Am sichersten sind Wertsachen im Banktresor.

„In oberen Etagen hat man nichts zu befürchten“

Im Gegenteil. Wenn es Einbrecher erst mal in ein Mehrfamilienhaus geschafft haben, brechen sie bevorzugt in den höher gelegenen Wohnungen ein – dort werden sie weniger gestört.

„Diebe kommen vor allem nachts“

Falsch. Einbrecher vermeiden die Begegnung mit Besitzern – und kommen deshalb in 43 Prozent aller Fälle zwischen 6 und 21 Uhr, wenn die Bewohner nicht da sind.

„Dieben muss man sich in den Weg stellen“

Sehr gefährlich. Wer einen Einbrecher bemerkt, soll Licht anmachen oder sich auf andere Weise bemerkbar machen – aber die direkte Konfrontation vermeiden.

Was hilft wirklich gegen Einbrecher?

Für die Opfer ist es fast immer ein gewaltiges Drama,  viele fühlen sich in ihren Häusern und Wohnungen nie mehr sicher:  Seit Jahren ist die Zahl der Einbrüche dramatisch angestiegen.  Die Politik wirkt auf viele Bürger hilflos. Dabei gibt es  inzwischen wirksame Mittel – und erste Erfolge. (Foto: Moras)

Von Thorsten Fuchs

Burkhard Homburg und seine Frau kamen gerade aus dem Urlaub zurück, vier Wochen Neuseeland, als ihn die Nachricht erreichte; sie war gleichsam das traurige Willkommen, das sie am Flughafen empfing. Es habe einen Einbruch gegeben, eröffnete ihnen der Freund, der sie abholte. Zum Glück aber seien bloß die Sachen durchwühlt und etwas Modeschmuck gestohlen worden, nichts von größerem Wert, beruhigte er sie. Die Polizei sei auch schon da gewesen. Allerdings wusste der Freund nichts von dem Safe, den die Homburgs in ihrem Kleiderschrank untergebracht hatten. Die Einbrecher aber hatten ihn gefunden – ebenso wie den Schlüssel, den die Homburgs in einem Raum versteckt hatten. Sämtlichen Schmuck, Erbstücke und Erworbenes, hatten sie in dem Safe deponiert. Jetzt war er leer. „Da möchte man vor Wut gegen die Wand springen“, sagt der 75-jährige Rentner, früher Kundenberater einer Werbeagentur, aus der Nähe von Hamburg. „So ohnmächtig fühlt man sich.“

Das Ehepaar Homburg gehört zu den Hunderttausenden, die jedes Jahr in Deutschland Opfer eines Einbruchs werden. Nahezu kontinuierlich ist die Zahl der Einbrüche in Deutschland zuletzt gestiegen – von 106 000 im Jahr 2006 auf 167 000 im Jahr 2015. Für die Betroffenen bedeutet jedes dieser Verbrechen eine enorme Belastung, viele fühlen sich in ihrer eigenen Wohnung nie mehr wirklich sicher. Polizei und Politik schienen dem Phänomen lange Zeit ähnlich ohnmächtig gegenüberzustehen wie Burkhard Homburg seinem aufgebrochenen Haus.

Für das vergangene Jahr belegt die Polizeistatistik jedoch zum ersten Mal seit Langem wieder einen Rückgang, auf insgesamt 151 000 Einbrüche. Lediglich in Sachsen und Sachsen-Anhalt ging der Anstieg weiter. Ist das also nun eine Trendwende?

Tatsächlich versuchten der Gesetzgeber und die Ermittler zuletzt gleich auf mehreren Wegen, das Sicherheitsgefühl der Bürger wieder zu stärken. So erhöhte die Große Koalition zum Beispiel die Mindeststrafe für Einbruchdiebstahl von sechs Monaten auf ein Jahr. In mehreren Städten und Regionen wurden Sondereinheiten eingesetzt, die sich mit nichts anderem als Einbrüchen beschäftigen. Die KfW vergibt Zuschüsse und Darlehen, wenn Immobilienbesitzer ihre Häuser und Wohnungen einbruchsicher machen wollen. Immer mehr Polizeipräsidien und Landeskriminalämter setzen zudem eine spezielle Analysesoftware ein, die aufgrund vorangegangener Straftaten vorhersagt, in welchen Vierteln die Gefahr eines neuen Einbruchs besonders hoch ist.

Hilft das alles etwas? Oder ist das eher Aktionismus, um erschütterten Bürgern Tatkraft zu suggerieren? Zumindest die Computerprogramme, die Innenminister und Polizeipräsidenten in den vergangenen Jahren öffentlichkeitswirksam präsentierten, machen die Welt offenbar nur unwesentlich sicherer.

Die erste, gerade veröffentlichte wissenschaftliche Studie über das Programm „Precobs“ deutet auf einen nur bescheidenen Nutzen bei der Verminderung der Fallzahlen hin. Dominik Gerstner vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg hat den Einsatz der Software in Stuttgart und Karlsruhe über ein halbes Jahr lang untersucht. Das Ergebnis: geringe, statistisch kaum von Zufallsschwankungen zu unterscheidende Effekte in den jeweiligen Alarmgebieten.

Der seherische „Kommissar Laptop“, der den Ermittlern den Weg zum nächsten Verbrechen weist, bleibt bloße Fiktion. „‚Precobs‘ kann Polizeiarbeit in gewisser Weise effizienter machen, ist aber keine Wunderwaffe“, resümiert Gerstner. Auch Strafverschärfungen halten Wissenschaftler für wenig effektiv. „Mögliche Täter studieren nicht das Strafgesetzbuch, bevor sie sich für eine Tat entscheiden“, sagt Gina Wollinger vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Höhere Strafen schreckten also nicht ab.

Ohnehin sei über die Täter bei Einbrüchen herzlich wenig bekannt. Die Aufklärungsquote liegt bei unter 20, die Verurteilungsquote sogar bei unter 3 Prozent. Die vor allem von Polizisten häufig geäußerte These, dass osteuropäische Banden für einen Großteil der Einbrüche verantwortlich seien, „wird durch die Daten nicht gedeckt“. Was hilft also wirklich gegen Einbrecher? Für effektiv hält Wollinger vor allem die hoch spezialisierten Ermittlergruppen, die das Vorgehen von Tätern eingehend analysieren, wie die Hamburger Soko „Castle“. Zudem liegt die Zahl gescheiterter Einbruchsversuche bei mittlerweile 40 Prozent – ein Zeichen, dass Immobilienbesitzer ihre Wohnungen besser sichern. Dennoch sieht Wollinger hier noch Möglichkeiten: „Einbruchsverordnungen, wie es sie etwa in den Niederlanden gibt, könnten Sicherheitsstandards auch für Mietwohnungen verbindlich machen.“

Die Täter, die bei Burkhard Homburg einbrachen, wurden nie gefasst. Der teure Schmuck, gesammelt und erworben als Altersvorsorge, ist verschwunden. Versichert war nichts. „Ich habe mich einfach darauf verlassen, dass wir in einem sicheren Land leben“, sagt er. „Das war natürlich dämlich.“ Er will erreichen, dass die Politik Einbrüche ernster nimmt als bislang – und hat sich eine Alarmanlage zugelegt. Damit, sagt der Rentner, fühle er sich wieder sicher. Mittlerweile fahren er und seine Frau auch wieder in Urlaub. „Aber beim Heimkommen, kurz vor dem Ziel, packt mich jedes Mal eine mächtige Unruhe.“


Wie viele Einbrüche gab es in der Region Hildesheim?
Auf der Karte sind die Einsatzgebiete der fünf Polizeikommissariate aus dem Landkreis eingezeichnet – samt Zahl der Einbrüche im Jahr 2016.

Um mehr zu erfahren, klicken Sie in der Karte auf die Gebiete, die Sie interessieren.

Von Fingerabdrücken bis zu winzigen Fasern – Spezialisten sind Einbrechern auf der Spur

Die Tür steht offen, Schränke und Schubladen sind durchwühlt. Wird ein Einbruch gemeldet, rückt sofort die Tatortgruppe der Polizei aus, um Spuren zu sichern. (Foto: Gossmann)

von Renate Klink

Bloß nichts anfassen. Oder noch schlimmer: aufräumen. „Wenn wir kommen, muss noch alles so sein, wie die Täter es verlassen haben“, sagt Polizeikommissarin Julia Schwertfeger. Die 26-Jährige gehört zusammen mit ihrem Kollegen Tobias Reich zu einer der Tatortgruppen, die sich nach einem Einbruch auf Spurensuche machen. Tag und Nacht. In der Stadt und im Landkreis Hildesheim. Melden sich Opfer, dann schnappen sie ihre fast zehn Kilo schweren Spezialkoffer und fahren mit dem Streifenwagen auf dem schnellsten Weg zum Tatort. In den Spurensicherungskoffern steckt ein ganzes Arsenal von Hilfsmitteln. Damit werden noch so kleine Details aufgespürt, die die Einbrecher in der Wohnung hinterlassen haben.

„Spuren gibt es immer“, betont Polizeikommissar Reich. Selbst wenn die Täter Handschuhe getragen haben. Rußpulver, Klebefolien, Zollstock, Pinzette, Scheren, Wattestäbchen und jede Menge kleiner Tüten und Kunststoffbehälter gehören zum Arbeitszeug der Ermittler. Auch sie tragen Handschuhe, Mundschutz und weiße Hüllen über den schwarzen Schuhen, um nichts zu verfälschen. Jeder gefundene Zigarettenstummel, jedes Haar oder noch so kleine Fussel wird gesichert, beschriftet und verpackt. Die Wohnung wird so fotografiert, wie die unbekannten Täter sie hinterlassen haben. Dazu spricht die Ermittlerin mit leiser Stimme in ihr Diktiergerät – all ihre Beschreibungen und Beobachtungen. „Kommode im Schlafzimmer, rechts neben der Tür, alle Schubladen offen, Inhalt durchwühlt.“ Diese Details sind später für den Sachbearbeiter auf der Dienstelle wichtig, um sich ein umfassendes Bild vom Tatort machen zu können. Auch werden am Computer Vorgehensweisen der Täter abgeglichen, um sich vielleicht an die Fersen von Serieneinbrechern heften zu können.

Wenn die Ermittler Glück haben, dann haftet an den sichergestellten Beweisstücken vielleicht DNA- fähiges Material. Zur Untersuchung werden Mikrospuren von Blut, Kleidung, Erde, Splitter, Klebereste oder Farbpartikel ans Landeskriminalamt geschickt, damit sie dort im Labor unter die Lupe genommen werden können. Damit nichts durcheinander kommt, versieht Kommissar Reich vorher seine gefüllten Tütchen und Kästen mit einem Barcode. Das piept jedesmal wie an der Kasse im Supermarkt. Auf akribisches Asservieren wird großen Wert gelegt. Denn Ergebnisse müssen in einem Prozess nachvollziehbar sein. „Gerichtsfest“ – so sagen die Beamten dazu.

Jedoch: Hochwertige Technik, präzise Spurensuche, umfangreiche Dokumentation und Auswertung sind noch keine Garantie, dass es tatsächlich zu einer Gerichtsverhandlung mit verurteilten Tätern kommt. Die Zahl der Einbrüche in Stadt und Landkreis Hildesheim für das Jahr 2017 liegt derzeit noch nicht vor. „Die Tendenz ist leicht rückläufig“, weiß bereits Polizeisprecher Claus Kubik. Und was bislang an Zahlen vorliegt zeigt: die Aufklärungsquote auch. Wurden in den vergangenen drei Jahren im Schnitt rund 500 Einbrüche in Stadt und Landkreis aufgenommen, so sank die Prozentzahl von 24,17 (2014) auf 20,63 (2015) und schließlich auf 16,98 (2016). Die Zahl der Einbrecher, die tatsächlich bestraft werden, liegt sogar nur im einstelligen Bereich.
Ist das nicht auch für die Ermittler frustrierend? Die beiden Hildesheimer Polizeikommissare sehen das nicht so. Für jedes Opfer sei ein Einbruch sehr einschneidend. So einer Straftat müsse nachgegangen werden. Und überhaupt: Was wäre die Alternative? Jeder Tatort erzähle eine Geschichte. „Die wollen wir aufklären“, sagt Beamtin Schwertfeger. Mit allen möglichst unberührten Spuren.

Feuermelder retten Leben

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aller Feuerwehreinsätze werden in Deutschland von Ehrenamtlichen absolviert.

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aller Brände entstehen in Privathaushalten, nicht in der Industrie.

 

So funktionieren Rauchmelder

 

Feuermelder retten Leben

Deutschland ist mit strengen Brandschutzregeln und  dem System der Freiwilligen Feuerwehren gut abgesichert gegen Brandkatastrophen. Doch bei der Vorbeugung sind auch Immobilienbesitzer und Mieter gefragt. (Foto: dpa)

 

Von Kerstin Hergt

In Deutschland wird durchschnittlich achtmal am Tag ein Zimmerbrand ausgelöst. Alle paar Sekunden rückt die Feuerwehr aus. Jährlich bekämpft sie etwa 175 000 Brände und Explosionen. Rund 400 Menschen sterben pro Jahr in den Flammen. Dabei hat sich die Zahl der Todesfälle seit 1990 fast halbiert. Die Prävention im Brandschutz wird zunehmend besser. Doch welche konkreten Regeln sollten Hauseigentümer, Mieter oder auch Arbeitgeber beachten, damit vorbeugende Maßnahmen auch wirklich greifen? Ein Überblick.

 

Wer bei einem Umzug das Bundesland wechselt, ist nicht selten verwirrt, wenn es um die Ausstattung der neuen Bleibe mit Rauchmeldern geht. Vorschriften über Fristen und Pflichten sind Sache der Länder. Während es also in Hamburg etwa schon seit 2011 eine Pflicht zur Installation von Rauchmeldern auch für Altbauten gibt, besteht dafür in Sachsen bislang noch keine Pflicht. Dagegen ist die Einbaupflicht bei Neubauten flächendeckend.

Doch was bringen die Frühwarnsysteme überhaupt? „Sie wecken die Menschen und bewahren sie so davor, vor allem im Schlaf Opfer von Brandrauch zu werden. Die größten Gefahren für Menschenleben gehen oftmals vom Rauch aus und weniger von Flammen. Denn im Rauch stecken jede Menge Giftstoffe, die innerhalb weniger Sekunden zu Bewusstlosigkeit führen können“, erläutert Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes und im Hauptberuf Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz.

Seit der Einführung von Rauchmeldern vor mehr als einem Jahrzehnt hat sich die Zahl der Brandopfer halbiert. Dennoch fehlen in manchen Altbauten immer noch Frühwarnsysteme. Vor allem, weil oft unklar ist, wer zur Montage verpflichtet ist – Eigentümer oder Mieter? „Auch das ist Sache der Länder“, sagt Hachemer und rät, schon beim Schließen eines Kauf- oder Mietvertrages darauf zu achten, wer für die Installation, aber auch die Wartung von Rauchmeldern zuständig ist.

Bei der Auswahl sei neben Prüfsiegeln der Preis ein Qualitätsmerkmal: „Ein hochwertiges, verlässliches Gerät ist mit einer Batterie von zehn Jahren Lebensdauern und nicht mit einer einfachen Blockbatterie ausgestattet.“ Die Betriebsbereitschaft von Rauchmeldern sollte einmal jährlich überprüft werden. Die Montage sollte nicht in Badezimmer oder Küche erfolgen, wo viel Wasserdampf erzeugt wird, sondern in angrenzenden Räumen.

Rückt die Feuerwehr trotz Fehlalarms aus, so ist der Einsatz kostenlos, wenn die oder der Anrufer tatsächlich von einem Notfall ausgegangen sind.

Nach dem Brand in einem Londoner Hochhaus im Frühjahr dieses Jahres haben deutsche Brandschutzexperten die hierzulande herrschenden strengeren Brandschutzregeln gelobt. Danach darf ein Gebäude ab 22 Metern Höhe nicht mit brennbarem Material gedämmt werden. Doch was ist mit weniger hohen Häusern? Der Deutsche Feuerwehrverband rät zu „grundsätzlich besonnenem Einsatz von Dämmmaterial“. Zwar gebe es mittlerweile schwer entflammbare Stoffe, sagt Verbandsvizepräsident Hachemer, doch brennen würden diese am Ende auch. Eine Alternative sei Mineralwolle, die jedoch für optimalen Dämmschutz nicht feucht werden dürfe. Auch das Einbauen von Riegeln zum Schutz vor Fassadenbränden biete nicht immer umfassenden Brandschutz, etwa bei zu hohen Flammen.

Für Bauherren privater Einfamilienhäuser ist eine professionelle Brandschutzplanung nicht gesetzlich vorgeschrieben. Etwas anderes gilt für größere Neubauten oder auch die Nutzungsänderung älterer Gebäude, wo in jedem Fall ein Sachverständiger zurate gezogen werden muss. Grundsätzlich sollte das Tragwerk eines Gebäudes einem Feuer mindestens neunzig Minuten Stand halten.

Greifen beispielsweise Kerzenflammen auf Mobiliar über, sollte schon vor eigenen größeren Löschversuchen die Feuerwehr gerufen werden. Ist der Zimmerbrand im fortgeschrittenen Stadium, sollten die Bewohner bei der Flucht die Tür hinter sich schließen, um zu vermeiden, dass das Feuer auf andere Teile der Wohnung übergreift. „Auch eine normale Zimmertür hält einem Vollbrand mindestens 15 Minuten stand“, sagt Brandschutzexperte Frank Hachemer.

Wichtig sei, dass der primäre Fluchtweg, das Treppenhaus, frei sei. Sperrige Gegenstände sollten zu keiner Zeit dort stehen oder aufbewahrt werden. Überhaupt sei Entrümpeln eine gute Präventionsmaßnahme, sagt Hachemer. So sollten Keller und Dachböden nicht allzu voll stehen mit brennbarem Sperrmüll.

Eigentümer von Häusern in schmalen Straßen oder mit engen Innenhöfen sollten dafür Sorge tragen, dass der Feuerwehr im Notfall keine größeren Hindernisse im Weg stehen. Bei Altbauten mit Holztreppenhäusern sollten außen Feuerleitern angebracht sein. „Denkmalschutz und Brandschutz schließen sich nicht aus“, betont Hachemer.

In größeren Wohnhäusern oder auch in Bürogebäuden gibt es häufig Brandschutztüren, in deren Bereich auch keine Kinderwagen abgestellt werden dürfen. Brandschutztüren sollten immer geschlossen sein. Wer sich nicht daran hält, muss schlimmstenfalls mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Einen Feuerlöscher in Privathäusern zu haben ist nicht verpflichtend. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, sollte jedoch auf den richtigen Inhalt achten: „Für Wohnräume eignen sich im Grunde nur Schaumlöscher und nicht etwa Pulverlöscher, die mit ihrer gewaltigen Wolke aus Löschsalzen einen enormen Löschmittelschaden anrichten können“, sagt Hachemer, der seit 30 Jahren ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist.

Was Bürogebäude angeht, stehen Arbeitgeber laut der Ende 2012 in Kraft getretenen Arbeitsstättenverordnung in der Pflicht, regelmäßig Evakuierungsübungen durchzuführen und mindestens 5 Prozent der Mitarbeiter zu Brandschutzhelfern ausbilden zu lassen.

In jedem vierten Brandfall ist ein Privathaushalt betroffen. Allerdings sind die Bewohner oft unzureichend dagegen gewappnet. Vorbeugen lässt sich mit der Installation von Rauchmeldern und der Anschaffung eines Feuerlöschers. Doch gerade bei Mietobjekten herrscht häufig Unsicherheit oder auch Uneinigkeit darüber, welche Kosten Mieter und Eigentümer zu tragen haben. Nach einem vom Mieter fahrlässig verursachten Brandfall ist die Rechtslage indes klar: Der Vermieter hat die Schäden zu beheben, weil er grundsätzlich für die Instandhaltung der Mietsache verantwortlich ist. Er kann für die Finanzierung aber seine Gebäudeversicherung in die Pflicht nehmen.


Tipps der Feuerwehr zur Adventszeit

Verstellen Sie keine Fluchtwege wie Fenster, Türen, Flure und Treppen.

Behalten Sie Tannengestecke und Adventskränze nicht zu lange in der Wohnung, trockene Zweige brennen wie Zunder.

Ersetzen Sie trockene Zweige durch frisches Tannengrün und holen Sie den Weihnachtsbaum möglichst erst am 24. Dezember in das warme Zimmer.

Benutzen Sie keine brennbaren Untersätze.

Achten Sie auf ausreichenden Sicherheitsabstand zu leicht brennbaren Materialien, wie zum Beispiel Vorhängen und Gardinen.

Prüfen Sie das Temperaturumfeld vorsichtig mit der Hand.

Verwenden Sie Sicherheitskerzen. Der vor dem Kerzenboden endende Docht lässt die Flamme erlöschen.

Lassen Sie brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt, schon gar nicht, wenn Kinder allein im Zimmer sind.

Auch am Arbeitsplatz sollten Kerzen in Adventsgestecken nie unbeaufsichtigt brennen.

Verwahren Sie Zündhölzer und Feuerzeuge an einem sicheren, vor Kindern unzugänglichen Platz.

Wunderkerzen gehören nicht in die Adventsgestecke oder Weihnachtsbäume.

Beugen Sie vor: Halten Sie für den Brandfall ein Gefäß mit Wasser griffbereit, denn um ein Gefäß mit zehn bis zwölf Litern Wasser zu füllen, benötigen Sie rund eine Minute wertvolle Zeit.

Was tun, wenn’s brennt? Oft beginnt die Tragödie mit einem kleinen Flämmchen

In der Wohnung brennt’s. Und jetzt? Erstmal Ruhe bewahren, die Lage einschätzen und dann die Retter alarmieren.
Die Feuerwehr hat noch einen weiteren wichtigen Tipp: Vorbeugen! (Foto: dpa)

Wenn meine Gardine in Flammen steht, habe ich noch jede Menge Zeit zum Handeln. Ich kann mir aus der Küche einen großen Krug mit Wasser holen, um das Feuer zu löschen. Oder ich tauche im Badezimmer eine Decke in die Wanne, um die nasse Textilie anschließend über die Flammen zu werfen. So dürften sich die meisten Menschen, die sich gedanklich auf einen möglichen Brand vorbereiten, die ersten Sekunden vorstellen.

Wie es wirklich ist, hat ein Sarstedter vor einigen Jahren erlebt: Aus seinem Fernseher war anfangs eine winzige Flamme gezüngelt, nicht viel größer als die einer Kerze. Aber sie entzündete eine kleine Decke und die einen weiteren Gegenstand in der Nähe. Innerhalb von wenigen Sekunden war das Feuer so groß, dass der Mann es nicht mehr selbst löschen konnte. Er rief noch die Feuerwehr, dann flüchtete er sich auf seinen kleinen Balkon. Als die Feuerwehr nach wenigen Minuten eintraf, kauerte der Mann in der letzten Ecke des Balkons, in dem er noch atmen konnte.

Der Begriff von Rettung in letzter Sekunde wird bei Feuerwehreinsätzen gern mal bemüht. Aber selten war er so zutreffend wie bei dem mann aus dem Stadtteil Giebelstieg. Nahezu sein komplettes Hab und Gut war verbrannt. Dass er sein Leben behielt, glich einem kleinen Wunder. Die Tragödie hatte mit einer kleinen Flamme begonnen. Zwischen ihr und dem anschließenden Flammenmeer lagen nur wenige Minuten.

Wie so etwas aussieht, kann man sich zum Beispiel im Internet auf YouTube anschauen. Feuerwehrmänner haben zu Übungszwecken komplette Wohnräume aufgebaut und etwas Papier in einer Ecke entzündet. Kameras halten den Brand in Echtzeit fest. Nach nicht einmal einer Minute schlagen die Flammen bis zur Decke, nach zweien ist der Raum von fettem schwarzem Rauch gefüllt. Für Menschen besteht zu diesem Zeitpunkt bereits akute Lebensgefahr. „Wenn man die Tür öffnet und Feuer und Rauch schlagen einem schon entgegen, sollte man den Raum nicht mehr betreten“, sagt Marcus Illemann, Wachabteilungsleiter der Hildesheimer Berufsfeuerwehr. Vor allem der Rauch stelle eine tödliche Gefahr dar. Meistens reichen in so einem Umfeld wenige Atemzüge, bis ein Mensch das Bewusstsein verliert. Die Feuerwehr versucht seit vielen Jahren, die Menschen an dieser Stelle zu sensibilisieren: Die weitaus größte Gefahr bei einem Brand geht vom Rauch aus. Und zwar nicht nur für Leib und Leben der Betroffenen, sondern auch für deren Eigentum.

Rauch breitet sich meist rasch über Flure und Fenster aus. Wo er eindringt, sind Textilien, Möbel, Einrichtungsgegenstände – und oft sogar Tapeten, Teppiche und Putze nicht mehr zu retten. „Deshalb ist es wichtig, bei einem Brand die Türen zu schließen“, sagt Illemann. Das verhindere zudem, dass das Feuer durch Luft weiter entfacht wird. Befinde man sich selbst noch in einem Raum, der schon von dichtem Rauch durchzogen sei, sollte man möglichst auf allen Vieren den Rückzug antreten. „Der Rauch sammelt sich oben und drückt langsam nach unten“, weiß der Feuerwehrmann. Je dichter man sich in Fußbodennähe aufhalte, desto größer sei die Chance, noch atmen zu können.

Doch bis zu welchem Zeitpunkt sollte ich eigentlich versuchen, ein Feuer selbst zu bekämpfen? Und ab wann ist es geboten, den Rückzug anzutreten? Pauschale Empfehlungen hierzu hat die Feuerwehr nicht. Die Beantwortung der Frage hängt mit vielen Faktoren zusammen: Wie gut kann ein Betroffener die Situation einschätzen? Und wie schnell und konkret kann er handeln, ohne sich und andere in Gefahr zu bringen? „Wenn man die Möglichkeit hat, einen Entstehungsbrand zu verhindern, sollte man das tun“, sagt Illemann. Soll heißen: Wenn die Kerze umgekippt ist, sollte jeder dazu in der Lage sein, den Docht zu löschen. Oder wenn die Pfanne in Flammen steht, ein feuchtes Tuch darüberzulegen, um dem Feuer den Sauerstoff zu nehmen.

Aber gerade die brennende Pfanne dient der Feuerwehr oft als Negativbeispiel. Denn wer in die heiße Pfanne Wasser kippt, kann nach dem Bruchteil einer Sekunde selbst in Flammen stehen – zumindest dann, wenn sich brennendes Fett darin befindet. „Das Wasser verdampft blitzartig und reißt das brennende Fett mit sich“, sagt Illemann. Wer diesen Fehler begeht, kann sich in einem Feuerball wiederfinden. Beispielfilme, wie es aussieht, wenn man Wasser auf brennendes Öl gießt, finden sich ebenfalls auf YouTube.

Zu Küchenbränden muss die Hildesheimer Feuerwehr regelmäßig ausrücken. Manchmal ist es tatsächlich das auf dem Herd vergessene Essen, das Feuer gefangen hat. Doch meistens hat das Feuer andere Gründe. „Ein Großteil der Brände entsteht durch defekte Elektrogeräte“, sagt Illemann. Mitunter gebe es billige Geräte, die schon vom Hersteller nicht optimal konstruiert worden seien. „Mit Wasserkochern hatten wir mal eine Serie“, sagt Illemann. Beliebt sei auch, Steckdosenleisten mit zu vielen Verbrauchern zu überlasten. Er selbst reduziere die Gefahr, indem er so viele Verbraucher wie möglich vom Netz trenne. „Wenn ich in den Urlaub fahre, ziehe ich alle Stecker.“

Sicher allein zu Hause

 

 
 

 

Sicher wohnen im eigenen Zuhause

Wer unsicher auf den Beinen ist, sollte Stolperfallen wie Bettvorleger, Bodenvasen oder lose Kabel verbannen. Gerade Menschen, die auf Gehstöcke oder Rollatoren angewiesen sind, werden besser zurechtkommen, je mehr Bewegungsfreiheit sie in den eigenen vier Wänden haben.

Haltegriffe im Bereich von Toilette, Dusche und Waschbecken erleichtern das Gehen und Stehen auf rutschigen Fliesen, Antirutschmatten für Böden und Treppenstufen beugen Stürzen ebenfalls vor.

Vor allem in Bad und Küche ist eine gut durchdachte Beleuchtung sinnvoll, auch die Nachttischlampe sollte den Bereich rund ums Bett ausreichend ausleuchten. Zeitschaltuhren für Lichter müssen so eingestellt werden, dass es lang genug hell ist.

Sicher allein zuhause

Ältere Menschen wollen heute selbstbestimmt ihren Lebensabend so lange wie möglich zu Hause verbringen – auch wenn sie allein leben. Dank intelligenter Notrufsysteme ist im Falle von Krankheit oder eines Unfalls schnelle Hilfe von außen zur Stelle. Foto: dpa

Von Alena Hecker

Wer sich dafür entscheidet, im Alter so lange wie möglich zu Hause zu leben, ist oftmals auf sich allein gestellt, wenn die Familie weiter weg wohnt oder kein Partner da ist. Solange Körper und Geist fit sind, geht es gut. Doch was ist im Falle von Krankheit oder körperlicher Schwäche? Ein ambulanter Pflegedienst kommt nur zu bestimmten Uhrzeiten und im Zweifel auch nicht täglich. Die Angst davor, im Notfall gänzlich hilflos zu sein, bringt dann doch so manchen dazu, das Leben in den eigenen vier Wänden aufzugeben und in ein Seniorenheim zu ziehen. Intelligente Notrufsysteme und Sensoren sowie die sogenannte Smart-Home-Technik ermöglichen es heutzutage jedoch, den Lebensabend möglichst lange und vor allem sicher zu Hause zu verbringen.

Smart Home, das schlaue Zuhause, bietet technische Lösungen, die das Leben in vertrauter Umgebung vereinfachen und für mehr Bequemlichkeit sorgen sollen. „Smart Home kann den Lebensalltag erleichtern für Ältere, die nicht mehr so fit sind“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg. „Wenn die Verkabelung liegt, lässt sich beispielsweise vom zweiten Stock aus bequem der Rasensprenger anmachen und einstellen, wann er wieder ausgehen soll.“ Dabei sei die Bedienung bereits installierter Systeme nicht besonders schwierig: „Letztendlich ist es nichts anderes, als den Lichtschalter zu drücken oder den elektrischen Rollladen zu betätigen. Nur dass das Bedienelement für alle Geräte direkt vor einem liegt“, betont Buttler. Von der Technik profitieren kann jeder, selbst wer kein Tablet oder Smartphone besitzt. Für jedes Smart-Home-System liefern Hersteller auch eigene Bedienelemente, über die wie bei einer Universalfernbedienung mehrere Geräte in dem und um das Haus herum gesteuert werden können. Buttler ist überzeugt, dass auch Senioren mit dieser Art von Technik etwas anfangen können: „Es ist nicht mehr so, dass Ältere solche Systeme nicht nutzen.“

Diverse Kursangebote in Volkshochschulen und anderen Einrichtungen zeigten, dass das Interesse an Technik und Medien auch bei der älteren Generation da sei. „Ältere Leute wollen den Anschluss nicht verpassen“, ist Buttler überzeugt. Zudem hätten sie mehr Zeit und Geduld, um sich einzulesen und alles zu verstehen.

Selbst wer technischen Systemen kritisch gegenübersteht, kann sich das eigene Zuhause ein bisschen smarter einrichten. „Viele Möbel haben schlaue Funktionen“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Betten sind mit elektrischen Aufstehhilfen ausgestattet, Fernsehsessel verfügen über verstellbare Lehne und Sitzhöhe und können mit einer kleinen Bewegung sogar das Aufstehen erleichtern. Immer mehr Kleiderschränke sorgen zudem mittlerweile selbst für Licht, wenn man die Tür öffnet. Das erleichtert die Suche nach bestimmten Kleidungsstücken und hilft allen, deren Sehfähigkeit langsam nachlässt. Auch technische Gehilfen im Haushalt gehören zum Smart Home. Zum Beispiel kleine Roboter, die sich selbstständig darum kümmern, den Rasen zu mähen oder den Fußboden zu säubern. Manche können mittlerweile zusätzlich zur Staubsaugerfunktion auch noch den Boden wischen. „Viele solcher Kleinigkeiten helfen dabei, dass man viel länger zu Hause wohnen und selbstständig bleiben kann“, sagt Wohnexpertin Geismann.

Der klassische Hausnotruf ist ein bewährtes System Besonders im Bereich Notrufsysteme bietet Smart-Home-Technik intelligente Lösungen. Fußmatten etwa, die mit Sensoren ausgestattet sind und unauffällig unter Teppiche gelegt werden können, lösen einen Notruf aus, falls jemand hingefallen ist und womöglich nicht mehr aufsteht. Vor Terrassentür oder Fenster drapiert, fungieren sie zusätzlich als Alarmanlage, sobald jemand in die Wohnung einbricht. „Ein nachträglicher Einbau solcher Sensoren ist aufwendig“, räumt Geismann ein. Wer jedoch ein altersgerechtes Zuhause haben wolle, sollte eine solche Investition durchaus in Betracht ziehen. Ein immer noch bewährtes System ist der klassische Hausnotruf, ein roter Alarmknopf, der am Handgelenk, als Brosche oder um den Hals getragen werden kann. Über eine Basisstation mit Freisprechanlage ist er am Telefonnetz angeschlossen und alarmiert per Knopfdruck die spezialisierte Notrufzentrale. Doch nicht jeder möchte einen roten Knopf um den Hals tragen, viele Betroffene empfinden ihn als stigmatisierend. Hinzu kommt, dass der Notfallknopf in wirklich sturzgefährlichen Situationen, etwa unter der Dusche, häufig gar nicht getragen wird.

In jüngster Zeit wurde an zahlreichen Alternativen zum klassischen Hausnotruf geforscht. Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) etwa hat das System safe@home entwickelt, bei dem 3-D-Sensoren eingesetzt werden, die erkennen, wenn jemand fällt und nicht wieder aufsteht. Dann senden sie ein Alarmsignal an einen Basiscomputer, der wiederum über das Telefon verschiedene Rufnummern wählt, bis jemand abnimmt. Zu den unauffälligen Notruflösungen zählen  auch Apps wie b-cared: Hier löst der im Smartphone eingebaute Fallsensor einen Alarm aus. Auf dem Display erscheint ein „Ich bin okay“-Button, der innerhalb einer Minute gedrückt werden muss. Geschieht das nicht, werden nacheinander die zuvor eingespeicherten Kontaktpersonen benachrichtigt. Das funktioniert auch, wenn das Handy ausgeschaltet ist oder kaum Internet- oder Funkverbindung besteht.


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der über 65-jährigen leben im eigenen Haushalt.

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der Deutschen können sich laut einer Umfrage vorstellen, sich einen Roboter als Haushaltshilfe anzuschaffen. Vor allem die Unterstützung beim Staubsaugen und Wischen stieß bei den Begragten auf großes Interesse.

Technische Helfer im Haushalt

Sensoren wie das Gerät von Bosch Smart Home erkennen, wann das Fenster offen steht, und benachrichten das Smartphone.

Foto:dpa

WCs mit Duschfunktion für den Intimbereich wie das Modell Sensia Arena von Grohe können im Alter bei der Körperwäsche helfen.

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Zum Smart Home gehören viele Gegenstände der Einrichtung – auch ein mit Fernbedienung steuerbares Dusch-Wc wie zum Beispiel Sensia Arena von Grohe.

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Leuchten direkt im Schrank helfen bei der Auswahl der Bekleidung. Hier ein Beispiel von raumplus.

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Bewegungsmelder schalten das Raumlicht ein, wann immer jemand das Bad betritt – und sorgen so für mehr Sicherheit im Dunkeln. Manche Produkte vereinen die Funktionen eines Bewegungsmelders, einer Orientierungsleuchte und eines berührungslosen Schalters in einem Gerät, hier Sensotec von Gira.

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Automatische Staubsauger-Roboter können Senioren Hausarbeit abnehmen. Ihre Programme sorgen dafür, dass sie regelmäßig den ganzen Raum abfahren.

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Von außen sieht es aus wie eine normale Schüssel: Das ViClean-I 100 von Villeroy&Boch ist ein Dusch-WC, das individuell per Fernbedienung einstellbar ist.

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Gauner profitieren vom Irrglauben: „Mir kann ja nichts passieren“

Sicherheit steht bei älteren Menschen hoch im Kurs, doch sie unterschätzen häufig Gefahren. Berater der Polizei und vom Präventionsrat zeigen, wie man sich schützen kann. (Foto: Gossmann)

Dass die Anruferin aus Polen stammt, konnte man nicht hören. Sie sprach mehrere deutschsprachige Dialekte einwandfrei, konnte sich bayerisch perfekt ausdrücken oder schwäbelte. In Bockenem sprach sie Hochdeutsch, wenn sie zum Telefonhörer griff, um vor allem ältere Frauen anzurufen. Frauen mit Vornamen wie Hedwig oder Martha. Sie gab sich als lange verschollene Enkeltochter aus, die plötzlich in finanzielle Not geraten war. Als es der Polizei gelang, die Frau festzunehmen, hatte sie sich gerade in einem Hotel in Bockenem eingebucht. Das Geld hatte sie. Allein an einem Tag hat die Betrügerin mit drei Anrufen 13 800 Euro erbeutet, erzählt Clemens Rumpf, Beauftragter für Kriminalprävention bei der Polizei Hildesheim. „Wir wissen nicht, wie viele Anrufe sie noch getätigt hat, wir kennen nur die drei Anzeigen.“

Es müssen weit mehr gewesen sein, ist Rumpf sicher. „Viele Ältere trauen sich nicht, sich bei der Polizei zu melden, weil sie dann denken, dass ihre Kinder sie ins Heim stecken.“ Dass die Familie sagt: Oma oder Opa kriegen das nicht mehr alleine geregelt.

Der Enkeltrick ist unter Betrügerbanden immer noch die am häufigsten verbreitete Masche. Weil sie Erfolg verspricht. Ältere Menschen haben häufig ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich lange Zeit nicht mehr um ihre Verwandten gekümmert haben. Und sie verhalten sich am Telefon ungeschickt und rücken schnell Namen und persönliche Daten heraus. Sobald der Anrufer das Vertrauen seines Opfers erlangt hat, erfüllt dieses ihm fast jeden Wunsch. Zum Beispiel eine hohe Summe von der Bank abzuheben und einem Mittelsmann des vermeintlichen Enkels zu übergeben.

Der zweite Klassiker ist der vermeintliche Polizist. Der kündigt sein Erscheinen an, behauptet, dass in der Nähe ein Einbrecher unterwegs sei, und will die Wohnung seines Opfers untersuchen, um es zu schützen. Ein zweiter „Beamter“ lenkt das Opfer ab, während der andere abräumt, schildert Rumpf die Vorgehensweise. „Wenn man die Leute fragt, sagen sie immer, dass ihnen so etwas nicht passieren kann. Hinterher sind sie immer klüger.“

Trickbetrüger wissen wie auch Einbrecherbanden meist ziemlich genau, wo sie zuschlagen wollen. „Sie baldowern die Umgebung ihrer Opfer genau aus“, sagt Rumpf. Doch vor Einbrechern kann man sich schützen. Das ist die gute Nachricht. Wenn man Clemens Rumpf in seinem kleinen Dienstzimmer im Polizeigebäude an der Schützenwiese aufsucht, sieht man sofort, was er meint. An den Wänden hängen abschließbare Fenster, stehen Türen und andere Einstiegsflächen für Einbrecher. Wie leicht es ist, ein Kunststofffenster aufzuhebeln, demonstriert Rumpf sofort. Ein Schraubenzieher, kurz hinter die Fensterdichtung hebeln und zack!, die Metallführung springt aus dem Rahmen, das Fenster ist sperrangelweit offen. „In vielen Gärten liegt das passende Werkzeug herum“, sagt er. Ein Spaten bringt bis zu 1,2 Tonnen Hebelkraft. Dagegen hat eine Terrassentür keine Chance.

Seit 19 Jahren ist Clemens Rumpf in der Präventionsarbeit tätig. Und er weiß, dass es eine Kärrnerarbeit für die Polizei bleiben wird, die Menschen aufzuklären, damit sie möglichst sicher vor Straftaten bleiben. „Für professionelle Einbrecher ist es wie ein Gang durch den Supermarkt, wenn sie in einem Wohngebiet unterwegs sind“, erzählt Rumpf. Sie kennen keine Aufregung oder Stress, sondern finden häufig mühelos die besten Verstecke, in denen Bargeld, Sparbücher oder Schmuck lagern.

„Entschieden wird auf der Straße, stehen sie auf dem Grundstück, ist der Entschluss zum Einbruch längst gefallen“, sagt Rumpf. Auch vor moderner Sicherheitstechnik machen sie häufig keinen Halt. „Viele Systeme sind eben noch nicht sicher, und Ältere sind häufig auch nicht so technikaffin.“ Ob Trickbetrug oder Einbruchsschutz: Für Rumpf gelten immer zwei Grundprinzipien. Man soll auf sein Bauchgefühl achten und ein gesundes Misstrauen bewahren. Und man muss darauf achten, dass das Zuhause immer bewohnt wirkt. „Ein Dekolicht auf der Fensterbank mit Zeitschaltuhr reicht nicht“, sagt er. Am besten sei es, wenn im Wohnbereich nicht einsehbare Bereiche beleuchtet sind, möglichst mit wechselnden Schaltzeiten. Um man solle den Kontakt zu den Nachbarn pflegen. „Soziale Kontrolle ist in so einem Fall immer gut.“

Was Clemens Rumpf im Auftrag der Polizei dienstlich bietet, hat sich der ehemalige Kriminalbeamte Erhard Paasch als Ehrenamt vorgenommen. Vor knapp 20 Jahren hat er eine Sicherheits-AG im Hildesheimer Präventionsrat ins Leben gerufen. Zu den Beratungsterminen kommen regelmäßig bis zu 20 Menschen. Zu bestimmten Zeiten weit mehr. Die Sprechstunde ist wie ein Barometer des Zeitgeistes, sagt Paasch. Nach jedem Attentat oder nach jeder Einbruchsserie füllt sich der Raum im Rathaus immer wieder bis auf den letzten Platz.

Paasch kümmert sich vor allem um die Älteren. „Viele glauben nicht mehr daran, dass die Polizei rechtzeitig kommt oder dass etwas dabei herauskommt, wenn man eine Anzeige aufgibt.“ Oder sie schämen sich einfach, sagt er und erzählt einen Fall aus seiner Amtszeit. Ein Rentnerpaar ist in der Wohnung am Neustädter Markt ausgeraubt worden. „Sie wollten nicht, dass ein Polizeiauto vor ihrer Tür steht und dass der Fall in die Zeitung kommt“, erzählt er. Paasch hat bei den Beiden angerufen und ihnen empfohlen, mit dem Taxi zur Polizei zu kommen. Paasch war jahrelang für die Fachhochschule als Dozent für Kriminologie im Dienst und hat selber mehrere Sicherheitsstudien unternommen. „Es gibt ein großes Dunkelfeld von nicht angezeigten Fällen“, sagt er. Nur jeder zehnte werde überhaupt der Polizei gemeldet. Daher gebe es auch eine große Diskrepanz zwischen der Polizeistatistik und dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Menschen.

Und genau das ist der Punkt, an dem Paasch mit seinem Präventionskonzept ansetzen möchte. „Ältere Menschen haben mehr Angst, das liegt auch daran, dass ihre körperlichen Fähigkeiten nachlassen“, ist er sicher. Viele würden glauben, es reicht, wenn man sich technisch schützt. „Man kann aber vieles erreichen, wenn man sich im Alltag richtig verhält“, sagt er. Ebenso wie Clemens Rumpf empfiehlt er, auch die eigene Umgebung im Blick zu behalten und der Polizei Ungewöhnliches zu melden. Bloß nicht selbst aktiv werden, dann hauen die potenziellen Täter ab und die Polizei kann die Personalien nicht mehr feststellen. Besser: beobachten, was sie tun, unauffällig folgen und eventuell ein Nummernschild notieren. Und immer: sofort die 110 wählen.

„Angst ist ein schlechter Ratgeber“, sagt Paasch. Information und Aufklärung sind der beste Schutz dagegen. Polizei und Präventionsrat bieten beides.

Schöne neue Welt?

 

 

Schöne  neue Welt?

Das Smart Home bietet viel Komfort, aber auch eine große Angriffsfläche für Hacker. Experten warnen davor, zu  unvorsichtig mit Daten und Passwörtern umzugehen.

Von Marco Tripmaker

Mal eben auf dem Rückflug von einer anstrengenden Dienstreise aus 10 000 Metern Höhe mit dem Smartphone den heimischen Pool vorheizen, die Rollläden schon hochfahren und die Musik auswählen, die man später beim Relaxen hören möchte. In Sachen Komfort lässt das intelligente Haus kaum Wünsche offen. Doch die viele Technik birgt auch viele Sicherheitsrisiken. Smart-Home-Systeme sind anfällig für Hackerangriffe.

 

Jörn Weber zeigt sich skeptisch hinsichtlich der ach so schönen neuen Welt daheim: „Smart Home bietet viele sinnvolle Dinge, aber auch viele sinnbefreite. Installiert sind solche Tools schnell, aber es macht sich kaum jemand Gedanken darüber, dass sie mit dem Internet verbunden und damit leicht angreifbar sind“, sagt der ehemalige Kriminalpolizist und Geschäftsführer der Corma GmbH. Die Firma im nordrhein-westfälischen Brüggen hat sich auf Ermittlungsarbeit im Bereich Wirtschafts- und Internetkriminalität spezialisiert und berät Unternehmen in Sachen Corporate Security. Wer sein Zuhause nach Smart-Home-Maßstäben vernetzt habe, sollte sensible berufliche Daten nicht auf dem heimischen Rechner speichern, rät Weber. Auch bei der Nutzung eines Smartphones sowohl zu dienstlichen als auch privaten Zwecken sei Vorsicht geboten: „Wenn in diesem Fall das Passwort des WLAN-Routers standardisiert oder zu schwach ist, können Hacker leicht Schnüffel- oder Sabotageprogramme einschleusen und haben damit Zugriff auf das Eigenheim sowie auf Unternehmensdaten.“ Man müsse sich bewusst machen, dass Hacker heute imstande seien, ganze Unternehmen oder Flughäfen lahmzulegen, und sogar auf Wahlen Einfluss nehmen könnten.

Der verdeckte Ermittler Marius K., der für einige Strafverfolgungsbehörden in Deutschland tätig ist, ist vertraut mit den Strukturen der organisierten Kriminalität und der damit häufig verbundenen Hackerszene: „Wir reden in diesem Bereich über hochintelligente, konspirativ arbeitende Gruppen, die sich speziell zusammenfinden, um Straftaten zu begehen“, sagt K. Für diese extrem gut ausgebildeten IT-Fachleute sei es äußerst interessant, in Privathaushalte einzudringen und eventuell Bank- oder Telefonaccounts zu knacken oder hinterlegte Kreditkartendaten zu ergaunern. „Sie machen das in großem Stil und erwirtschaften damit Millionen. Darüber hinaus schaffen sie automatisierte Botnetze, also Schadprogramme, die auf vernetzten Rechnern laufen, und schicken Spam-Nachrichten auf angeschlossene Fernseher oder auch WLAN-Kühlschränke“, weiß der Ermittler. Das Problem sei, dass sowohl bei der Polizei als auch der Justiz der Bereich „Smart Home“ noch als wenig relevant eingestuft werde, zumal es diesbezüglich auch an klaren gesetzlichen Regelungen fehle. So seien Fragen der Haftbarkeit von Herstellern, falls das Smart Home verrücktspiele oder gar geknackt worden sei, überhaupt noch nicht geklärt, gibt K. zu bedenken.

Ex-Polizist und IT-Fachmann Jörn Weber rät Smart-Home-Interessenten, auf jeden Fall erst einmal zu überlegen, welche Anschaffung überhaupt sinnvoll sei: „Ich weiß nicht, ob es einen Nutzen bringt, seinen elektrischen Kaminofen aus dem Auto vorzuheizen. Die Heizung im Voraus anzustellen oder per Webcam das Haus zu kontrollieren kann hingegen ganz nützlich sein“, sagt Weber. In jedem Fall müsse man die Standardpasswörter der ans Home-Netz angeschlossenen Geräte neu vergeben, da der Hersteller oft nur leicht zu knackende Codenamen wie „admin-admin“ oder „1234“ verwende. Auch sollte für jedes Tool ein unterschiedliches Passwort vergeben werden, betont Weber. Der Experte empfiehlt eine sogenannte Zwei-Faktor-Identifizierung für jedes Gerät. Dabei wird nach der Eingabe von Benutzername und Passwort beispielsweise noch ein Code auf das Mobiltelefon versandt. Bei Kameras im Haus hingegen mahnt der Experte zur Vorsicht. Sie seien grundsätzlich leicht zu knacken und damit haben Hacker dann Einblick in ihre Privatsphäre. „Auf jeden Fall sollte man grundsätzlich die Kameralinse auf dem PC abkleben. Alles andere wäre leichtsinnig“, sagt Weber.

Der verdeckte Ermittler Marius K. ist sich sicher, dass man das Smart Home nie komplett gegen Hacker schützen kann: „Diese Leute sind den Herstellern und Kunden mit ihrer Expertise immer um eine Nasenlänge voraus. Es handelt sich um international agierende Banden, die die Besten der Besten aus der Szene für sich arbeiten lassen. Dennoch ist man als Privatmann gut beraten, sich gut in das Thema einzuarbeiten und sich so gut es geht zu schützen.“ Generell gelte, dass die Apple-IT deutlich weniger anfällig für Eindringlinge von außen sei als beispielsweise Microsoft. Bis zum Jahr 2020 würden weltweit rund 200 Milliarden elektronische Geräte miteinander verbunden sein, vom Navigationsgerät bis zur WLAN-Zahnbürste, ist K. sicher. Darauf seien die Strafverfolgungsbehörden noch längst nicht eingestellt.

Wer also verhindern will, dass Späher in die Privatsphäre eindringen und sich auf diese Weise wichtige Daten zunutze machen können, der muss sich zunächst vor allem selbst um die Sicherheit kümmern: Intelligente Passwörter sowie regelmäßige Sicherheitsupdates sind unabdingbar. Und darüber hinaus vor allem die Überlegung vor der Anschaffung eines neues Tools: Brauche ich das wirklich? Muss ich nach einer Geschäftsreise wirklich schon aus dem Flugzeug die Rollläden in meinem Haus hochlassen?


Das Smart Home bietet viele sinnvolle Dinge, aber auch viele sinnbefreite.

Jörn Weber

Sicherheitsexperte

Smart Homes soll es laut Prognosen von Statistikern bis 2020 geben.

Das schlaue Haus und seine vielen Gesichter – von Sicherheit bis Sparpotenzial

In Hildesheim und der Region wird die Idee vom vernetzten Zuhause auf verschiedene Arten genutzt. Dabei geht es keineswegs immer nur um Komfort. (Foto: Gossmann)

von Celia Borm

Es ist mitten in der Nacht, als das Smartphone von Michael Klein Alarm schlägt. Nicht etwa ein fehlgeleiteter Weckruf – es ist sein Haus, das sich da bei ihm meldet. Genauer gesagt, die Sicherheitshard- und software, die er dort installiert hat. Und die kennt keine Nachtruhe, geschweige denn Urlaub. Gerade das ist ihre Stärke. Und so nimmt er ihr nicht übel, dass sie ihn um halb zwei nachts in seinem Urlaub in Griechenland aus dem Schlaf reißt.

Klein ist Junior-Chef von Bauelemente Klein aus Holle. Er nutzt gern auch mal selber, was er verkauft. „Ich habe mein ganzes Haus ausgestattet und wollte testen, ob es funktioniert“, erzählt er. Dafür hat er einen Kontaktmelder am Fenster nur lose angebracht. „Da wusste ich, dass er irgendwann abfällt.“ Das tat er und löste prompt – Tausende Kilometer entfernt – den Alarm aus.

Das Eigenheim durch Einsatz von Technik zu schützen, liegt im Trend. So bewertet es der Fachmann. In den vergangenen zwei Jahren etwa sei die Nachfrage deutlich gestiegen. „Das wird immer mehr, weil das Sicherheitsbedürfnis immer größer wird“, sagt er. Seiner Ansicht nach liegt dies auch daran, dass mittlerweile die meisten Menschen ein Smartphone haben und damit die Bedienung schon in der Hosentasche. Ein paar Fensterkontakte, eine Kamera, die aufzeichnet, wenn der Alarm auslöst – diese Dinge gibt es mittlerweile sogar im Supermarkt zum Selbereinbauen.

Es sind aber nicht nur Privatleute, die ihr Zuhause aufrüsten. Baufirmen investieren bei Neubauten schon seit einigen Jahren in smarte Ausstattung. Am Moritzberg gibt es zum Beispiel gleich mehrere Projekte in dem Bereich. Beispielsweise das Gebäude der Gemeinnützigen Baugesellschaft (gbg) in der Maschstraße.

In den sieben Wohnungen können die Mieter über ein Display Licht, Jalousien und die Heizung steuern. Dabei geht es nicht nur um Komfort. Für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, kann es schon ein Problem sein, sich beispielsweise zu einem Thermostat zu bücken oder eine Jalousie zu bedienen. Nicht verbaut sind allerdings Bodensensoren, die erkennen können, ob jemand hilflos am Boden liegt – eine aufwendige und teure Angelegenheit. „Derzeit nutzen nur zwei der Mieter überhaupt die Smart-Home-Technologie“, sagt Frank Satow von der gbg. Dennoch ist es für die 60 neuen Wohnungen, die an der Straße Pippelsburg entstehen sollen, im Gespräch, auch diese entsprechend auszustatten. Nicht, um sie als Smart Homes zu vermarkten, wohl aber die Möglichkeit zu bieten, die Objekte ohne großen Aufwand nachzurüsten.

Darüber hinaus hat die Hanseatic Group auf dem Phoenix-Gelände in ein Projekt der Universität investiert. Dort ist 2015 das sogenannte Punkthaus entstanden. Der Forschungsansatz konzentrierte sich auf die Einsparung von Energie mittels einer intelligenten Maschine. Diese wertete den Energiebedarf aus und steuerte so besonders effektiv die eingesetzten regenerativen Stromquellen. Die Idee: Ein Wohngebiet schaffen, das sich weitgehend selbstständig aus erneuerbaren Energien mit Strom und Wärme versorgen soll. Das Bundesumweltministerium hat das Projekt mit 800 000 Euro gefördert. Denn die Technik kann auch dabei helfen, den Energieverbrauch in Wohnungen und Häusern zu senken. Sie lernt sozusagen vom Nutzer und passt die Leistung entsprechend an. Im Forschungsgebiet der Uni wurde so auch ein Blockheizkraftwerk gezielt gesteuert. Die Forschungsergebnisse wurden in einer Doktorarbeit festgehalten.

Aus Kostengründen sind die Daten nur über einen begrenzten Zeitraum dokumentiert und ausgewertet worden. Mit mathematischen Modellen rechneten die Forscher aus, wie viel durch die Technologie theoretisch eingespart werden könnte. Laut Projektleiter Professor Helmut Lessing hätten so zum Beispiel bis zu 40 Prozent Energie und 60 Prozent CO2 eingespart werden können.

Hierfür wird nicht nur das Nutzungsverhalten der Bewohner ausgewertet, sondern zum Beispiel auch der Wetterbericht „Wenn morgen die Sonne scheint, dann braucht das Blockheizkraftwerk gar nicht erst hochgefahren werden“, erklärt Lessing. Er hofft auf Nachahmer. „Das könnte auch ein Muster für das neue Baugebiet Ostend sein“, sagt er. Es habe diverse Gespräche mit der Stadt gegeben. Wie sich das konkretisieren und umsetzen lasse, sei dies aber eine andere Frage.

 

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Prozent der Deutschen vertrauen einem Smart- Home-System als Einbruchsicherung uneingeschränkt.

Prozent der Deutschen vertrauen einem Smart- Home-System als Einbruchsicherung uneingeschränkt.

Sicher digital plaudern

 

 

Nachrichten schreiben wir im Durchschnitt täglich.

 

Minuten wird im Schnitt am Tag telefoniert.

 

Vorsicht vor unbekannten Links

Wer Nachrichten von Kontakten über den Facebook-Messenger zugeschickt bekommt, sollte sie auf keinen Fall öffnen, warnt die Polizei. Hinter den Nachrichten steckt nämlich ein Versuch, an die Zugangsdaten von Facebook-Nutzern zu kommen. Die Wege dahin sind vielfältig.

Der Rat der Polizisten: keine Zugangsdaten eingeben und keinesfalls unbekannte Programme installieren. Stattdessen sollten lieber die Absender der Nachrichten informiert werden –  am besten auf anderem Weg als über den Facebook-Messenger.

Der alleinige Empfang solcher Nachrichten ist nicht gefährlich, versichern Experten der Polizei. Haben Nutzer allerdings schon Zugangsdaten nach Erhalt solcher Nachrichten eingegeben oder Software heruntergeladen, sollten sie sehr schnell reagieren. Soweit möglich, sollten sie das Smartphone oder den Computer mit aktueller Antivirensoftware prüfen. Außerdem muss das Facebook-Passwort geändert werden – damit die Nutzer nicht selbst unwissend zum Absender solcher Nachrichten werden.

Sicher digital plaudern

Ein Smartphone ohne Messenger? Findet man nur noch selten. Das breite Angebot an entsprechenden Apps macht es möglich. Nutzer sollten Messenger-Anwendungen aber erst einmal gründlich unter die Lupe nehmen, bevor sie ihnen vertrauen und sie nutzen.

Von Sarah Thust

Die SMS ist tot, Messenger sind angesagt. Viele Smartphonenutzer verzichten inzwischen fast ganz auf klassische Kurznachrichten und bleiben mit Freundeskreis und Familie mit Hoccer, Signal, Threema, Viber, Whatsapp, Wire und Co. in Kontakt. Doch unbedacht einfach installieren und loschatten ist keine gute Idee. Messenger unterscheiden sich insbesondere bei der Sicherheit.

„In ihrer Funktion sind sich die Messenger alle recht ähnlich“, sagt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW). „In der Regel lassen sich Text- und Sprachnachrichten, Bilder oder auch weitere Dateiformate versenden.“ Beschränkungen könne es etwa bei der maximal möglichen Dateigröße geben. Microsofts Skype etwa kann Dateien mit einer Größe von bis zu 300 Megabyte (MB) versenden, bei Facebooks Whatsapp sind es jeweils nur rund 100 MB und bei Threema 50 MB. Teils werden Fotos oder Videos komprimiert, das heißt: in der Datenmenge heruntergerechnet.

Unterschiedlich ist auch die Übertragungsqualität bei der Telefonie und den Videochats. Beides ist neben dem klassischen Textchat inklusive Gruppenchats längst auch bei fast allen Text-Messengern Standard. Umgekehrt kann man mit Apps wie Skype, Yahoo Messenger, Google Hangouts, ICQ, WeChat oder Facetime, die eher aus der Videochat-Ecke kommen, auch nur per Text chatten. In jedem Fall gleichen sich beide Messenger-Stämme immer mehr an.

Aber sind Fotos, private und sensible Informationen sowie Daten oder gar Geheimnisse im Messenger gut aufgehoben? Was über Messenger-Dienste verschickt wird, ist nicht immer vor neugierigen Blicken Dritter geschützt. Datenschutzverstöße könnten dann nicht ausgeschlossen werden, erklärt ein Sprecher der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Nutzer sollten gründlich überlegen, welche Informationen sie über Messenger-Dienste mitteilen.

Das gilt zumindest dann, wenn der Dienst keine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Mit dieser ist zumindest die Kommunikation gut gesichert. „Da befindet sich der Schlüssel ausschließlich bei Sender und Empfänger“, erklärt Lena Rohrbach von Amnesty International Deutschland. Ein Anbieter von solch einem System ist zum Beispiel heinekingmedia der Madsack Medien Gruppe. Der heineking Messenger Stashcat zeichnet sich durch eine besonders sichere Datenübertragung aus. Inzwischen nutzt ihn sogar die Polizei in Niedersachsen.

Andere Verschlüsselungsmethoden sind dagegen nicht unbedingt sicher. Oftmals verfüge der Anbieter über eine Art Generalschlüssel, mit dem er oder Dritte die Kommunikation der Nutzer entschlüsseln könnten, sagt Rohrbach.

Viele Anbieter interessieren sich aber ohnehin viel mehr für Verbindungsdaten und Kontakte. Whatsapp behält sich etwa in den Nutzungsbedingungen vor, die auf dem Smartphone gespeicherten Kontakte abzugleichen, erklärt Juristin Steffen von der VZ NRW. „Damit könnte der Anbieter Nutzungsprofile erstellen, die Auskunft darüber geben, wer mit wem wie oft kommuniziert.“ Solche Daten werden dann etwa zu Werbezwecken genutzt.

Bei Apps wie Facebook Messenger oder Google Allo muss die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erst aktiviert werden – teils sogar für jeden einzelnen Chat. Skype, Google Hangouts oder auch Snapchat bieten diese sichere Verschlüsselung gar nicht erst, wie eine Untersuchung der VZ NRW im September 2016 ergeben hat. Verbraucher sollten sich vor der Installation einer Messenger-App darüber informieren, ob und wie die Daten verschlüsselt werden, ob, wie und wozu die Anwendung auf Kontakte zugreift oder das Nutzerverhalten analysiert.

Übrigens: Reguläre Messenger sind kein Kinderspielzeug. Darum dürfen die meisten dieser Dienste laut Angaben in den Geschäftsbedingungen auch erst ab 13 Jahren genutzt werden. Tatsächlich geprüft wird das Alter allerdings nicht. Für die Jüngsten gibt es aber inzwischen beaufsichtigte Chat-Apps wie etwa den Monster Messenger. Dort übernehmen Moderatoren oder die Eltern die Aufsicht.


Was wurde aus den alten Messengern?

Myspace, gegründet im Jahr 2003, wurde im Juli 2005 für 580 Millionen Dollar vom Medienkonzern „News Corporation“ gekauft. Am 9. August 2006 wurde die Marke der 100 Millionen Mitglieder gebrochen, womit Myspace zu dieser Zeit größer war als Google. Der Trend ging aber seit 2010 stark bergab. War Myspace im März 2010 noch auf Platz 16 der meistbesuchten Seiten im Internet, reichte es im September 2017 gerade einmal für Rang 3202. Der größte Grund dafür ist wohl Facebook, die den Markt für soziale Medien übernommen haben.

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Was wurde aus den alten Messengern?

Der webbasierte Online-Dienst Knuddels, welcher überwiegend zum Chatten genutzt wurde, wurde im Jahr 1999 gegründet. Im Jahr 2006 kam man bei Knuddels, das sein Gebiet auf deutschsprachigen Raum beschränkte, auf respektable 6 Millionen Nutzer. Im Jahr 2016 nutzten nur noch etwa 300.000 Personen monatlich die Seite.

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Was wurde aus den alten Messengern?

werkenntwen.de war ein soziales Netzwerk und erschien am 3. Oktober 2006. Seit 2009 gehört werkenntwen.de zur Mediengruppe RTL Deutschland. Im März 2013 hatte die Seite knapp 2,1 Millionen aktive Nutzer. Am 2. Juni 2014 wurde die Seite endgültig abgeschaltet, da sie durch Facebook an massivem Nutzer- und Reichweitenschwund litt.

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Was wurde aus den alten Messengern?

Auch „lokalisten.de“ war ein deutsches, soziales Netzwerk. Gegründet wurde es im Mai 2005. Die höchste Nutzung erreichte lokalisten.de im Oktober 2009 als 43,2 Millionen Besuche auf der Seite zu verzeichnen waren. Im April 2014 lagen die monatlichen Besuche dann nur noch bei 1,7 Millionen. Zuletzt nutzten noch circa 600.000 Personen das Netzwerk, welches am 30. September 2016 abgeschaltet wurde.

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Was wurde aus den alten Messengern?

Der Instant-Messaging-Dienst „ICQ“ (was für „ I seek you“, zu Deutsch „Ich suche dich“ steht), erschien am 15. November 1996. Seit 1998 gehörte ICQ zum US-amerikanischen Unternehmen AOL.  ICQ verpasste allerdings den Einstieg in die Ära der Smartphones und büßte stark an Relevanz ein. Im April 2010 wurde ICQ für 187,5 Millionen Dollar nach Russland verkauft.

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Was wurde aus den alten Messengern?

Am 11. November 2005 wurde das webbasierte soziale Netzwerk „studiVZ“ für Studenten gegründet. Im Februar 2007 kam der auf Schüler ausgelegte Ableger „schülerVZ“, ein Jahr später erschein „meinVZ“ ohne spezielle Zielgruppe. Im  Juli 2010 verzeichneten die Netzwerke noch ganze 8 Millionen Mitglieder, im Jahr 2015 war die Zahl der aktiven Nutzer allerdings bereits auf eine Million gesunken. Im April 2013 wurde zudem „schülerVZ“ geschlossen. Am 7. September 2017 wurde von Poolworks, der Firma hinter den „VZ-Netzwerken“, Insolvenz angemeldet.

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Unsere Freunde, unsere Daten – Vorsicht in den sozialen Medien

Facebook und WhatsApp machen Spaß – leider bergen sie auch Gefahren für die Sicherheit der Nutzer. Mit ein paar Tricks und dem richtigen Profilbild lassen die sich jedoch umgehen. (Foto: Gossmann)

von Kathi Flau

Der beliebteste Messenger von allen ist Whatsapp: unkompliziert und kostenlos lassen sich nicht nur Textnachrichten, sondern auch Bilder, Links, Emojis und Anhänge aller Art versenden.

2009 gegründet, ist der Nachrichtendienst seitdem gewachsen und gewachsen. Mittlerweile gehört er Facebook. Und das ist durchaus ein Problem. Denn nichts ist leichter als der Datentausch zwischen den beiden Anbietern, die eben nur auf den ersten Blick zwei verschiedene Anbieter sind, eigentlich aber mit denselben Absichten und Voraussetzungen handeln.

„Als Nutzer muss ich davon ausgehen, dass alle Daten, die ich Whatsapp zur Verfügung stelle, auch bei Facebook landen, angefangen natürlich mit meiner Telefonnummer“, sagt Kriminaloberkommissar Hans-Joachim Henschel, beim Landeskriminalamt Hannover seit 2012 für Cybercrime-Prävention zuständig. „Und man sollte wirklich immer daran denken, dass es kein deutsches oder europäisches Unternehmen ist, dem man diese Daten zur Verfügung stellt. Sondern ein US-amerikanisches. Und hier haben es die User mit ganz anderen Bestimmungen und Nutzerrechten zu tun.“

Was den Schutz von Daten betrifft, vertraut man nicht auf die Anbieter, sondern handelt am besten selbst, rät Henschel. „Facebook und Whatsapp, das sind Medien, die in erster Linie Spaß machen sollen.

Und dem einen macht es eben Spaß, sich mit Freunden auszutauschen, der andere kann nichts essen, was er nicht vorher als Foto gepostet hat. Die Leute sind da komplett unterschiedlich, was ihr Mitteilungsbedürfnis betrifft. Und das ist auch völlig okay.“

Man dürfe nur nie aus dem Kopf verlieren, dass man mit solchen Nachrichten, insbesondere in einer großen Gemeinschaft wie Facebook, auch mögliche Täter auf dem Laufenden hält. „Wenn da jemand sehr aufmerksam mitliest, dann weiß der plötzlich ganz viel über mich. Wo ich arbeite, mit wem ich befreundet bin, auf welches Konzert ich heute Abend gehe, wann ich joggen gehe und wohin und wann und mit wem ich in den Urlaub fahre.“

Für Einbrecher beispielsweise sei das eine geradezu herzliche Einladung, meint der 42-Jährige. Auch Stalking sei möglich. Oder der Missbrauch von Bildern.

Henschel sagt, besonders gut erinnere er sich noch an einen Fall aus Nordrhein-Westfalen. Da habe ein Mann Facebook-Profilbilder von Frauen heruntergeladen und sie in Hardcore-Pornos auf die Körper der Darstellerinnen montiert. „Der hat sogar dazu geschrieben, dass es sich um ein Fake handelt. Aber der Effekt für die Frauen bleibt derselbe: Die finden sich plötzlich in irgendwelchen Foren wieder oder werden von Männern kontaktiert, die sie auf diesen Porno-Bildern gesehen haben.“

Eine Situation, begünstigt durch Sorglosigkeit, meint der Kommissar. „Hinterher gibt es dann einen großen Aufschrei, und das ist aus Sicht der Nutzer auch verständlich. Aber tatsächlich ist es so, dass ich auch im Vorfeld etwas tun kann, um mich zumindest in einem bestimmten Maß gegen solche Übergriffe zu schützen.“

Konkret rät er, keine Profilbilder zu verwenden, auf denen man klar erkennbar ist. „Besser, man hat vielleicht eine Sonnenbrille auf oder ist von Weitem zu sehen. Ein Profilfoto ist schließlich kein Passbild für einen Ausweis oder eine Bewerbung. Je besser die Qualität und Erkennbarkeit, umso höher die Gefahr, dass das Bild für falsche Zwecke verwendet werden könnte. Die wirklichen Freunde erkennen einen ja trotzdem.“

Außerdem empfiehlt der Experte „Datensparsamkeit“. Und meint damit: vielleicht nicht zu spontan und unüberlegt posten, sondern zuvor überlegen, was mit einem Bild oder einer Information passieren könnte. „Manches scheint ganz harmlos auf den ersten Blick, aber wenn es in die falschen Hände gerät, ist es das möglicherweise doch nicht.“

Auf allzu konkrete Angaben wie Ortsangaben, Uhrzeiten oder die Namen anderer solle man möglichst verzichten. „Auch was Kinder betrifft, ist größte Vorsicht geboten. Wir erleben das immer wieder gerade bei sehr jungen Eltern, dass die ihren Nachwuchs fotografieren und ins Netz stellen. Davor warnen wir immer, das ist gefährlich und den Kindern gegenüber unfair.“

Auch kopierte Profile haben es in sich. Denn obwohl Anfragen von solchen Seiten täuschend echt aussehen, stecken nicht die vermeintlichen Freunde dahinter. „Sondern das sind dann Leute, die versuchen, an bestimmte Informationen oder auch Geld zu kommen, indem sie mit einer falschen Identität auftreten, die man aber für eine vertraute Person hält.“ Erkennen lässt sich so ein Fake-Profil tatsächlich nur an der Web-Adresse. „Und daran, dass es einen Freund plötzlich doppelt gibt“, so Henschel.

Sein letzter Tipp: Immer mal wieder die Sicherheits-Einstellungen kontrollieren: Wer kann die eigenen Beiträge sehen? Wem stelle ich meine Informationen zur Verfügung? „Ich kann mir auch“, meint Henschel, „mal alles herunterladen und ausdrucken, was ich je auf Facebook gepostet hab. Und mir diese paar hundert Seiten da mal ansehen. Und mich dann fragen, ob das wirklich alles okay und notwendig war. Nur mal so für mich selbst, um mich zu beobachten.“

Dieses Beobachten, so die Erfahrung des Landeskriminalamts, nimmt bei jungen Menschen tendenziell wieder zu. Besonders in den Anfangsjahren von Facebook seien die Menschen extrem offen und unvorsichtig gewesen. „Da war diese ganze Online-Selbstdarstellung noch relativ neu, da machten das plötzlich alle, da sah man Prominente in ganz privatem Umfeld, und da haben dann viele gedacht: Dann kann das ja nicht so schlimm sein, dann kann ich das auch machen“, sagt Henschel. Inzwischen sei die Sensibilität gewachsen.

Oder auch das Desinteresse: „Facebook ist doch nichts Neues mehr. Das jüngere Publikum ist da längst schon wieder weg, die findet man eher bei Instagram oder Snapchat.“ Wer, fragt Henschel, wolle denn auch bitte mit den eigenen Eltern in einem sozialen Netzwerk befreundet sein? Und antwortet gleich selbst: „Keiner.“

Hingegen sei die Attraktivität weiterhin groß für alle, die werben wollen: „Da erreiche ich ein Publikum, das ich über die klassischen Medien wie Anzeigen nicht erreiche. Ich kann andere informieren oder mich umgekehrt informieren lassen.“ Auch das Landeskriminalamt selbst mache von diesen Möglichkeiten Gebrauch, so Henschel. „Wir versuchen das mit Präventionsnachrichten. Aber wir haben auch schon um Hinweise aus der Bevölkerung im Rahmen einer Fahndung gebeten. Sehr erfolgreich übrigens.“ Als Geben und Nehmen könne man das soziale Netzwerk verstehen – im besten Fall.

Eine sichere Nummer

 

 
 

 

Wer haftet für Schäden?

Sicherheit im Onlinebanking liegt im Interesse der Bank und des Kunden. Dennoch gelingt es Betrügern immer wieder, sich Zugang zu den Log-in-Daten und TANs zu verschaffen. Wer im Schadensfall für die erbeutete Summe aufkommt, ist abhängig vom individuellen Fall.

Laut dem Deutschen Anwaltverein haftet der Bankkunde, wenn dieser selbst seine Log-in-Daten und TAN preisgibt – etwa per E-Mail oder über einen betrügerischen Link. Juristen sprechen dann von einer „autorisierten Zahlung“.

Anders sieht es aus, wenn Betrüger die TAN auf Umwegen erbeuten – etwa durch ein Virus auf dem Computer. Dann stellt sich die Frage, ob den Bankkunden eine Mitschuld trifft, weil dieser auf die Masche der Betrüger nicht hätte hereinfallen dürfen. Grundsätzlich muss aber das Sicherungssystem der Bank zum Tatzeitpunkt so gut wie möglich gewesen sein. Ansonsten trifft die Bank die Schuld.

In der Realität kommen die Banken aber in den allermeisten Fällen für den Schaden auf, wie „c’t“-Sicherheitsexperte Ronald Eikenberg berichtet. Denn für die Banken bedeutet jeder Betrug einen erheblichen Imageschaden. Um das Vertrauen der Verbraucher in das Onlinebanking zu stärken, gleichen die Institute meist aus Kulanz den Schaden aus.

Eine sichere Nummer

TAN-Liste, SMS, App: Die Banken und Sparkassen bieten verschiedene Systeme an, um ihr Onlinebanking gegen Betrüger zu schützen.  Doch welches ist das beste für die Verbraucher? Ein Überblick.

Von Anne Grüneberg

Die Überweisungsträger in Papierform waren gestern, Onlinebanking ist heute: Laut dem Branchenverband Bitkom erledigt die Mehrheit der Deutschen (42 Millionen) ihre Bankgeschäfte mittlerweile am Computer oder sogar am Smartphone. Und sie sind damit offenbar sehr zufrieden: 89 Prozent finden demnach das Onlinebanking leicht zu handhaben. Aber ist es auch sicher?

Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht Jahr für Jahr Zahlen zum Betrug beim Onlinebanking. Aus ihnen geht hervor, dass es im Jahr 2016 insgesamt 2175 Fälle von Phishing gab – dabei entlocken Hacker den Bankkunden mit gefälschten Mails die Zugangsdaten zum Konto. Noch 2015 zählte das BKA aber 4500 Fälle. Der Schaden lag 2015 bei rund 18 Millionen Euro, im vergangenen Jahr war er noch halb so hoch. Pro Fall erbeuteten die kriminellen Hacker im Schnitt 4000 Euro.

Die Menschen sind aufmerksamer geworden, auf Phishing-Mails fällt man nicht mehr so leicht herein. Aber auch die Sicherungssysteme der Banken sind deutlich besser geworden. Diente früher hauptsächlich die TAN-Liste zur Bestätigung einer Überweisung, wird heutzutage meist der TAN-Versand per SMS genutzt. Die Hacker müssen sich also zu gleich zwei Geräten Zugang verschaffen: zu den Log-in-Daten auf dem Computer und zur TAN auf dem Smartphone. Auch das können Hacker schaffen. Es wird ihnen aber wesentlich schwerer gemacht.

Die Banken nutzen verschiedene Verfahren – aber welches ist das beste für die Verbraucher? Ein Überblick

TAN-Liste: Die Abkürzung TAN steht für Transaktionsnummer. Als es mit dem Onlinebanking in den Neunzigerjahren losging, verschickten Banken an ihre Kunden Papierlisten mit TAN, die der Kunde bei einer Überweisung eingeben musste. „Dieses Verfahren wird kaum noch genutzt und ist sehr unsicher“, sagt Ronald Eikenberg vom Computermagazin „c’t“. Denn schon wenn der Bankkunde eine einzige TAN auf einem betrügerischen Portal eingibt, kann der Hacker damit eine Überweisung tätigen.

iTan: Die iTAN (indizierte Transaktionsnummer) ist die Weiterentwicklung der TAN. Die Zahlen werden immer noch auf Papier aufgelistet, vor jeder steht aber eine Nummer. Bei einer Transaktion wird der Benutzer aufgefordert, eine bestimmte TAN auf der Liste einzugeben. Das erhöht die Sicherheit etwas. Dennoch ist Eikenberg nicht überzeugt: „Das Verfahren ist veraltet. Es wird auch kaum noch angewendet.“

mTan: Hier schickt die Bank die Transaktionsnummer per SMS auf das Handy, nachdem man Überweisungsdaten eingegeben hat. Die Nummer gilt nur für wenige Minuten und nur für eine Transaktion. Dieses Verfahren ist im Moment am weitesten verbreitet, wurde deshalb aber auch schon von Hackern angegriffen. Es gilt trotzdem als relativ sicher, solange nie ein und dasselbe Gerät für Onlinebanking und SMS-TAN benutzt wird und „man sich keinen Trojaner aufs Smartphone holt“, wie Eikenberg sagt. Denn eine solche Schadsoftware kann die mTAN abfangen. Um sich vor Trojanern auf dem Handy zu schützen, sollten Android-Nutzer Apps nur vom offiziellen Appstore Google Play herunterladen, rät der IT-Sicherheitsexperte. Bei iPhone-Nutzern ist das sowieso nicht anders möglich. Außerdem sollte man keine unbekannten Anhänge aus E-Mails öffnen – und auch auf dem Smartphone einen Virenscanner installieren.

TAN-Generator: Es gibt verschiedene Versionen von TAN-Generatoren. Bei den meisten muss der Bankkunde seine EC-Karte in ein batteriebetriebenes Lesegerät stecken. Bei einer Überweisung erzeugt das Gerät eine Nummer, die der Kunde dann am Computer eingeben muss. Dieses Verfahren ist sehr sicher, „aber auch umständlich“, sagt Eikenberg.

Photo-TAN: Näher an der Zukunft ist die Photo- oder QR-TAN. Dafür muss sich der Bankkunde eine bestimmte App auf sein Smartphone installieren. Wird am Computer eine Überweisung getätigt, erscheint auf dem Bildschirm ein Bild aus bunten Punkten, das der Nutzer mit seinem Smartphone abfotografieren muss. Daraufhin wird eine TAN erzeugt. Diese gibt der Bankkunde dann am Computer ein und bestätigt damit die Transaktion. Auch bei diesem Verfahren können allerdings Trojaner zum Problem werden, warnt Eikenberg. Ihm sind Fälle bekannt, bei denen ein Trojaner auf dem Computer das Überweisungsziel und die Summe geändert hat: „Nutzer dieses Systems sollten vor dem Bestätigen unbedingt genau die Daten kontrollieren.“

Push-TAN: Dieses System hält Sicherheitsexperte Eikenberg für das Modernste – auch weil es Onlinebanking mit einem einzigen Gerät möglich macht. Mit dem Push-TAN-Verfahren können Bankkunden unterwegs mit dem Smartphone eine Überweisung in Auftrag geben und sie auch per Smartphone bestätigen. Möglich wird das durch zwei verschiedene Apps: eine für das Onlinebanking und eine für die Push-TAN. Hat der Nutzer im Onlinebanking-Bereich einen Auftrag veranlasst, wechselt er zur Push-TAN-App. Dort wird eine Nummer generiert, die er dann im Onlinebanking-Bereich eingibt. „Die Push-TAN-App ist über ein langes Passwort geschützt, falls das Handy geklaut wird“, erklärt Eikenberg. Außerdem erkennt sie Trojaner und warnt den Nutzer. „Das System ist technisch komplizierter, aber bisher sicher.“ Das Verfahren verursacht den Banken außerdem keine Kosten – im Gegensatz zur mTAN, bei der die Banken für die SMS zahlen müssen, wenn sie die Kosten nicht an den Kunden weitergeben.

„Die Push-TAN-App ist derzeit  wohl das modernste Sicherungsverfahren.“


 

Mit ein paar einfachen Verhaltensregeln lässt sich die Sicherheit beim Onlinebanking deutlich verbessern.

Vorsicht vor Phishing-Mails: Die gefälschten E-Mails im Namen von Freunden, Firmen oder Unbekannten sind heutzutage oft professionell gestaltet  und haben zum Teil eine persönliche Anrede. Eine Bank würde ihre Kunden aber niemals dazu auffordern, vertrauliche Daten wie Benutzerdaten, PIN, TAN oder Kontonummer bekannt zu geben. Häufig werden Sie auch über einen Link zu einer betrügerischen Internetseite weitergeleitet, auf der ebendiese Daten abgefragt werden. Falls Sie solche Nachrichten erhalten, informieren Sie Ihre Bank darüber.

Keine unbekannten Anhänge öffnen:  Oftmals enthalten Phishing-Mails Viren und Trojaner, die sich im Anhang verstecken. Internetnutzer sollten deshalb nur Anhänge öffnen, die vertrauenswürdig sind.

Auf sichere Verbindung achten: Die Onlinebanking-Portale der Banken und Sparkassen nutzen sichere Verbindungen – Verbraucher können sie daran erkennen, dass aus dem normalen http:// ein https://­ wird. Im Firefox-Browser und im Internet Explorer wird die sichere Verbindung zusätzlich durch ein grünes Schloss im Adressfeld gekennzeichnet.

Kein Onlinebanking in öffentlichen WLANs: Experten empfehlen, Bankgeschäfte nur von eigenen Geräten und im heimischen WLAN zu tätigen. In öffentlichen Hotspots können Hacker Log-in-Daten leicht ausspionieren. Auch wer von fremden Geräten Überweisungen tätigt, geht ein Risiko ein: Der Besitzer könnte den Browserverlauf aufzeichnen.

Virenschutz aktuell halten: Antivirenprogramme erkennen, wenn sich Viren und Trojaner auf dem Computer einschleichen. Wer digital Bankgeschäfte erledigt, sollte also unbedingt diesen Schutz aktuell halten.

So schützen Hildesheims Kreditinstitute das Geld ihrer Kunden

Geldautomat, Konto, Onlinebanking, Betrüger, Einlagen – was tun Hildesheims Kreditinstitute beim Thema Sicherheit, was empfehlen sie ihren Kunden? (Foto: Abu Ajamieh)

von Tarek Abu Ajamieh

Wie halten es die drei großen Hildesheimer Kreditinstitute mit der Sicherheit? Woran erkenne ich gefälschte E-Mails meiner Bank? Und wie gut bin ich davor geschützt, dass meine Zugangsdaten am Geldautomaten ausgespäht werden?

Nur Bares ist Wahres, sagt der Volksmund. Tatsächlich heben in Stadt und Landkreis Hildesheim täglich Zehntausende Geld am Bankautomaten ab. Vor einigen Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Unbekannte mit gefälschten Karten Konten leerräumten – nachdem sie zuvor persönlich oder mit Hilfe versteckter Kameras PIN-Nummern ausspioniert hatten.

Doch dieses Thema hat offenbar an Brisanz verloren: „So einen Fall hatten wir in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr“, sagt Holger Gröbitz von der Volksbank Hildesheimer Börde. Wie die Sprecher von Sparkasse Hildesheim-Goslar-Peine und Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen betont er, dass die Institute die Sicherheitsvorkehrungen rund um ihre Automaten verstärkt hätten. Wie genau, wollen sie nicht sagen, um Gaunern keine Hinweise zu geben.

Alle drei Kreditinstitute verzeichnen einen steten Zuwachs an Kunden, die über den heimischen Computer oder über das Handy Bankgeschäfte abwickeln. Die Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen nennt beispielsweise einen Wert von 53 Prozent der Girokonto-Inhaber, die online Überweisungen und anderes erledigen. Auf das Handy setzen inzwischen 35 Prozent der Kunden.

In der Tendenz sieht das bei Börde-Volksbank und Sparkasse ähnlich aus, alle drei befördern diesen Trend dadurch, dass Bankgeschäfte via Internet oder Mobiltelefon in der Regel günstiger sind als der klassische Griff zum Überweisungsträger.

Für die Sicherheit setzen alle drei Institute auf verschiedene Modelle mit PIN-Nummern und zusätzlich einzugebenden TAN-Ziffern. „Ein Check auf unserer Homepage zeigt, welches Verfahren für welche Transaktion am besten geeignet ist“, erklärt etwa Sparkassen-Sprecher Roland Redetzke.

Immer mehr in Mode kommen zusätzliche Handy-Apps für die schnelle Überweisung. Banker erklären die Anwendung gern so: Freunde oder Kollegen gehen gemeinsam Essen, einer hat sein Geld vergessen. Der andere zahlt erstmal für beide, bekommt das Geld aber per Handy sofort zurücküberwiesen. „Kwitt“ heißt das bei der Sparkasse in Anspielung auf den Ausdruck „quitt sein“. Der Aufwand ist geringer als bei einer Überweisung, zumindest bei kleineren Beträgen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind aber die gleichen wie beim normalen Online-Banking, betonen alle drei Kreditinstitute.

Für viele Menschen ist es eine der größten Sorgen: Das Portemonnaie ist weg oder zumindest die Bankkarte – was tun, wenn jetzt einer mein Konto damit leer räumt? Von Ina Suray, Sprecherin der Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen, gibt es eine klare Antwort: „Wir zahlen immer dann, wenn nicht grob fahrlässig gehandelt wurde!“ Holger Gröbitz von der Börde-Volksbank, betont die Notwendigkeit der schnellen Meldung: „Entweder den Bankberater anrufen oder die Notrufnummer 116 116“ (gilt auch für andere Kreditinstitute, Anmerkung der Redaktion). Denn von dem Zeitpunkt an, an dem der Kunde die Bank über den Verlust informiert habe, habe er Anspruch auf Ersatz für „missbräuchliche Verfügungen“ auf seinem Konto.

Etwas komplexer beantwortet die Sparkasse diese Frage: Kartenzahlungen gegen Unterschrift seien uneingeschränkt erstattungsfähig. Wurde hingegen die PIN eingesetzt, leitet die Sparkasse den Fall mitsamt einer Stellungnahme des Kunden an ihren „Zentralen Haftungsfonds“ weiter. Der entscheidet dann im Einzelfall – wobei vor allem entscheidend ist, wie der Täter an die PIN gelangt ist.

Wer zum Beispiel die PIN auf seine Bankkarte geschrieben hat (kommt tatsächlich immer wieder vor) darf von seinem Kreditinstitut keinen Ersatz für illegal abgebuchtes Geld erhoffen. Ansonsten gilt bis zur Sperranzeige – also bis zum Anruf unter 116 116 oder bei der Sparkasse selbst – ein Haftungsrisiko des Kunden von 150 Euro. Darüber liegende Beträge können erstattet werden. Die Geldkarte hingegen wird gewertet wie Bargeld – kommt es hier zu Diebstahl und Abbuchung, erstattet die Sparkasse das Geld nicht.

Vor anderthalb Jahren sorgte dieser Fall für Aufsehen: Ein krimineller Geschäftsmann hatte insgesamt 636 000 Euro von verschiedenen Konten eines hiesigen Kreditinstituts abgebucht – und schnell auf ein ausländisches Konto verschoben. Was passiert, wenn in einem solchen Fall eine Rückbuchung nicht möglich ist, weil das Geld schon wieder ein Konto weiter ist?

„SEPA-Basis-Lastschriften können binnen acht Wochen nach Buchungsdatum zurückgegeben werden, unabhängig vom Kontosaldo des Abbuchenden“, sagt Volksbank-Sprecherin Ina Suray. Das bestätigt Holger Gröbitz von der Börde-Volksbank. Ist das Konto des Abbuchers nicht mehr gedeckt, muss dessen Bank einspringen. Für so eine Rückforderung haben Kunden 13 Monate Zeit, wie Sparkassen-Sprecher Roland Redetzke sagt.

Allerdings empfehlen Banken und Verbraucherschützer allen Kontoinhabern, regelmäßig ihre Belege durchzusehen, um etwaigen Betrügern schnell auf die Spur zu bekommen und das Geld zurückzufordern – zumal es Zinsen kostet, wenn das Konto durch die illegale Abbuchung ins Minus gerät.

Immer wieder fallen Menschen auf vermeintliche E-Mails von ihrer Bank oder Sparkasse herein. „Grundsätzlich gilt, dass wir unsere Kunden niemals per Mail auffordern würden, einen Link zu öffnen und dort sensible Daten einzugeben“, sagt Sparkassen-Mann Redetzke. Lange habe man sogenannte Phishing-Mails schon an Rechtschreib- oder Grammatikfehlern erkannt, die Qualität sei aber „leider besser geworden“.

Die Volksbank-Vertreter Ina Suray und Holger Gröbitz verweisen auf Beispiele, bei denen der Empfänger misstrauisch werden sollte: Aufforderungen, Software oder Bankdaten zu aktualisieren, E-Mails mit angehängten Dokumenten, falsche Hinweise darauf, dass Kreditkarte oder Girokarte abgelaufen seien, Aufforderungen zur Erneuerung des Passwortes – oder einfach: Mails, mit denen vor Phishing-Mails gewarnt wird. Denn letztere sind oft selbst nicht koscher.

Der Preis der Sicherheit

 

 

Der Preis der Sicherheit

Wer regelmäßig Geld beiseitelegt, kann ein Vermögen aufbauen, hieß es früher einmal. In Zeiten von Niedrigzinsen ist  das deutlich schwieriger. Wer sein Geld vermehren möchte,  kommt an dosiertem Risiko nicht vorbei. (Foto: dpa)

Von Stefan Winter

Alle, die zu faul sind, sich mit Geldanlage zu befassen, finden schnell den guten Grund:  Die Zinsen sind im Keller, es ist doch sowieso nichts zu holen. Ein Viertel der Deutschen befasst sich gar nicht erst mit Geldanlage, hat jüngst eine Umfrage der Sparkassen ergeben, unter den Jüngeren sei es sogar ein Drittel.

Aber den einen oder anderen Gedanken sollte doch jeder für finanzielle Vorsorge aufwenden. Dass die Altersvorsorge für die nächste Generation Lücken aufweist, ist bekannt. Aber auch für Anschaffungen sollte es ein Polster geben, wenn man sich nicht einem Leben auf Pump ausliefern will. „Wir müssen zwischen jetzigem und zukünftigem Konsum abwägen“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.

Damit stellen sich wichtige Fragen von selbst: Was ist das Ziel des Sparens? Wird das Geld zu einem bestimmten Termin gebraucht? Ist ein größerer Betrag verfügbar, oder müssen erst einmal kleinere gestapelt werden? Wie viel Geld muss jederzeit verfügbar sein? Normalverdiener, die einigermaßen ehrlich antworten, können einige gern diskutierte Themen gleich abhaken: Für die sogenannten exotischen Anlagen wie Kunst, Schmuck oder Oldtimer, für die Finanzierung von Crowdfunding-Projekten oder für die Kryptowährung Bitcoin fehlt meist schlicht das Spielgeld – und nur das sollte man dort riskieren, wenn man Spaß daran hat.

Dem Zusammenhang von Chance und Risiko entgeht kein Sparer. Je sicherer eine Geldanlage ist, desto weniger Ertrag bringt sie – die Rendite ist der Lohn für das Wagnis, der Verzicht darauf der Preis der Sicherheit. Wer allerdings gar nichts tut, hat den Verlust sicher. Derzeit braucht man rund 1,8 Prozent Rendite pro Jahr, um real kein Geld zu verlieren. Denn das ist die aktuelle Inflationsrate, also der Prozentsatz, den ein liegen gebliebener Euro in einem Jahr weniger wert sein wird. Mit  Tagesgeld oder Festgeld ist derzeit kaum ein halbes Prozent zu schaffen. „In der aktuellen Niedrigzinsphase werden sicherheitsorientierte Sparer nicht belohnt“, sagt Verbraucherschützerin Oelmann.

Es bleibe „bei dem guten Rat, unterschiedliche Anlageformen zu wählen“, sagt Andreas Martin vom Bundesverband der  Volksbanken und Raiffeisenbanken. Dazu gehören für ihn Immobilien – besonders selbst genutzte –, Riester-Verträge  sowie Fondssparverträge. Diese geben auch Kleinsparern die Chance, am Erfolg von Unternehmen teilzuhaben – und Unternehmen entwickeln sich in der Regel dann besonders gut, wenn Zinsen niedrig sind. Mit kleinen Tricks haben Sparer auch unter schwierigen Bedingungen die Chance, mehr aus ihrem Geld zu machen.

Schulden abtragen: Kreditzinsen sind höher als Sparzinsen. Wer Schulden senkt, spart damit meist mehr, als er mit einer Anlage des Geldes verdienen könnte – zumal es hier tatsächlich kein Risiko gibt.

Früh anfangen: „Je früher man anfängt, desto leichter kommt man ans Ziel“, sagt Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon mit Blick auf den Zinseszinseffekt: Erträge bleiben auf dem Konto liegen und werden fortan selbst verzinst. Der Effekt verstärkt sich über die Zeit. Sparen kann man 30 oder 50 Euro im Monat.

Bestes Angebot suchen: Ganz ohne Tages- oder Festgeld geht es nicht, wenn man flexibel bleiben will. Weil das Produkt standardisiert ist, lohnt es sich, Angebote zur vergleichen. Dabei kann auch eine Auslandsbank gewinnen, bei der man aber auf die Einlagensicherung achten muss.

Vermögenswirksame Leistungen nutzen: Der Arbeitgeber zahlt für den Mitarbeiter bis zu 40 Euro monatlich in einen Bausparvertrag oder Fondssparplan. Zusätzlich gibt es je nach Einkommen staatliche Förderung. Für zwei Drittel der Beschäftigten gibt es diese Möglichkeit, aber  „ein Drittel der Menschen nutzt vermögenswirksame Leistungen nicht, obwohl sie es theoretisch könnten“, sagt Sparkassen-Präsident Fahrenschon.

Fonds: Auf lange Sicht gelten Aktien als lukrativste Geldanlage, zumal sie neben der erhofften Kurssteigerung regelmäßige Dividende versprechen. So sind 5 Prozent jährliche Rendite eine realistische Durchschnittsgröße. Volksbanken-Vertreter Martin sieht trotz des hohen Dax-Standes weiter „hohe Renditechancen“. In einzelne Papiere sollte man aber nur investieren, wenn man sich mit dem Thema beschäftigen will und auch einmal Verluste verkraften kann. Dagegen sind Fonds gut für das langfristige Sparen geeignet. In ihnen werden verschiedene Wertpapiere gemischt.

Gebühren sparen: Provisionen und Gebühren können die schönste Rendite auffressen. Bei Fonds gibt es die Wahl zwischen gemanagten und sogenannten ETFs. Bei den einen entscheidet ein Fondsmanager über die Zusammensetzung, die anderen bilden automatisch die Werte eines bestimmten Index wie Dax oder Euro-stoxx ab. Ihre Gebühren sind niedriger, die Chancen aber nicht kleiner.


Ein Drittel der Menschen nutzt Vermögenswirksame Leistungen nicht, obwohl sie es theoretisch könnten.

Georg Fahrenschon

ehemaliger Präsident Deutscher Sparkassen- und Giroverband

%

der Deutschen sehen in der selbst genutzten  Immobilie die beste Form des Vermögensaufbaus.

„Die Kosten sind bei Geld-Anlagen der Rendite-Killer Nummer eins“

Es gibt kaum noch Zinsen – wie soll man da sein Geld anlegen? Honorarberater Stefan Adam hätte da sicher ein paar Ideen. (Foto: privat)

von Rainer Breda

Herr Adam, ich habe in einem alten Schrank einer vor Jahren verstorbenen Verwandten 100 000 Euro gefunden. Was mache ich damit?
Adam: Die Frage kann man so ohne weiteres nicht beantworten. Das hängt stark von ihrer Situation ab: Haben Sie bereits Geld übrig, also eine Liquditätsreserve? Haben Sie Schulden – durch Konsum, eine Immobilienfinanzierung? Da ist es oft die sicherste Rendite, die Schulden zu tilgen. Wenn Sie die ersten Punkte abgehakt haben, sollten Sie überlegen, ob und wie Sie das Geld langfristig investieren.

Wozu würden Sie raten?
Die Kernfrage ist die Risikobereitschaft. Ohne Risiko gibt es keine Rendite mehr. Sie erhalten bei einer Inflation von 2 Prozent oft sonst nicht einmal die Kaufkraft. Zur Inflation kommen noch die Kosten des Produktes und die Abgeltungssteuer. Das heißt, wenn die Anlage nicht wenigstens drei Prozent bringt, erhalten Sie nicht einmal die Kaufkraft. Die meisten Anleger wollen allerdings kein Risiko eingehen und neigen deshalb zum Tagesgeldkonto.

Aber dafür gibt es nirgends 3 Prozent mehr, oder?
Nein – die Zeiten sind vorbei. Insbesondere da, wo man persönlich erscheinen muss, also bei Banken wie Sparkassen und Volksbanken. Aber die wollen wie viele Präsenzbanken ohnehin vor allem ihre Produkte verkaufen, in der Regel Rentenversicherungen und Mischfonds. Bei Direktbanken sieht das mit der Tagesgeldrendite anders aus, die bringen 0,5 Prozent pro Jahr. Da werden Sie nicht reich, mindern aber zumindest die Geldentwertung. Das Ganze setzt aber die Bereitschaft fürs Online-Banking voraus – das wird beim Thema Geldanlage ohnehin immer wichtiger. Denn die Banken werden sich die Leistungen, die sie am Schalter erbringen, aufgrund der höheren Kosten immer teurer bezahlen lassen.

Sie firmieren als selbstständiger Honorarberater – was ist das?
Ich stelle die reine Beratungsleistung auf Stundenbasis in Rechnung, lebe nicht von Provisionen, muss Kunden nichts verkaufen, kann sie unabhängig von Produkten beraten – zum Beispiel, ob es mehr Sinn macht, freiwillig in die gesetzliche Rente einzuzahlen, oder in einen Fondssparplan. Oder auch erst einmal gar nichts zu machen, weil bestehende Anlagen gut sind.

Worin besteht der Unterschied zu den Beratern bei Banken?
Die leben von einem Geschäftsmodell, das auf Provision basiert – auch wenn der einzelne Berater eine solche nicht bekommt, muss er Erträge für sein Haus erwirtschaften. Der Berater wird zum Beispiel nicht darüber sprechen, in die gesetzliche Rente einzuzahlen oder das Riesterkapital zur Tilgung zu verwenden. Es geht da immer um Produktverkauf, keine individuellen Lösungen. Und da sind teurere Produkte mit einem höheren Ertrag für die Bank aus deren Sicht immer attraktiver. Als Vergleich: Wenn Sie wissen wollen, wie Sie von A nach B kommen, sollten Sie nicht den Autohändler fragen, denn der verkauft ihnen in jedem Fall ein Auto.

Welche Anlage geht auf jeden Fall, welche kann man immer machen?
Jeder braucht – egal wie alt oder vermögend – ein Tagesgeldkonto als Liquiditätsreserve, also wenn er auf die Schnelle Geld benötigt, um Risiken im Alltag abzufangen. Das Tagesgeld ist vom Giro-Konto auch ein paar Mausklicks entfernt – das diszipiniert ungemein beim Ausgeben. Der langfristige Vermögensaufbau ist erst der zweite Schritt.

Geht als Liquiditätsreserve noch das Sparbuch bei der Sparkasse?
Nein, das geht nicht mehr. Sie können das zwar machen, aber das liefert Null Ertrag.

Was sollte man noch tunlichst lassen?
Geld in teuren Produkten zu versenken. Wenn das Wort Versicherung bei einer Altersvorsoge auftaucht, sollte man vorsichtig sein: Die Leistung ist oft nicht gesichert, die Kosten sind es aber. Und die sind der Renditekiller Nummer eins. Gerade am Anfang geht viel für die Abschlussprovison drauf. Ähnliches gilt für Investment-Fonds. Banken verkaufen gern einen Mix aus Aktien und Anleihen als Mischfonds, oft mit Aufschlag von bis zu 5 Prozent, dann gehen noch laufende Kosten und Bestandsprovisionen ab. Das schmälert brutal die Rendite. Denn hohe Kosten sind ein sehr sicherer Indikator für eine schlechte Wertentwicklung in der Zukunft.

Sind die denn immer transparent?
Sie werden immer transparenter. Doch leider interessieren sich die wenigsten Anlieger dafür.

Bleiben die Preise auf dem Immobilienmarkt stabil, wie mir ein Makler jüngst versicherte?
Ich kann das nicht voraussehen, ein Makler auch nicht. Aber im Ausland waren die Preissteigerungen sehr viel höher als in Deutschland – das ist ein Indikator. Die Bevölkerung wächst, die Wirtschaft läuft – ich kann mir schwer vorstellen, dass die Immobilienpreise in den nächsten Jahren fallen könnten. Aber eine Glaskugel habe auch ich nicht.

Wieviel haben Sie eigentlich selbst angelegt – und wo?
Einen Großteil meines Geldes stecke ich in ETFs, passive Investment-Produkte. Die orientieren sich an einem Index wie dem DAX, bauen ihn nach. Der Anleger weiß genau, was er bekommt, das Risiko ist klar, die Kosten sind gering. Anders als bei klassischen Investment-Fonds. Da entscheidet ein Fondsmanager über einzelne Aktien-Käufe und Einstiegszeitpunkte, diese Produkte sind vergleichsweise teuer.

Und welche Fonds werfen mehr ab?
Man meint ja, Experten sind schlauer als der Markt. Stimmt nicht. Grob gesagt, sind 80 Prozent der gemanagten Fonds schlechter als ETFs.

Was bedeutet ihr Status als Honorarberater für die Qualität der Beratung?
Die ist sichergestellt. Mit meiner Zulassung als Honorar-Finanzanlagenberater darf ich keine Provisionen annehmen. Einmal im Jahr werden meine Beratungsprozesse von einem Wirtschaftsprüfer oder Steuerberatern durchleuchtet, der Bericht geht an die IHK.

Wie sind Sie zu dem Job gekommen?
Ich habe Elektrotechnik studiert, bin von Haus aus Ingenieur und habe lange Zeit als solcher gearbeitet. 2011 habe ich dann mein Hobby, Geld anzulegen, zum Beruf gemacht – bewusst auf Honorarbasis, um nicht abhängig von Konzernstrategien zu sein. Heute berate ich für die Verbraucherzentrale und als Selbstständiger.

Wie werden die Kunden auf Sie aufmerksam, wie laufen die Beratungen konkret ab?
Viele finden mich über das Internet oder kommen auf Empfehlung. Am Anfang analysiere ich die persönliche Situation: Was gibt es an Anlagen, besteht der Wunsch nach einer Immobilie, muss eine solche entschuldet werden? Wie ist die Riskobereitschaft und der Anlagehorizont? Dann mache ich Vorschläge.

Werden Sie am Erfolg beteiligt?
Nein. Die Rendite geht zu 100 Prozent an den Kunden.

Was kostet die Beratung bei Ihnen?
Das hängt vom Rahmen ab. Bei der Verbraucherzentrale sind es 90 Euro pro Stunde, das ist eine produktneutrale Grundlagenberatung. Da gibt es auch keine konkrete Empfehlung, ob Sie dieses oder jenes kaufen sollten. Das ist bei Beratungen im Rahmen meiner Selbstständigkeit als formelle Anlageberatung anders: Da kostet eine Stunde 119 Euro, für ein Projekt zur Altersversorgung kommen da zwischen 300 und 1000 Euro zusammen.

Was haben Sie für Kunden?
Sie kommen aus ganz Deutschland. Ich habe Berufsanfänger, die sich in Sachen Altersvorsorge orientieren wollen, es gibt Ehepaare, die geerbt oder ihr Haus verkauft haben und sich fragen, wie sie das Geld für ihre Rente nutzen können.

Wieviele Stunden arbeiten Sie in der Woche?
Mehr als 40 Sunden. Aber ich messe das nicht – die Arbeit erfüllt mich. Wie bei allen Selbstständigen ist der Übergang zwischen privat und beruflich fließend.

Versichern – aber richtig

„Die Deutschen sind falsch versichert“

Nachgefragt bei Hermann-Josef Tenhagen,
Leiter des gemeinnützigen Portals „Finanztip“

Herr Tenhagen, sind die Deutschen überversichert?
Tenhagen: Sie sind auf jeden Fall falsch versichert. Pro Kopf geben sie jedes Jahr weit mehr als 2000 Euro für Versicherungen aus. Das müsste nicht so sein. Oft sind völlig unnötige Policen darunter, und für wichtigen Versicherungen geben sie meist deutlich zu viel Geld aus.

Wie erkenne ich denn eine unnötige Versicherung?
Der Lackmustest dafür ist die einfache Frage: Wenn der Schaden eintritt, kann ich die Kosten selbst tragen? Wenn ja, brauche ich die entsprechende Versicherung nicht. Glasbruch-, Handy- oder Brillenversicherungen fallen unter anderem in diese Kategorie. Und wenn mein Auto nur noch einen Zeitwert von 3000 oder 4000 Euro hat, kann ich sicher auch auf die Kaskoversicherung verzichten. Jedenfalls, wenn die teuer ist.

Aber ohne Krankenkasse, Privat- und Kfz-Haftpflicht sowie Berufsunfähigkeitsversicherung geht es nicht.
Stimmt. Doch selbst da lässt sich viel Geld sparen. Spätestens alle drei Jahre sollte man sich seine Versicherungen vornehmen und sie mit aktuellen Tarifen aus dem Internet vergleichen. Oft, wenn auch nicht immer, lässt sich sparen. Je höher die Beitragssumme, desto öfter sollte man vergleichen. Wem das ein zu großer Angang ist, der kann auch ein Ritual daraus machen und sich jeden Monat eine andere Versicherung vornehmen. Und dann von dem Ersparten mit seinen Lieben Essen gehen.

Sind wir dafür nicht zu träge?
Die meisten Menschen leider ja. Dabei könnten sie eine Menge Geld sparen. Oft hilft es auch schon, die Beiträge – zum Beispiel in der Kfz-Versicherung – nicht in Raten zu zahlen, sondern in einem Betrag. Das ist für manche Menschen sicher eine große Belastung gerade zum Jahresende, aber je nach Anzahl der Raten lassen sich allein dadurch schon bis zu 20 Prozent der Beitragskosten sparen.

Interview: Helmuth Klausing

Versicherungsverträge besitzt jeder  Bundesbürger im Durchschnitt, hat der Bund der Versicherten errechnet.

Dafür gibt der jeder Deutsche im Durchschnitt rund

Euro im Jahr aus.

 

Von Helmuth Klausing

Mit Versicherungen ist das so eine Sache: Es ist besser, eine zu haben und sie nicht zu brauchen, als eine zu brauchen und sie nicht zu haben. Ein Gedanke, der hierzulande weit verbreitet zu sein scheint. Knapp 2400 Euro gibt jeder Bundesbürger im Jahr für Versicherungsbeiträge aus. Ist das zu viel? Die Versicherungswirtschaft verneint und verweist auf die Schweiz, wo dieser Wert bei 6600 Euro liegt. Die Griechen kommen allerdings mit 326 Euro auch irgendwie hin.

 

 

Unstrittig ist, dass es eine Reihe von Versicherungen gibt, die jeder abgeschlossen haben sollte. An erster Stelle gehört sicher die Krankenversicherung dazu. Egal, ob gesetzlich oder privat versichert – ohne diesen Schutz kann jeder Krankenhausaufenthalt zum existenzbedrohenden Risiko werden. Seit 2007 sind Bundesbürger sogar per Gesetz zur Krankenversicherung verpflichtet. Trotzdem kamen 2015 noch 80 000 Menschen dem nicht nach.

Fachleute wie Hermann-Josef Tenhagen vom Ratgeberportal „Finanztip“ empfehlen darüber hinaus eine Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Bei der Privathaftpflicht ist eine hohe Deckungssumme wichtig. Zwischen 20 Millionen und 50 Millionen Euro sollte die liegen. Für Verheiratete oder Menschen, die in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben, genügt eine gemeinsame Police. Nach Angaben der Verbraucherzentralen sind Beitragsunterschiede von mehr als 200 Prozent möglich, und die Leistungen unterscheiden sich auch erheblich.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) erhalten junge Versicherte noch zu günstigen Konditionen, später wird es deutlich teurer. Die BU springt zum Beispiel mit einer Rentenzahlung ein, wenn der Versicherte seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Kunden sollten darauf achten, dass in der Police die sogenannte abstrakte Verweisung ausgeschlossen ist, raten die Verbraucherzentralen. Sonst kann die Versicherung im Fall der Fälle verlangen, dass irgendein anderer Beruf ausgeübt wird, solange er auch nur theoretisch möglich wäre. Verbraucherschützer raten zudem, eine BU als selbstständige Versicherung abzuschließen und nicht in Kombination mit einer Lebens- oder Rentenversicherung.

Ein Muss für Immobilienbesitzer ist die Wohngebäudeversicherung. Sie reguliert Schäden durch Sturm, Hagel, Feuer und Blitzschlag. Wer in gefährdeten Gebieten wohnt, sollte seine Immobilie zudem gegen Überschwemmungen, Erdrutsche, Erdsenkungen, Erdbeben oder Lawinen versichern. Die entsprechende Elementarschadenversicherung gibt es als Zusatz zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung. Sie ist in Risikogebieten aber oft schwer zu bekommen oder teuer.

Neben diesen wichtigsten Policen gibt es eine Reihe anderer Verträge, über die man je nach persönlicher Situation nachdenken sollte.

Vor allem für junge Familien kann eine Risikolebensversicherung hilfreich sein, wenn ein Elternteil stirbt. „Alleinerziehend zu sein gehört zu den größten Armutsrisiken in Deutschland“, sagt Tenhagen. Die Police sichert die Hinterbliebenen ab.

Wer sein Heim mit teuren Möbeln und anderen wertvollen Einrichtungsgegenständen ausstaffiert hat, sollte eine Hausratversicherung in Erwägung ziehen. Sie ersetzt beispielsweise bei einem Wasserschaden Kleider, Möbel und Elektrogeräte.

Die Hundehaftpflichtversicherung ist in Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen für alle Hundehalter vorgeschrieben. In Brandenburg besteht die Pflicht nur für gefährliche Hunde, in Nordrhein-Westfalen nur bei Hunden mit einer Körpergröße von mehr als 40 Zentimetern. Kampfhunde müssen in allen Bundesländern außer in Mecklenburg-Vorpommern versichert sein. Weil Hunde von der Privathaftpflicht nicht abgedeckt sind, kommt die spezielle Police für Schäden auf, die das eigene Tier verursacht.

Die Versorgung betagter Menschen ist teuer. Weil die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten abdeckt, kann eine private Pflegezusatzversicherung helfen. Die ist vor allem für Menschen sinnvoll, die absehbar im Alter über kein relativ hohes Einkommen verfügen werden. Der Staat fördert unter bestimmten Voraussetzungen den Abschluss einer privaten Zusatzversicherung mit dem sogenannten Pflege-Bahr – benannt nach dem früheren Gesundheitsminister Daniel Bahr – in Höhe von 5 Euro pro Monat.

Für gesetzlich Krankenversicherte gibt es viele private Zusatzversicherungen. Einige können nützlich sein. Preise und Leistungen unterscheiden sich aber sehr.

Gesetzlich Krankenversicherte sollten außerhalb von Deutschland mit einer Auslandsreisekrankenversicherung unterwegs sein. Sie zahlt Behandlungen und medizinisch notwendige Rücktransporte, die bei vielen Kassen nicht oder nur teilweise abgedeckt sind. Alleinreisende müssen dafür nicht mehr als 10 Euro jährlich ausgeben, Familien rund 30 Euro.

Wer jung ist, kann eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Die gesetzliche Kasse zahlt nur Festbeträge für Zahnersatz, das reicht oftmals nur für eine einfache Grundversorgung.

Die Krankentagegeldversicherung fängt bei einer schweren Erkrankung den Einkommensausfall auf. Das kann gerade für Selbstständige und Besserverdiener wichtig sein, weil das Krankengeld nicht mit dem Einkommen steigt.

Den Nachwuchs bis zum Ende der Ausbildung mit einer Kinderinvaliditätsversicherung abzusichern kann sinnvoll sein. Danach brauche das Kind aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung, sagt Tenhagen.

Zu einer Unfallversicherung rät der Experte allenfalls als Notlösung, wenn eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung nicht möglich sind. Die Unfallversicherung zahlt bei schweren Unfällen, die in einer Behinderung münden. Aber nur 2 Prozent aller Schwerbehinderungen seien Folge eines Unfalls, erläutert Tenhagen. Viel häufiger sei eine Krankheit die Ursache.

Nur wer eine besonders teure Reise gebucht hat und häufig krank wird, muss sich über eine Reiserücktrittsversicherung informieren.

Der Deutschen liebste Altersvorsorge war die klassische kapital- oder fondsgebundene Lebensversicherung. Wegen der seit Jahren sehr niedrigen Zinsen in der Euro-Zone und der Kosten einer solchen Police lohnt sich der Neuabschluss derzeit aber nicht. „Oft kommt nicht einmal mehr der über Jahre eingezahlte Betrag dabei heraus“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Grundsätzlich sollte man ohnehin Versicherung und Geldanlage voneinander trennen, rät sie.

Die Verbraucherzentralen in den Bundesländern bieten eine unabhängige Beratung an. Wer sich vorab informieren möchte, findet Einzelheiten zu Fallstricken auf den Internetseiten der Verbraucherzentralen oder beim Onlineportal „Finanztip“. Auch der Bund der Versicherten (www.bundderversicherten.de) gibt auf seinem Portal Entscheidungshilfen. Die Stiftung Warentest (www.test.de) hält ebenfalls Tipps bereit und vergleicht zudem regelmäßig die Angebote der Versicherungsunternehmen.

„Wer sich auf dem  Laufenden hält, kann eine Menge sparen.“


 

 

Wie erkenne ich, ob eine Versicherung überflüssig ist?

„Enormen Einfallsreichtum“ bescheinigt der Bund der Versicherten (BdV) den Unternehmen beim Erfinden neuer Policen. Es sei aber nicht so schwer, unnötige Angebote zu erkennen, sagt Bianca Boss vom BdV. Man sollte sich nur fragen, ob eine Versicherung wirklich ein existenzbedrohendes Risiko abdeckt.

Eine Brillenversicherung etwa springe ohnehin nur bei mindestens zwei Jahre alten Sehhilfen ein und trage auch nicht die Kosten für höherwertige Gläser. Ähnlich nutzlos sei eine Handyversicherung, die nur den Zeitwert des Mobiltelefons zahlt – und der sinkt schnell. Wer braucht eine Insassenunfallversicherung? Niemand, sagt Boss. Sie biete nichts, was nicht die eigene Kfz-Haftpflicht oder die eines Unfallgegners abdecke. Als besonders widersinnig gilt die Reisegepäckversicherung: Nur wer seinen Koffer ständig im Blick hat, bekommt Ersatz – wird ihn aber wohl nie verlieren. Wer nicht hingeschaut hat, gilt vielen Versicherern als grob fahrlässig.

Wer seine Angehörigen von Beerdigungskosten entlasten will, sollte Geld beiseitelegen, statt es in eine Sterbegeldversicherung zu stecken. Bei langer Laufzeit zahle man da häufig mehr ein, als die Hinterbliebenen am Ende herausbekommen, sagt Boss. Ähnlich sei es mit der Krankenhaustagegeldversicherung (nicht zu verwechseln mit der Krankentagegeldversicherung, die für einige Menschen durchaus sinnvoll sein kann).

Gegen „häusliche Notfälle“ müsse sich auch niemand versichern. Sperrt man sich aus oder streikt die Heizung, holt man eben den Notdienst. Das koste in der Regel nicht mehr als jahrelange Versicherungszahlungen.

Die Gefahr aus dem Netz: Das Zukunftsgeschäft der Versicherungen

Die Cyber-Versicherung ist noch jung, könnte aber in Zukunft boomen. Denn sie versichert Unternehmen wie Privatleute gegen die wachsende Gefahr aus dem Netz. (Foto: Gossmann)

von Thomas Wedig

Die Welt ist immer dichter digital vernetzt – eine Entwicklung, die nicht einmal vor Rasenmähern und Kühlschränken Halt macht. Wohin der Trend führt, ist nicht abzusehen. Doch eines erscheint klar: Die Gefahren aus dem Netz werden weiter wachsen. Auf die stellt sich auch die Versicherungsbranche ein und feilt als Gegenmittel an der Cyber-Versicherung. Die werde noch die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts werden, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Versicherungskaufleute (BVK), Jörg von Fürstenwerth, kürzlich in einer Kolumne voraus.

„Die Konzepte für solche Versicherungen sind allerdings erst am Anfang“, ergänzt der langjährige Bezirksvorsitzende des BVK, Michael Erdmann aus Hildesheim. Auf Resonanz stoße die Cyber-Versicherung aktuell vor allem bei größeren Betrieben. Denn für die können die Risiken aus dem Netz gravierende Auswirkungen haben. „Vermutlich sind sie noch gar nicht in ihrer ganzen Bandbreite erkannt worden“, meint der Hildesheimer. Für Unternehmen gehe es um unterschiedliche Schäden: Zum einen können sie durch ihr Handeln im weltweiten Datennetz selbst Schaden anrichten, dann müsste eine Haftpflichtversicherung einspringen. Sie können aber auch geschädigt werden, zum Beispiel durch Datenverlust. Und wenn ein Virus zum Beispiel die EDV eines ganzen Unternehmens lahmlegt, kann der normale Betrieb unter Umständen gar nicht weiterlaufen – dann handelt es sich um sogenannte Unterbrechungsschäden.

Das Thema Cyber-Versicherung kommt nach Erdmanns Einschätzung allerdings auch allmählich bei Privatleuten an. In verschiedenen Sparten wie Privathaftpflicht, Hausrat und Rechtsschutz seien bereits einige „Internetklauseln“ wirksam, berichtet er, „allerdings nur in moderneren Policen“. Seine Empfehlung: „Wer viel im Internet aktiv oder im Online-Banking unterwegs ist, sollte seine bestehenden Versicherungen daraufhin überprüfen, ob solche Klauseln enthalten sind oder sich einfügen lassen.“

Ob für Unternehmen oder Privathaushalte: „Cyber-Versicherungen gelten jedenfalls allgemein als das Zukunftsgeschäft der Branche“, sagt Erdmann. Der neue Versicherungszweig hat gerade seine ersten einheitlichen Standards erhalten: Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat in diesem Jahr erstmals Musterbedingungen festgelegt.

Die Versicherungen werden laut BKV immer öfter von Firmen angesprochen, die von Cyber-Angriffen betroffen waren – wie jüngst durch den WannaCry-Virus, der weltweit Hunderttausende von Computern verseuchte und lahmlegte – sogar in Krankenhäusern. Doch der Markt ist in Deutschland noch eher zurückhaltend. Während US-Unternehmen für Cyber-Versicherungen im vergangenen Jahr fast drei Milliarden US-Dollar ausgaben, wird das Volumen in Deutschland bisher nur auf rund 100 Millionen Dollar geschätzt. In Deutschland gebe es einen „extremen Nachholbedarf“, bilanzierte kürzlich das Handelsblatt. In den USA gehöre die Cyber-Versicherung indes schon zum Standard-Repertoire.

Der BKV erwartet, dass zumindest deutsche Unternehmen bald nachziehen: „Die Sparte hat mittel- bis langfristig durchaus hohe Wachstumspotenziale.“ Der Bundesverband fordert deshalb die Versicherungswirtschaft auf, angemessene Konzepte anzubieten – und zwar nicht nur für Gewerbekunden, sondern auch für den Privatbereich – zum Beispiel durch eine Erweiterung in den Hausratversicherungen. Denn, so heißt es in einer Stellungnahme des BKV: „Schließlich kommen die cleveren Einbrecher heutzutage nicht mehr durchs Fenster, sondern über das Internet auf den heimischen Computer und räumen das Online-Bankkonto leer.“

Bei Unternehmen kann ein Cyber-Angriff indes ungleich größeren Schaden anrichten. Die Gefahr wird offenbar unterschätzt: Nach der Analyse eines Institutes der Universität München sind vor allem kleine und mittelständische Firmen nicht ausreichend gegen Cyber-Attacken geschützt. Das Munich Risk and Insurance Center stellte fest, dass in den vergangenen zwei Jahren jedes zweite Unternehmen Opfer eines Cyber-Angriffs wurde.

Die Folgen sind immens: In Deutschland verursachen Internet-Kriminelle jährlich Schäden in Höhe von circa 55 Milliarden Euro, heißt es in der Untersuchung – das sind fast zwei Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes.

Und was ist mit den privaten Internet-Surfern? 80 Prozent planen derzeit nach einer Umfrage von VersicherungsJournal.de noch nicht, eine Cyber-Versicherung abzuschließen – das Risiko, Opfer einer Attacke aus dem Internet zu werden, schätzen 39 Prozent der Umfrageteilnehmer für sich selbst niedriger ein als für andere. Doch die Erhebung zeigte auch: Die Angst vor Datenraub nimmt zu. Jeder fünfte Befragte sieht in Datendiebstahl das größte Risiko beim Surfen im Internet. Die Angst vor Viren, lange Spitzenreiter, folgt nur noch auf Platz zwei.

So bewertet das Marktforschungsinstitut YouGov in einer eigenen Studie das Potenzial, Cyber-Versicherungen bei Privatleuten zu vermarkten, aus der entgegengesetzten Perspektive: Zwar hätten 80 Prozent nicht vor, eine solche Versicherung abzuschließen – doch das bedeutet im Umkehrschluss: Immerhin rund jeder fünfte Internetnutzer kann es sich schon vorstellen. „Hier verschenken die Versicherer Potential“, meint YouGov. Denn zurzeit sei nur ein Prozent der privaten Nutzer tatsächlich mit einer Cyber-Versicherung abgesichert.

Eine passende Zeit, über einen Abschluss nachzudenken, steht bevor. Denn jetzt beginnt das Weihnachtsgeschäft – auch online. Nach einer Studie der Universität Regensburg steigt die Gefahr von Cyber-Angriffen im Dezember deutlich

Die Rente ist besser als ihr Ruf

Mit 20 Jahren

Rentner? Ich? Das ist Lichtjahre weg. Aber wer jetzt nicht darüber nachdenkt, wird es wahrscheinlich erst in Jahrzehnten und damit zu spät tun. Die heute 20-Jährigen werden laut der Uni Freiburg im Schnitt nur noch 38 Prozent ihres letzten Gehalts als Rente bekommen. Außerdem beginnt das Berufsleben immer später, Ausbildungs- und Praktikantenjahre oder Auslandsaufenthalte bringen wenig für die Rente. Je früher man systematisch etwas beiseitelegt, desto kleiner kann der Betrag sein. Außerdem macht der Zinseszinseffekt über die Jahre die Arbeit leichter.

Mit 30 Jahren

Es ist die Zeit, in der vielleicht Kinder kommen und das Erwerbsleben etwas durcheinandergerät. Im Blick behalten sollte man die Folgen von Babypause, Elternzeit und möglicherweise Teilzeitjobs. Die Rentenversicherung läuft zwar weiter, bringt später aber weniger Entgeltpunkte als eine Vollzeitarbeit. Jetzt ist noch viel Zeit, mit regelmäßigen kleinen Beträgen anzusparen. Das Risiko – und damit die Renditechance – zum Beispiel bei der Fondsauswahl kann etwas höher sein, weil noch genug Zeit zum Ausgleich von Verlusten bleibt. Oder man investiert in den Hausbau.

Mit 40 Jahren

Jetzt wird es aber Zeit! Wer bis hierher noch nicht über sein Alter nachgedacht hat, sollte Bestandsaufnahme machen. Der erste Blick in die stets beiseitegelegte Renteninformation dürfte ernüchternd sein. Nach einer Studie der Uni Freiburg werden die heute 35- bis 49-Jährigen nur 43 Prozent ihres letzten Gehalts als gesetzliche Rente erhalten. Noch bleibt Zeit, privat anzusparen, aber man sollte zunehmend die Risiken einer Anlage in den Blick nehmen. Wer Geld übrig hat, kann bis zum Alter von 45 Jahren Beiträge für Ausbildungszeiten im Rentenkonto aufstocken.

Mit 50 Jahren

Muss ich wirklich bis zum letzten Tag arbeiten? Die gesetzliche Rente sieht für die über 50-Jährigen noch relativ gut aus, gleichzeitig wird die Zeit zum Ansparen knapp. Wer das mit riskanteren Anlagen ausgleichen will, hat womöglich gerade Pech, wenn er das Geld mit 67 braucht. Doch schon jetzt kann man durch Zusatzbeiträge Lücken schließen, die Abschläge bei vorzeitiger Rente reißen. Die Rentenversicherung verspricht 2,5 bis 3 Prozent Rendite auf diese Einzahlungen. Überlegt man es sich anders und geht doch später in Rente, fällt diese trotzdem höher aus.

Mit 60 Jahren

Der Drops ist gelutscht. Wer ein einigermaßen vollständiges Erwerbsleben hinter sich hat, kann entspannt bleiben. Aber für manchen ist dies die Zeit des bösen Erwachsens, und viel ist nun nicht mehr zu ändern. Wer finanzielle Reserven hat und sich noch auf ein langes Leben einstellt, kann über eine Sofortrente nachdenken. Sie wird nicht lange angespart, sondern basiert auf einer Einmalzahlung. Im Gegenzug gibt es lebenslang eine monatliche Rente. Weil dieses Produkt wie andere auch unter niedrigen Zinsen leidet, findet die Stiftung Warentest nur noch wenige empfehlenswert.

„Die Rente ist besser als ihr Ruf“

„Die Rente ist sicher“, sagte der einstige Arbeitsminister Norbert Blüm. Das ist sie auch, aber einen komfortablen Lebensabend garantiert sie keineswegs. Macht man sich das klar, fällt das Sparen umso leichter.

 

Von Stefan Winter

Rentner scheint es nur in zwei Formen zu geben: In der Werbung begegnen sie uns als „Silver Surfer“, die teure Pullover tragen und den ganzen Tag mit ihren Enkeln Drachen steigen lassen. In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen dagegen laufen sie als abgerissene Gestalten herum, denen massenhafte  Armut droht.

Die Wahrheit liegt meist dazwischen, aber wo man sich selbst eines Tages einsortieren wird, hängt mehr denn je von rechtzeitiger Planung ab. Denn unstrittig ist, dass die nächste Generation durch die gesetzliche Rente nicht so gut versorgt sein wird wie die aktuellen Rentner. Im sogenannten Umlagesystem übernimmt die gerade arbeitende Generation die Versorgung der Rentner, und hier schlagen Babyboom und Pillenknick voll durch: Heute stehen 100 Berufstätigen 44 Rentner gegenüber. Im Jahr 2050 könnten es 78 Ruheständler sein. Damit die Beiträge für die Rentenversicherung dann nicht ins Astronomische steigen, wird das Rentenniveau sinken.

Für einen Abgesang auf das Rentensystem sieht der Wirtschaftsprofessor Bernd Raffelhüschen dennoch keinen Anlass. „Unsere Rente ist viel besser als ihr Ruf“, sagt er. „Sie ist leistungsgerecht und nachhaltig.“ Allerdings meint der 60-jährige Professor nicht die staatliche Rente allein. Raffelhüschen ist seit eh und je Verfechter der privaten Zusatzversorgung. „Die gesetzliche Rente bleibt über das Jahr 2030 die tragende Säule der Altersvorsorge – aber erst die private Vorsorge sichert den Lebensstandard.“

Aber wie viel Geld wird man dafür eigentlich eines Tages brauchen? In Umfragen hoffen die Befragten meist auf 60 bis 80 Prozent ihres Bruttoeinkommens, um den Lebensstandard auch als Rentner halten zu können. Raffelhüschen rechnet mit 60 Prozent, was die über 50-Jährigen nach seiner Studie  größtenteils erreichen werden. Die Jüngeren müssen dagegen Lücken von einigen Hundert Euro im Monat schließen. Das gilt erst recht für Geringverdiener. Sie erreichen zwar eine relativ hohe Quote – aber wem hilft es, wenn 70 Prozent des früheren Gehalts keine 700 Euro sind?

Schon jetzt gilt als sicher, dass sich die Zahl der Rentner, die von der Grundsicherung leben müssen, in den nächsten Jahren verdoppeln wird – weil viele Menschen zu wenig verdienen oder zu oft arbeitslos sind, um genug Geld in die Rentenkasse einzahlen zu können. Daran ändern auch die Gesetzesänderungen der vergangenen Jahre wenig. Von der Rente mit 63 profitiert nur, wer mit 45 Beitragsjahren ohnehin gut abgesichert ist – abgesehen davon, dass in aktuellen Koalitionsgesprächen schon Forderungen nach ihrer Abschaffung laut wurden.

Es hilft also nichts: Wer im letzten Viertel des Lebens nicht jeden Cent dreimal umdrehen will, muss sich rechtzeitig Gedanken machen. Dazu gehört das private Sparen durch Investmentfonds – das geht auch mit regelmäßigen kleinen Beträgen oder durch den Kauf einer Immobilie.

Daneben gibt es zwei staatlich geförderte Wege der Altersvorsorge: Die betriebliche Altersvorsorge wurde gerade verbessert, ist aber in den östlichen Bundesländern bei weitem noch nicht so verbreitet wie im Westen. Für alle dagegen gibt es die Riester-Rente, wo Geld in Sparpläne, Rentenversicherungen oder Immobiliendarlehen gesteckt wird. Sie wird zwar immer wieder wegen komplizierter Verträge und relativ hoher Vermittlerprovisionen kritisiert,  garantiert aber wenigstens staatliche Hilfe beim Sparen. Es gibt jährlich 154 Euro Grundzulage, ab 2018 sollen es 175 Euro sein. Außerdem gibt es bis zu 300 Euro pro Kind. Gleichzeitig werden Einzahlungen von der Steuer abgesetzt.

Ein Konstruktionsfehler wurde wenigstens teilweise beseitigt: Vom nächsten Jahr an wird sie nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet. Wer nur eine kleine gesetzliche Rente bekommt, darf bis zu 100 Euro monatlich aus freiwilliger Altersvorsorge behalten. Doch so tief scheinen viele Betroffene gar nicht erst ins Thema einzusteigen: Nur rund die Hälfte der Berechtigten hat überhaupt einen Riester-Vertrag abgeschlossen.


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des  Bruttoeinkommens beträgt derzeit der Rentenbeitragssatz.

Die gesetzliche Rente bleibt die tragende Säule der Altersversorgung. Aber erst  private  Vorsorge sichert den Lebensstandard.

Bernd Raffelhüschen

Finanzwissenschaftler

Eine Frage der Berechnung

Entscheidend ist, was am Ende rauskommt – und das ist kompliziert

Von Stefan Winter

Wer in die Rentenversicherung eingezahlt hat, erwirbt einen Anspruch auf Zahlung einer gesetzlichen Rente. Im Moment beträgt der Beitragssatz 18,7 Prozent des Bruttoeinkommens, der je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt wird. Über der Beitragsbemessungsgrenze von 6350 Euro monatlich im Westen und 5700 Euro im Osten steigt der Beitrag nicht mehr.

Wie hoch die Rente ausfällt, hängt von der Höhe der Beiträge und der Dauer der Einzahlung  ab. Beides wird in Entgeltpunkte umgerechnet. Wer in einem Kalenderjahr so viel verdient hat wie der Durchschnitt der Versicherten, erhält dafür einen Entgeltpunkt. Für höhere oder niedrigere Einkommen – und damit Beitragszahlungen – gibt es entsprechend mehr oder weniger Punkte. Entgeltpunkte gibt es auch für beitragsfreie Zeiten, durch Einmalzahlung von Beiträgen kann man auch Punkte erwerben.

Die sogenannte Standardrente oder auch Eckrente ist für die meisten Menschen nicht mehr Standard: Sie bezeichnet den Anspruch eines Versicherten, der 45 Jahre lang immer so viel verdient hat wie der Durchschnitt, also 45 Entgeltpunkte gesammelt hat. Im vergangenen Jahr ergab das 1197 Euro Rente pro Monat. Setzt man diese Eckrente ins Verhältnis zum aktuellen Durchschnittsgehalt aller Versicherten, erhält man das Rentenniveau. Es liegt derzeit bei 47,9 Prozent – aber eben nur für den Musterfall im Vergleich zum Durchschnitt. Man kann mit dieser Zahl nicht den eigenen Rentenanspruch ausrechnen.

Die Ansprüche werden für jeden Versicherten in einem Konto dokumentiert. Er erhält jährlich eine Renteninformation mit dem aktuellen Stand seiner Ansprüche und einer Hochrechnung unter der Annahme, dass sein Berufsleben weiterläuft wie bisher.

Erst der Antrag, dann die Rente – ohne Hilfe geht es kaum

Der Versichertenälteste ist nicht das älteste Mitglied einer Versicherung. Er hilft anderen Menschen kostenlos, die Rente zu beantragen. Martin Ritter aus Wöhle ist so ein Helfer. (Foto: Kaiser)

von Andrea Hempen

Oh Gott, worauf hast Du dich da eingelassen?“, diese Frage stellte sich Martin Ritter bei der Schulung zum Rentenberater. Eine irre schwierige Materie, in die sich der Wöhler einarbeiten wollte. Das ist 20 Jahre her. Seit dem gab es manche Reform. Immer wieder hieß es für Ritter und die anderen ehrenamtlichen Kollegen: lernen. „Mir macht das Thema richtig Spaß“, sagt der 69-Jährige. Er kümmert sich darum, dass Menschen nach dem Arbeitsleben ein sicheres Einkommen haben.

Wenn die Zeit gekommen ist und das Berufsleben sich dem Ende neigt, dann muss man einen Rentenantrag stellen. Von alleine passiert sonst gar nichts. Da die Rentenanträge sehr kompliziert sind, rät auch die Deutsche Rentenversicherung, sich Unterstützung zu holen. Entweder bei einem Versichertenältesten wie Martin Ritter, der die Aufgabe unentgeltlich übernimmt. So hält es auch die Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover am Kläpperhagen in Hildesheim. Oder der Betroffene sucht einen Rentenberater auf, der dann allerdings ein Honorar verlangt.

Als Ritter seine Beratertätigkeit angefangen hat, arbeitete er noch bei Bosch, war im Betriebsrat aktiv. Mittlerweile ist er Rentner, arbeitet dennoch vier bis acht Stunden am Tag. „Es gibt aber auch Tage, da habe ich frei“, sagt er. Beraten wird entweder im Büro in Wöhle oder Ritter macht einen Hausbesuch. Dabei hat er schon jede Menge erlebt. Einmal sei ihm ein Karton mit Unterlagen mit den Worten „da können Sie sich durcharbeiten“, auf den Tisch gestellt worden: Ritter, von Haus aus ein hilfsbereiter Mann, lehnte dieses „Angebot“ freundlich ab. Meistens aber wird seine Hilfe dringend gebraucht. Vor allem bei Sterbefällen. „Das Hinterbliebenenrecht ist sehr umfangreich“, erklärt der Fachmann. So erhält nicht jeder Ehepartner eine Witwenrente. Die Höhe des Einkommens, Anlagen, Eigentum – alles wird gegengerechnet.

Er erinnert sich an den Fall einer Frau auf dem Land. Vermögen besaß die Dame keines, sie hatte noch nicht mal ein eigenes Konto. „Das regelt alles mein Mann“, sagte die Frau. Ritter klärte sie auf, dass sie im schlimmsten Fall eines Tages ohne Bargeld dastehen könnte, weil sie keinen Zugriff auf das Konto des verstorbenen Mannes hätte. „Noch in Kittelschürze lief die Dame zur örtlichen Sparkasse und eröffnete ihr erstes Konto. Danach haben wir den Rentenantrag ausgefüllt“, erzählt sich Ritter.

Wie hoch die jeweilige Rente ausfällt? Grob gesagt 48 Prozent des letzten Einkommens. Doch das wird individuell nach erworbenen Rentenpunkten berechnet. Hilfsarbeiter, die unregelmäßiges Einkommen hatten, Frauen, die sich lange um Haushalt und die Kindererziehung gekümmert haben, erhalten nicht selten gerade einmal 300 Euro. Manchmal hat Ritter einen Kloß im Hals. Etwa wenn er seinem Gegenüber sagen muss, wie gering dessen Rente ausfällt. 800 Euro für einen Unternehmer, der sein ganzes Leben gearbeitet hat. „Das tut schon weh“, meint Ritter. Er sagt diesen Menschen, wo sie hingehen müssen, um Aufstockung zu bekommen. „Doch vielen ist das peinlich.“

Mitunter können sich die Betroffenen auch gar nicht selber kümmern. Wie etwa im Fall einer 48-jährigen Frau. Die Krankenkasse der Kundin war es, die Ritter in Gang setzte. Beim Hausbesuch traf Ritter dann auf eine bettlägerige Patientin, die beatmet werden musste. Der Rentenspezialist sammelte alle Arztberichte zusammen und beantragte für die Frau die Rente – mit Erfolg. Sonst hätte sie bald ohne einen Cent da gestanden, denn die Krankenkassen zahlen höchstens 78 Wochen Krankengeld. 30 Prozent von Ritters Arbeit machen die Erwerbsminderungsrenten aus. Ist jemand sieben Monate am Stück krankgeschrieben, kann er den Antrag auf Verrentung stellen. Auch wenn ein Mensch keine drei Stunden mehr am Stück arbeiten kann, hat er einen Anspruch auf Arbeitsunfähigkeit. Solange der Betroffene sechs Stunden arbeiten kann, muss er das auch. „Dann ist man auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelbar“, erklärt Ritter.

Bei ihrer Arbeit haben die Versichertenältesten auch immer die Fehlzeiten des Versicherten im Blick. Wie Detektive spüren sie denen nach. Nicht, dass ein oder zwei Monate Einfluss auf die Höhe der Rente hätte. „Es geht darum, ob etwas verloren ist“, erklärt Ritter. Ganz vorbildlich seien da die Osteuropäer, deren Arbeitsleben in persönlichen Büchern dokumentiert wird. Diese Bücher seien sehr penibel geführt. Und weil Ritter das weiß, konnte er einem gebürtigen Polen helfen. Der Mann wollte seine Rente beantragen. Konnte aber nur die Zeit vorweisen, die er in Deutschland gearbeitet hatte. „Besorgen Sie das Arbeitsbuch, das ist wichtig“, riet Ritter. Der Mann fuhr in seine alte Heimat und tatsächlich hatte man das Buch in der örtlichen Kommandantur für ihn aufbewahrt. Nun bekommt er eine polnisch-deutsche Rente.

Etliche Rentenanträge hat Ritter für türkische, italienische oder rumänische Menschen ausgefüllt. „Manchmal ist das etwas schwierig, wenn die Sprachkenntnisse schlecht sind“, so der Versichertenälteste. Doch dann besorgt er sich einfach Formulare in der entsprechenden Sprache. Und kreuzt nach der entsprechenden Kopfbewegung – nicken oder schütteln – an.

Mit 57,5 Jahren ist Ritter in Altersteilzeit gegangen. Seinen Rentenantrag hat er natürlich selber ausgefüllt. „Nur unterschreiben durfte ich den nicht“, sagt er und lacht. Mit dem Antrag in der Hand machte er sich auf den Weg zur Gemeindeverwaltung in Schellerten. Dort unterzeichnete der Gemeindebürgermeister Axel Witte – quasi als Sachbearbeiter – den Antrag.

Kluge Autos fahren besser

 

 
 

 

 

Von Gerd Piper

Fahrerassistenzsysteme sind in den Augen der Automobilindustrie ein Segen der elektronischen Revolution, die gerade dabei ist, etliche Lebensbereiche von Grund auf zu verändern. Sie hat aus dem Auto konventionellen Zuschnitts eine hochkomplexe Hightech-Maschine gemacht, die dem Grundsatz folgt, die Sicherheit im Verkehr zu verbessern. Was einmal mit einem Piepsen als Einparkhilfe begann, umfasst inzwischen mehrere Dutzend Systeme, die miteinander vernetzt sind und sich ergänzen. Allerdings leidet der rasante Fortschritt daran, dass die neuen Technologien beim Kunden nicht so recht ankommen. Dabei gibt es keine Alternative. Denn Fahrerassistenzsysteme sind die Bausteine, aus denen sich das autonome Fahren zusammensetzt. Bis es so weit ist, wird es zwar noch einige Zeit dauern, doch die Entwicklung ist unumkehrbar.

„Die Sicherheit unserer Kunden steht bei Volkswagen an oberster Stelle, daher wird die Serienausstattung unserer Modelle kontinuierlich um weitere Sicherheitsausstattungen ergänzt“, sagt VW-Sprecher Christian Buhlmann. Und sein Mercedes-Kollege Steffen Schierholz ergänzt: „Tatsächlich erfreuen sich alle unserer angebotenen Assistenzsysteme einer hohen Nachfrage.“ Das klingt gut, doch Zweifel sind erlaubt. Auch wenn die Hersteller keine offiziellen Angaben machen, scheinen Anspruch und Wirklichkeit gegenwärtig noch weit auseinanderzuliegen: Zwar werden Fahrerassistenzsysteme in Neuwagen abhängig von der Fahrzeugklasse tatsächlich verkauft, doch nach Erkenntnissen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates von den Kunden kaum genutzt. Und auf die Frage, wie viel Fahrzeuge prozentual überhaupt zusätzlich mit Sicherheitssystemen aus der Ausstattungsliste bestückt werden, antwortet Quirin Sterner, Leiter Entwicklung vorausschauende Sicherheitsfunktionen bei der Audi AG in Ingolstadt: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir hierzu keine konkreten Zahlen nennen können.“ Dennoch wird in den Entwicklungsabteilungen der Premiumhersteller wie Audi, BMW, Mercedes oder Volvo verbissen um die technologische Vorherrschaft bei den Assistenzsystemen gekämpft.

„Unser neues Flaggschiff, der Audi A8, setzt mit mehr als 40 Fahrerassistenzsystemen eine neue Bestmarke im Wettbewerb – vom Parkplatz über den Stadtverkehr bis hin zur Autobahn machen sie das Fahren noch komfortabler, souveräner und sicherer“, sagt Sterner. Dass der Fahrer kaum in der Lage sein dürfte, sämtliche Systeme zu bedienen, geschweige denn sie zu verstehen, spielt dabei keine Rolle. Je höher der Einbaugrad an Elektronik, desto größer ist die technologische Kompetenz. Folgerichtig werden neue Systeme zuerst in den oberen Fahrzeugklassen eingebaut und dann im Zuge der Demokratisierung nach und nach an die unteren Segmente durchgereicht – Sicherheit soll schließlich für alle verfügbar sein. Doch es gibt ein großes Problem: Zwar beteuern alle Hersteller, dass die Verkäufer ihrer jeweiligen Handelspartner intensiv für die neuen Assistenzsysteme geschult werden, doch die Praxis sieht anders aus. Auch hier weiß der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, dass Händler die Assistenzsysteme oft nicht erklären können, weil sie teilweise selbst nicht wissen, wie sie funktionieren. Wer früher etwas zu PS-Zahlen, Drehmoment und Reifengrößen sagen konnte, wird nicht im Handumdrehen quasi über Nacht zum Fachmann für Radarsensoren, Kameras und Lasertechnik.

Bleibt eine Frage: Welche Assistenzsysteme sind heute denn wirklich sinnvoll? Der Abstandsregler Adaptive Cruise Control mit Notbrems- sowie Stop-Start-Funktion ist nach Ansicht vieler Fachleute das wichtigste Sicherheitssystem nach dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP. Der Computer folgt dem Vordermann, lenkt und bremst ab bis zum Stillstand und fährt auch wieder eigenständig an. Eine wirkliche Hilfe im nervigen Stop-and-go-Verkehr. Außerdem erkennt die Notbremsfunktion Hindernisse und reagiert entsprechend. Auch eine 360-Grad-Kamera ist im Alltag eine wertvolle Hilfe. Vier Kameras generieren für den Fahrer eine Sicht auf das Fahrzeug aus der Vogelperspektive, sodass er beispielsweise beim Einparken jederzeit im Bilde ist, wo sich sein Fahrzeug befindet und wie die Abstände zu möglichen Hindernissen sind. Ein Verkehrszeichenassistent erinnert den Fahrer im Cockpit daran, ob er sich gerade in einer Überholverbotszone befindet und wie hoch das Tempolimit auf dem jeweiligen Streckenabschnitt ist. Ein Head-up-Display gehört nicht zwangsläufig zu den „Must-haves“, erleichtert aber die Arbeit am Steuer, weil alle relevanten Fahrzeuginformationen in die Windschutzscheibe in inzwischen brillanter Qualität eingespiegelt werden. Klassische Einparkhilfen mit akustischer oder optischer Unterstützung, mit denen heute die meisten Neuwagen ausgestattet sind, haben die Zahl der Blechschäden dagegen nicht verringert. Das hat eine Untersuchung der Versicherung HUK-Coburg ergeben, des größten deutschen Autoversicherers.

Bis zum unfallfreien Fahren, dem erklärten Ziel der Automobilindustrie, dürfte es nach dem Stand der Dinge noch ein ziemlich weiter Weg sein. Zwar ist eine neue, bessere Generation an Sensoren in Vorbereitung, doch noch bremsen schlechtes Wetter, fehlende Fahrbahnmarkierungen und nicht zuletzt der Mensch als Unsicherheitsfaktoren die Zukunft ein.


 

Beim Autofahren legal das Handy nutzen? Was Bosch dazu in Hildesheim entwickelt hat

Im Auto das Handy benutzen zu können, ohne damit sich oder andere zu gefährden: Das will Bosch mit einer neuen App ermöglichen. Und zwar made in Hildesheim. (Foto: Abu Ajamieh)

von Tarek Abu Ajamieh

Man ist schon auf dem Rückweg vom Einkaufen, da piept das Handy kurz. Eine WhatsApp-Nachricht. Ist der Frau noch etwas aufgefallen, was man mitbringen soll? Kurzer Blick aufs Handy: „Kannst du noch Zwiebeln kaufen?“ Oder auf dem Heimweg von der Arbeit. Es klingelt. Kurzer Blick aufs Mobiltelefon – oh, das Büro! Bestimmt nur eine kleine Unklarheit, schnell mal rangehen. Oder auf der Fahrt in eine Stadt, die man nicht so oft besucht: Doch lieber das Navi einschalten. Programmieren an der nächsten Ampel. Aber die schaltet zu schnell auf Grün. Beim Anfahren noch weiter die Zieladresse eingeben …

So geht das auf Deutschlands Straßen, ja weltweit täglich millionenfach. Wohl jede Sekunde greifen irgendwo in der Bundesrepublik Menschen am Steuer zu ihrem Handy, obwohl das verboten ist.

Wie kann ein Autofahrer sein Handy nutzen, ohne dass er sich oder andere gefährdet? Diese Frage treibt auch den Automobilzulieferer Bosch um, konkret dessen Hildesheimer Tochtergesellschaft Bosch SoftTec. Deren Entwickler auf dem Phönix-Gelände haben seit rund anderthalb Jahren an einer Lösung getüftelt, seit Monaten sind ihre Testfahrer unerkannt in der Stadt unterwegs. Ende dieses Monats veröffentlichen sie ihr Ergebnis – eine App, die schon mit ihrem Namen deutlich macht, dass sie ein grundsätzliches Problem lösen soll: die „Bosch Driving App“.

Gerrit de Boer sitzt in einem Auto und hat beide Hände fest am Lenkrad. Das Handy hängt in einer Halterung am Armaturenbrett. Ohne den Blick von der Straße zu wenden, streicht de Boer kurz mit seiner Hand vor dem Handy entlang, hat sofort wieder beide Hände am Steuer. Und sagt: „Öffne Kontakte!“ Auf dem Display öffnet sich ein neues Fenster. De Boer nennt einen Namen, sagt „anrufen!“. Es tutet, wenig später beginnt ein Gespräch. Als es zu Ende ist, lässt sich de Boer mit weiteren Kommandos die Navigation zu einer Adresse in Berlin geben, ehe er sich einen Song über den Musikdienst Spotify aussucht. Er schaut kein einziges Mal zur Seite.

„Ablenkung“ ist inzwischen einer der häufigsten Gründe für tödliche Verkehrsunfälle in Deutschland. Einen großen Anteil daran hat die Ablenkung durch Handys, jenes mitunter nur sekundenkurze Abwenden des Blickes von der Straße. In einer Gesellschaft, die einerseits immer mobiler wird und die andererseits immer mehr Druck empfindet, ständig erreichbar zu sein. Und wenn es fürs Zwiebelkaufen ist.

Viele tun es – obwohl alle wissen, dass es verboten ist. Vor ein paar Monaten hat das Karsten Lemmer, Vorstand der Deutschen Luft- und Raumfahrtgesellschaft (DLR), einmal so auf den Punkt gebracht: „Ganz ehrlich – wer hat nicht doch schon mal beim Fahren eine SMS gelesen?“ Lemmer warb in diesem Zusammenhang für autonom fahrende Autos, sein Satz fiel bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Teststrecke in der Region.

„Wir wissen, dass Autofahrer Handy-Inhalte bei der Fahrt nutzen wollen“, erklärt Marketing-Chef Kay Herget die Entstehungsgeschichte der „Driving App“ bei Bosch SoftTec. „Es ging darum, dafür einen Weg zu finden – und das so sicher wie möglich.“ Und nicht nur Autofahrer: Eine Studie von Bosch SoftTec hat ergeben, dass rund 40 Prozent der Motorradfahrer auf ihrem Fahrzeug das Handy nutzen – eine Zahl, die das Unternehmen selbst fast ein wenig geschockt hat.

Die Bosch-Entwickler gingen bei der Entwicklung der App ein Stück weit von ihrer Plattform „mySpin“ aus, die sie 2014 auf den Markt brachten und die ebenfalls die Nutzung des Handys im Auto ermöglicht – allerdings über eine feste Installation im Neuwagen. Die neue App soll dazu führen, dass auch Autofahrer, deren Wagen älter als zwei Jahre sind – auf Deutschlands Straßen gut 80 Prozent der Fahrzeuge, weltweit ist der Anteil noch weit höher – diese Technologie nutzen können.

Und zugleich an eine modernere Navigation gelangen können, als sie ihnen bisher zur Verfügung steht. Oder zumindest an eine, die weniger Datentransfer erfordert, weil das Kartenmaterial über die App „an Bord ist“ – was zudem dazu führt, dass Funklöcher keine Unterbrechung verursachen. Anders als mySpin, das Bosch über die Automobilhersteller vermarktet, ist bei der Bosch Driving App also der einzelne Kunde das Ziel.

Entwicklungschef de Boer ist vom Erfolg überzeugt: „Ich bin schon lange bei Bosch und habe schon einige Produkte mitentwickelt und auf Messen präsentiert“, erzählt der 51-jährige Hildesheimer. „Bei dieser App bin ich mir sicher, dass das ein großer Erfolg wird.“ Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt hätten gerade Geschäftskunden begeistert reagiert. „Die meinten: Genau darauf haben wir gewartet“, freut sich de Boer. Schon aus Kostengründen. Als feste Installation im Neuwagen kostet das Ganze, ob nun bei Kauf oder Leasing, einen merklichen Aufpreis. Die App fürs Handy ist kostenlos und leistet weitgehend das gleiche.

Was zu der Frage führt, was Bosch von dem sicher erheblichen personellen und technischen Aufwand für die Entwicklung überhaupt hat. Laut Herget und de Boer ist die App eine Plattform für Mobilitätsdienste, die Bosch an App-Nutzer und Autohersteller vermarktet. Ein Beispiel sei der Falschfahrer-Warner auf Cloud-Basis, der davon lebe, dass viele Autofahrer miteinander vernetzt sind und so möglichst flächendeckend das Straßennetz im Blick haben können. Der Warner alarmiert sowohl den Falschfahrer als auch Autofahrer, denen er entgegenkommen könnte.

Von Ende dieses Monats an können Interessierte die „Bosch Driving App“ im Google Play Store herunterladen. In den nächsten Wochen will Bosch eventuelle Schwachstellen ausmerzen, ehe die App Anfang 2018 offiziell und mit einiger Werbung eingeführt werden soll. „Und zwar unter dem gleichen Namen“, betont de Boer. Eine Anspielung auf die Praxis, Apps erst einmal unter anderem Namen zu veröffentlichen, damit negative Kundenbewertungen angesichts von Startschwierigkeiten später nicht die fertige App unter ihrem tatsächlichen Namen belasten. Zunächst wird sie auf Deutsch und Englisch veröffentlicht.

Und danach weiterentwickelt. Ein Beispiel: Bisher kann der Autofahrer aus drei Standard-Reaktionen auf WhatsApp wählen. Nächstes Jahr soll er auch individuelle Antworten diktieren können.

Bleibt die nicht nur für Bosch, sondern für alle Autofahrer spannende Frage: Sind die potenziellen Nutzer geduldig genug, sich in die App hineinzufuchsen und sich daran zu gewöhnen, wenn sie im Gegenzug weniger Angst vor Unfällen oder Bußgeldern haben müssen?

 

Sicher durch Laub und Nässe

Ohne Licht sind Radfahrer bereits an dunklen Herbstnachmittagen praktisch unsichtbar.

Hannelore Herlan

Deutsche Verkehrswacht

Mit Blinklight sicher auf dem Rad

Wer sich als Radfahrer partout nicht zu einer Jacke in knalligen Farben oder einer Warnweste hinreißen lassen kann, dem sei Blinklight empfohlen: Durch den intelligenten LED-Streifen fallen Fahrradfahrer im Straßenverkehr mehr auf. Blinklight wird, ähnlich wie ein Gürtel, etwas oberhalb der Hüfte getragen. Über eine dazugehörige Fernbedienung, die am Lenkrad befestigt wird, können die LED gesteuert werden. So gibt es unter anderem eine Blinkfunktion und ein Bremslicht, welches aufleuchtet, sobald die Geschwindigkeit verringert wird. Geladen wird der Streifen per USB-Kabel binnen 20 Minuten. Das reicht für eine Leuchtdauer von drei bis vier Stunden.

Sicher durch Laub und Nässe

Der Herbst verlangt dem Radfahrer einiges ab: Draußen ist es kalt, windig, dunkel und rutschig. Um sicher und komfortabel von A nach B zu kommen, müssen Mensch und Maschine aufrüsten.

Von Alexander Salenko

Laubberge am Fahrradweg, die frühe Dämmerung und der Nieselregen – das Fahrradfahren im Herbst hat es in sich. Wenn die Bäume ihre Blätter fallen lassen, trauen sich viele mit ihrem Rad nicht mehr auf die Straße. Um auf zwei Rädern sicher und komfortabel durch den Herbst zu kommen, muss man allerdings nicht besonders abgebrüht sein. Entscheidend ist die richtige Vorbereitung.

Die größte Gefahr für die Radfahrer sind Autos. Drei Viertel der Fahrradunfälle mit Personenschaden sind laut Statistischem Bundesamt auf die Kollision mit einem Auto zurückzuführen. Meist kommt der Autofahrer dabei mit dem Schrecken davon, Radfahrer hingegen erleiden oftmals schwere Verletzungen. Daher ist es für den Fahrradfahrer in der dunklen Jahreszeit besonders wichtig, auf sich aufmerksam zu machen.

Schon bei Tageslicht sind Radfahrer auf den Fahrradwegen für den Autofahrer nur schwer zu sehen – Bäume und parkende Autos verdecken die Sicht. Wenn der Radfahrer bei Dunkelheit zudem ohne Licht unterwegs ist, sind Unfälle programmiert. Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht rät deswegen, das Licht am Rad stets vor der Fahrt zu kontrollieren und schon bei Dämmerung anzuschalten. „Im Herbst kann es schon am Nachmittag plötzlich sehr dunkel werden. Ohne Licht sind die Radfahrer dann praktisch unsichtbar.“

Die Straßenverkehrsordnung schreibt Fahrradfahrern indes vor, das Rad bei Dunkelheit ausreichend zu beleuchten: weißes Licht vorn, rotes Licht hinten, dazu entsprechende Reflektoren. Auch batteriebetriebene Lämpchen und Akkuleuchten sind erlaubt, sofern sie am Fahrrad angebracht sind. Das Frontlicht müsse eine Lichtstärke von mindestens zehn Lux aufweisen, erklärt Ronald Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Moderne LED-Modelle sind sogar teilweise deutlich heller. Lämpchen am Helm oder Körper sind allenfalls eine Ergänzung, blinkendes Licht bleibt verboten.

Besonders in unbeleuchteten Parks oder auf dunklen Waldwegen ist es wichtig, auch selbst etwas sehen zu können. Dazu müsse das Licht richtig eingestellt sein, sagt Huhn. „Die Leuchte muss auf den Boden zeigen. Der Lichtfleck sollte in ungefähr fünf Metern Entfernung zu sehen sein.“ So könne man selbst die Fahrbahn einsehen und vermeide es, Rad- und Autofahrer zu blenden.

Ob Akkuleuchte oder ein Dynamo, sei reine Geschmackssache, sagt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband. Sportliche Radfahrer bevorzugen aus Gewichtsgründen die abnehmbaren Leuchten, City-Biker setzen auf Dynamos. Nabendynamos seien dabei besser als die klassischen Seitenläuferdynamos, die am Reifen anliegen. „Ein Nabendynamo ist ein geschlossenes System und deswegen nahezu wartungsfrei“, so Eisenberger. Für Kinder seien besonders Systeme mit Lichtautomatik geeignet, rät Fahrradexperte Huhn. Wenn es draußen dunkel wird, schalten sie die Leuchten selbst ein – sowohl am Abend als auch in Unterführungen.

Bei glatter Fahrbahn kann es sinnvoll sein, den Reifendruck bis zum erlaubten Minimalwert zu verringern. Dieser Wert steht am Reifen selbst. Niedriger Druck vergrößert die Auflagefläche des Reifens und damit die Bodenhaftung. Spezielle Winterreifen oder gar Spikes seien im Herbst allerdings nicht zu empfehlen, sagt Roland Huhn. „Sie helfen bei vereister Fahrbahn, jedoch nicht bei Nässe.“ Die Bremsen müssen optimal eingestellt sein, da der Bremsweg auf nassem Untergrund deutlich länger wird. Scheibenbremsen sind dabei weniger anfällig für Nässe als Felgenbremsen.

Bei Pedelecs und E-Bikes müsse man sich heute keine besonderen Gedanken im Herbst oder Winter machen, meint David Eisenberger: „Moderne Akkus bleiben bei Minusgraden leistungsfähig. Auch bei einer längeren Tour durch die Stadt wird Ihnen der Strom nicht ausgehen.“ Möglich seien Reichweiten von über 100 Kilometern. Nur wer sein E-Bike länger draußen stehen lasse, sollte den Akku rausnehmen, so der Verbandssprecher – wegen der Kälte, aber auch wegen der Diebstahlgefahr.

Um die Sichtbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen zu erhöhen, rät Hannelore Herlan zu heller Kleidung auf dem Fahrrad. Im Lichtkegel eines Autos sei ein Radler in weißer Jacke oder Warnweste viel besser zu sehen als in dunkler Kleidung. Besonders wichtig seien Reflektoren an Armen und Füßen, sagt Roland Huhn. „Beim Fahren bewegen sich diese Reflektoren. Tests haben ergeben, dass Autofahrer dabei schon aus großer Entfernung erkennen, dass es ein Mensch ist, der sich da bewegt.“

Der Fahrradexperte betont auch die Wichtigkeit eines Helms. Er kann zwar keine Unfälle verhindern, schützt aber den Kopf vor schweren Verletzungen, wenn ein Fahrradfahrer stürzt. „Nahezu alle Fahrradhelme auf dem Markt erfüllen die Norm. Diese ist aber schon 20 Jahre alt“, sagt Huhn. Er rät, auf die Ergebnisse der Stiftung Warentest zu achten. Sie stellt höhere Sicherheitsanforderungen an die Helme – vor allem, was den Schutz der Schläfen angeht.

Trotz der kälteren Temperaturen sollten sich Fahrradfahrer nicht so warm kleiden wie die Fußgänger, sagt Roland Huhn: „Statt zwei Pullis lieber nur einen anziehen.“ Hat man zu viel Kleidung an, beginnt man schon nach wenigen Kilometern zu schwitzen. Das schnelle Abkühlen nach der Fahrt macht anfällig für Infekte. Der Verkehrsclub Deutschland rät zur dünnen, atmungsaktiven und winddichten Kleidung. Bei Regen halten Poncho oder Regenjacke sowie Regenhose mit atmungsaktiver Membran trocken.

Anders verhält es sich bei Händen und Füßen. Sie frören beim Radfahren besonders schnell und brauchten Schutz, sagt Huhn. Der kalte Fahrtwind trocknet die Haut an den Händen aus und macht sie brüchig. Daher sollten Radfahrer im Herbst Handschuhe tragen. Kleiner Tipp: Fäustlinge halten die Hände besonders warm. Erst bei längeren Strecken sei es laut  ADFC-Experte sinnvoll, spezielle Überschuhe anzuziehen.

Es kann durchaus Spaß machen, durch goldenes Laub zu fahren, allerdings nur, wenn es trocken ist. Wurde der Radweg länger nicht gefegt, wird die Laubschicht mit der Zeit feucht und modderig. „Glitschig wie Seifenlauge“, sagt Huhn, der selbst viel Rad fährt. Bei solch einem Untergrund raten Experten zu großer Vorsicht: langsam fahren, keine scharfen Kurven, kein abruptes Bremsen. Andernfalls rutscht das Hinterrad ganz schnell weg. Stahlbrücken, Holzbohlen und Kopfsteinpflaster seien auch ohne Laub sehr glatt bei Nässe und daher zu meiden. „Straßenbahnschienen sind bei Regen noch tückischer als sonst. Es ist gefährlich, sie sogar im richtigen Winkel zu queren“, so Ronald Huhn.


Die meisten Helme schützen gut

Nahezu jeder zweite Fahrradhelm ist  sicher– nur wenige Modelle konnten  die Tester gar nicht überzeugen.

Obwohl es immer wieder Fahrradunfälle mit schweren Kopfverletzungen gibt, ist das Tragen eines Fahrradhelms bis dato keine Pflicht. Dennoch entscheiden sich inzwischen viele Radler – mal abgesehen von der Altersgruppe der über 70-Jährigen (dort sind es nur 25 Prozent) – für das Tragen eines Helms. Denn, so bestätigen es auch die Tester der Stiftung Warentest: Selbst ein mittelmäßiger Helm schützt besser als gar kein Helm – vor allem an den neuralgischen Punkten Stirn und Schläfe.

Während 2015 noch zahlreiche Helme beim Schutz dieser empfindlichen Kopfbereiche im Test durchfielen, haben zahlreiche Hersteller inzwischen nachgebessert. Im aktuellen Test reichten viele Helmschalen an den Seiten deutlich weiter nach unten.

Erfreulich auch das Gesamtergebnis: Sieben der aktuell 15 getesteten Fahrradhelme schnitten mit der Gesamtnote „gut“ ab, allen voran der Casco Activ 2 – mit einem Gesamtergebnis von 1,7 ist er der aktuelle Testsieger. Der Helm überzeugte die Prüfer nicht nur, weil er sehr gut vor Kopfverletzungen schützt, sondern weil er obendrein auch noch sehr angenehm sitzt und reichlich Fahrtwind durchlässt – ebenso wie der Zweitplatzierte, der Cratoni Pacer.

Neben einem breiten Mittelfeld konnte einzig der Overade Plixi die Tester nicht so recht überzeugen – als einziger Falthelm im Feld bot er nur ausreichenden Schutz für den Kopf und ließ sich obendrein auch nur schwer an die Schädelform anpassen. Im Bereich „Konstruktion, Belastbarkeit von Riemen und Schloss“ fiel er mit einem mangelhaften Ergebnis zudem gleich ganz durch.

Die besten Helme für den Nachwuchs

Nahezu durchgesetzt hat sich das Tragen eines Fahrradhelms bei den unter Zehnjährigen: Rund zwei Drittel der Kinder dieser Altersstufe sind mit einem Helm unterwegs. Und auch hier kamen die Tester zu einem erfreulichen Ergebnis: Etwa die Hälfte der geprüften Kinderfahrradhelme schützte gut vor Verletzungen. Besonders positiv fiel den Testern der Nutcase Little Nutty auf. Er überzeugte in den entscheidenden Bereichen Unfallschutz und Handhabung von allen getesteten Helmen am meisten. Direkt hinter dem Testsieger konnte sich der Abus Anuky platzieren, im Bereich der „Abstreifsicherheit“ und der „Erkennbarkeit im Dunkeln“ schnitt dieses Modell sogar besser als der Gesamtsieger von Nutcase ab. Anders als bei den Erwachsenenmodellen, raten die Tester bei den Kinderhelmen gleich von vier Modellen ab: Der Giro Scamp Mips, der Melon Urban Active und der Abus Scraper Kid waren mit Schadstoffen belastet. Besonders alarmierend: Der Melon Urban Active und der O’Neal Dirt Lid Kids können bei Stürzen vom Kopf rutschen, da die Größe  vom deklarierten Kopfumfang abweicht. Rnd

 

Die Lebensdauer eines Helms liegt je nach Hersteller bei etwa
3 – 5  Jahren.

Der Sexappeal des E-Bikes steigt – das Unfallrisiko auch

Pedelecs stinken nicht und nehmen keine Parkplätze weg. Sie sind aber gerade für ungeübte Radfahrer nicht so leicht zu nutzen. Eine gewisse Qualität ist da wichtig. (Foto: Kaiser)

von Ulrich Hempen

Eigentlich soll es ein schöner Sommer-Tag werden. Doch dann kommt alles anders: Ein 77-Jähriger fährt mit dem E-Bike am Morgen Richtung Domäne Marienburg. Am Ende des Radweges will er noch schnell eine Straße überqueren. Er nimmt dabei einem Pkw die Vorfahrt und wird von dem Wagen voll erwischt. Vielleicht hat der 77-Jährige seine eigene Geschwindigkeit falsch eingeschätzt, oder aber er hat das Auto schlichtweg nicht registriert. Der Mann kommt schwer verletzt ins Krankenhaus.

Immer häufiger wird die Polizei zu solchen Unglücken gerufen: Ein Pedelec kollidiert mit einem Auto, mit einem anderen Rad, mit Fußgängern. Die Zahl dieser Unfälle steigt deutschlandweit überproportional stark an. Zwischen Januar 2016 und Februar 2017 zählte das Statistische Bundesamt 4239 Fälle mit Toten und Verletzten. Das ist rund ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Gut die Hälfte davon haben die Radfahrer verschuldet.

47 verloren ihr Leben, 16 mehr als zuvor. Und: Die meisten Opfer waren im Seniorenalter, wie die Berliner Unfallforschung der Versicherer (UDV) ermittelt hat. Dass meistens Menschen jenseits der 50 verunglücken, liegt auch daran, dass sich nach wie vor meist die älteren Semester für ein E-Bike entscheiden. Obwohl sich das Verhalten gerade ändert. Das Pedelec gewinnt allgemein an Sexappeal. Die Zeit, da es als eine Art erweiterter Rollstuhl angesehen wurde, sei vorbei, sagt der Hildesheimer Fahrradhändler Christian Emmel. „Es kommen immer mehr Leute ab 25 zu uns ins Geschäft und interessieren sich dafür.“

Wer schon einmal mit einem Fat-Mountainbike – einem Rad mit besonders starkem Rahmen und dicken Reifen – den Bad Salzdetfurther Ortberg Richtung Sibbesser Fernsehturm hinaufgefahren ist, fühlt sich wie der kolumbianische Radprofi Nairo Quintana. Runtersausen macht ohnehin Spaß, ob mit Hilfsmotor oder ohne. Allerdings kommen bestimmte Pedelecs schnell auf eine Geschwindigeit jenseits der 50 Stundenkilometer. Ungeübte können die Übersicht verlieren: Wie reagiert das Rad? Wie lange braucht es, um zum Stehen zu kommen?

Der Spaßfaktor ist das eine. E-Bikes könnten künftig auch eine größere Rolle im Berufsverkehr und allgemein als gängiges Transportmittel einnehmen. Das würde die auch in Hildesheim teils kritische Abgasbelastung verringern. Und Parkfläche benötigt so ein Pedelec ebenfalls weniger als der gemeine Pkw.

In Hildesheim werden die E-Bike-Crashs noch nicht gesondert registriert. „Es gibt dazu bei uns keine belastbaren Zahlen“, sagt Polizeisprecher Claus Kubik. Auch Kubik fährt Elektrorad. „Wenn ich vom Hildesheimer Wald die Robert-Bosch-Straße runterfahre, bekomme ich schon ordentlich Tempo drauf. Allerdings habe ich einen Motor, der mich ab 25 Stundenkilometer nicht mehr unterstützt – sich abstellt.“ Schneller kann Kubik dann nur durch eigenes Treten werden.

Es gibt verschiedene Arten von E-Bikes. Kubik fährt ein einfaches Pedelec. Dessen Motor muss sich laut Gesetzgeber bei 25 Stundenkilometern von selbst runterregeln. Mit diesen „normalen“ Pedelecs dürfen Fahrradwege benutzt werden, es besteht weder Führerschein- noch Helmpflicht.

Anders sieht es bei den sogenannten S-Pedelecs aus (schnelle oder Schweizer Pedelecs genannt). „Da unterstützt der Motor bis auf eine Geschwindkeit von 45 Stundenkilometern. Sie zählen nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern“, erklärt Händler Christian Emmel. Radwege sind für S-Pedelecs tabu, ein Helm gehört auf den Kopf und es besteht eine Kennzeichenpflicht. Emmel: „Man muss dafür mindestens einen Mofa-Führerschein haben.“

Rund 1300 E-Bikes gebe es in Stadt und Kreis, schätzt Emmel. Er hat 2016 rund 350 E-Bikes verkauft. Bundesweit sind inzwischen cirka drei Millionen unterwegs, allein 2016 wurden laut Zweirad-Industrie-Verband 605 000 Stück verkauft – Tendenz steigend. Zu 99 Prozent sind es einfache Pedelecs, die auf bis zu 25 Stundenkilometer beschleunigen.
Zwar werde die Zielgruppe immer „jünger und sportlicher“, trotzdem kaufen nach wie vor überwiegend ältere Menschen E-Bikes. „Sonst hätten wir auch weniger Probleme mit Unfällen“, sagt Siegfried Brockmann, Chef des Verbandes Unfallforschung der Versicherer.

Manchmal stehen sie in Bau- oder größeren Supermärkten: E-Bikes für 1000 bis 1500 Euro. Dass Fahrradhändler Christian Emmel zum Kauf im Fachhandel rät, ist nicht weiter verwunderlich. Aber er kann es begründen: „Wenn man sich überlegt, dass allein ein kleiner, guter E-Motor mindestens 1000 Euro kostet und eine gute Standard-Batterie zwischen 500 und 900, dann kann sich jeder vorstellen, dass man für 1500 Euro insgesamt kein Qualitäts-Pedelec bekommt.“

Letztlich ist es auch eine Frage der Sicherheit. Im Fachhandel werden die Produkte nur TÜV-geprüft abgegeben. Und der Händler gibt Kunden Leitfäden an die Hand, wie das Gerät gewartet werden muss. „Einmal im Jahr sollte man das Rad der Sicherheit wegen inspizieren lassen“, sagt Emmel. Im Baumarkt gibt es diesen Service nicht. Besonders die Bremsen sind wichtig – müssen hundertprozentig betriebsbereit sein. Emmel: „Jetzt im Herbst ist eine gute Zeit für die Inspektion. Im Frühjahr kommen immer alle, da muss der Kunde warten.“

2500 bis 3000 Euro sollte man laut Christian Emmel schon für ein Pedelec investieren. Bei diesen Produken seien hochwertige Rahmen, Bremsen und Gabel gewährleistet. Wer will schon bei Tempo 30 mit wackeligem Steuer oder Rahmen unterwegs sein.

Nach oben sind bei Pedelecs preislich keine Grenzen gesetzt. Es gibt Cross-, Trekking- und Mountainbikes mit E-Motoren. Und auch solche mit ganz besonderen Schaltungen, Telefon-Apps oder mit Navi. 8000 Euro und mehr können solche Räder kosten. Händler Christian Emmel weiß natürlich auch,  dass nicht jeder einen so großen Geldbeutel hat. „Ich will hier niemanden verteufeln, der günstiger oder in Baumärkten kauft“, sagt der 51-Jährige.

Gebaut für den Klimawandel

 

Gebaut für den Klimawandel

Das Klima verändert sich – Hitze, Hagel, Starkregen und Sturmböen sind die Begleiterscheinungen. Damit steigt auch das Risiko überfluteter Keller, zerborstener Scheiben und kaputter Dächer.  Wie schützt man sein Haus am besten davor?

 

 

von Anna Schughart

Innenräume verändern sich schnell. Da ziehen neue Familien ein, erwachsen gewordene Kinder aus, da wird neu tapeziert, neu gefliest oder sogar mal eine Wand durchbrochen. Das Äußere eines Hauses dagegen ist oft Jahrzehnte gleich. Vielleicht ist es mal nötig, das Dach zu erneuern oder eine Fensterscheibe zu ersetzen – doch im Großen und Ganzen bleibt das Äußere oft unverändert. Aber was ist, wenn sich die Bedingungen wandeln, wenn das Klima sich ganz anders verhält als zu der Zeit, zu der ein Haus gebaut wurde? Oder man heute ein Haus bauen möchte, das gut für die neuen Herausforderungen gerüstet ist?

Schon 2017 entstanden durch Naturgewalten Schäden in Höhe von 2,9 Milliarden Euro – rund 90 Prozent davon gingen auf das Konto von Sturm und Hagel. Im Zuge des Klimawandels sollten Hausbesitzer ihr Haus daher gegen stärkere Hagelereignisse schützen, sagt Bernhard Fischer vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Dachluken zum Beispiel sollten eine ausreichende Hagelwiderstandsfähigkeit haben – auch wenn das mehr kostet. „Denn sie nachher auszuwechseln ist natürlich ein Verlustgeschäft.“ Wer ein älteres Haus kauft, kann den Hagelschutz verbessern, indem er zum Beispiel die Dachkuppelfenster, die vielleicht sowieso nicht mehr so schön sind, gegen hagelsichere Fenster austauscht.

Auch normale Hausfassaden mit Styropordämmung und Putzschicht können durch Hagel zerstört werden. Beim Bauen und Sanieren sollte man darauf achten, dass unter anderem die Fassadenverkleidung eine ausreichende Schlagfestigkeit besitzt. Einen besseren Schutz hat auch eine Klinkerfassade. Und natürlich ist auch das Dach von Hagel betroffen: Große Hagelkörner können die Dachziegel durchschlagen. Eine gute Alternative kann hier ein begrüntes Dach sein – so wird es vor Hagelschäden geschützt und trägt dazu noch etwas zur Biodiversität bei. Automatische Systeme können dafür sorgen, dass bei einer Unwetterwarnung der Sonnenschutz eingefahren wird – und so unbeschadet bleibt. Ist der Hagel vorüber, fährt der Sonnenschutz wieder aus.

Wenn es um das Thema Wind geht, sind vor allem die Böen gefährlich, die kurz und ruckartig wehen. Wenn sie von der einen Seite auf das Dach drücken, gibt es auf der gegenüberliegenden Seite einen Sog. Der kann die Ziegel anheben und so das Dach abdecken. Ab einer gewissen Neigung und wenn man zum Beispiel in einem Risikogebiet wohnt, hilft es deshalb, die Dachziegel mit Klammern festzuzurren. „Je flacher die Dachneigung ist, desto gefährdeter sind die Dachziegel bei Windböen“, erklärt Fischer. Wenn die Dachziegel dagegen steil auf dem Dachstuhl hängen – wie bei einem 45-Grad-Dach –, brauchen sie dagegen nicht extra mit Klammern gesichert werden. Das Klammern geht übrigens auch noch nachträglich: „Möchte man dabei aber nicht das ganze Dach abdecken, dann ist es auch möglich, nur die Randbereiche oder etwa jede dritte Reihe zu klammern“, sagt Fischer.

Auch an die Fassade angebrachte Elemente wie Latten oder Stelen können durch Böen abgerissen werden. Deshalb sollte man überprüfen, ob sie auch bei höheren Windstärken noch gut gesichert sind. Außerdem zeigt sich wieder: Klinkerfassaden sind besser geschützt. „Da geschieht in der Regel wenig, es sei denn, etwas wird gegen die Fassade geschleudert“, sagt Fischer. Die Fenster kann man schützen, indem man zum Beispiel die Rollläden herunterlässt. Ein Windsensor kann dafür sorgen, dass die Jalousien automatisch hochgefahren werden.

Auch den Garten sollte man sturmsicher machen. Besonders wenn man ein Haus mit Baumbestand kauft – oder schon in einem wohnt –, gilt es zu überprüfen: Welche Bäume sind während eines Sturms sicher, welche könnten vielleicht umfallen? Gibt es morsche Äste, die abbrechen könnten? Plant man seinen Garten neu, sollte man daher auch den Abstand der Bäume zum Haus beachten.

Starkregen ist ein Problem, weil er sehr lokal fällt und sich im Gegensatz zum Hochwasser nicht langfristig ankündigt. In der Regel gibt es also keine Vorwarnzeit, um sich zu rüsten. Bis man Starkregen sehr genau vorhersagen kann, werde es noch dauern, sagt Fischer. Deshalb müsse man sich baulich darauf vorbereiten.

Bei Starkregen fließt das Wasser nicht geordnet durch die Kanalisation am Haus vorbei, sondern strömt wild an der Oberfläche darauf zu. Fischer empfiehlt Hausbauern und -besitzern, sich nicht nur zu fragen, durch welche Öffnungen Wasser ins Haus eindringen kann, sondern sich auch mit dem Gelände vertraut zu machen: Läuft es auf das Gebäude zu, wo sind mögliche Wasser-Fließwege? Wenn man das weiß, „dann gibt es schon einfache Schutzmechanismen“. Man kann zum Beispiel das Gelände ein bisschen erhöhen, damit man das Wasser am Haus vorbei in den Garten lenken kann. Hilfreich ist es auch, wenn um das Haus herum nicht alles asphaltiert ist, sondern es Sickerflächen gibt.

Am Haus selbst kann man zum Beispiel am außen liegenden Kellereingang oder den Lichtschächten eine kleine Erhebung installieren, die verhindert, dass Wasser vom Gehweg über die Treppe strömt. Kellereingänge und Lichtschächte sollten zudem einen Ablauf besitzen, der an die Drainage oder das Entwässerungsnetz angeschlossen ist. Lässt sich stehendes Wasser vor der Tür nicht verhindern, dann können druckdichte Türen das Wasser davon abhalten, ins Gebäude einzudringen. Die Außenwand lässt sich mit wasserdichtem Beton oder einer Bitumenabdichtung vor Wasser schützen. Daran sollte man aber schon beim Bauen denken – denn eine Nachrüstung ist zwar möglich, aber deutlich aufwendiger und teurer.

Eine einfache, effektive Vorkehrung und auch ein wichtiger Punkt bei der Versicherung ist eine Rückstauklappe. Wenn sie fehlt, kann Wasser aus der Kanalisation ins Haus strömen. „So entstehen sehr hohe Schäden im Kellerbereich“, sagt Fischer.

Der Sommer 2018 hat gezeigt, dass hohe Temperaturen nicht nur Freude machen – vor allem wenn das Dach nicht isoliert ist und das Haus sich aufheizt. „Bei Dämmung geht man immer davon aus, dass wir uns gegen kalte Winter schützen müssen“, sagt Fischer. Aber tatsächlich könne Dämmung auch ein Hitzeschutz im Sommer sein. „Das lässt sich auch gut nachrüsten.“ Helle oder reflektierende Fassaden sind eine gute Möglichkeit, um zu verhindern, dass die Innenräume überhitzen. Auch eine Fassaden- und Dachbegrünung kann die Aufheizung der Wohnräume eindämmen. Ein außen angebrachter Sonnenschutz sorgt dafür, dass die Sonnenenergie gar nicht erst ins Haus eindringt.

Milliarden Euro: So hoch waren die Kosten für Schäden durch Naturgewalten wie Sturm und Hagel im vergangenen Jahr.

Wie wird unsere Welt sicherer?

Der Weg ist der schwerste: die Beseitigung des Elends und der Ungerechtigkeit auf dem Globus. Glück ist nicht politisch herstellbar, seine Voraussetzungen müssten es aber sein.

Heinz Rudolf Kunze, Musiker

Wenn man jung ist, bedeutet Sicherheit, von seinen Eltern gehalten zu werden. Wenn man älter ist, kann es die Beziehung sein. Ich glaube aber nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher fühlen kann.

Nicholas Sparks, US-Schriftsteller

Demokratieverlust und Klimawandel, Kriminalität und Terror zählen zu den Bedrohungen unserer Zeit. Welche Möglichkeiten gibt es, ihnen zu begegnen?
Wir haben Prominente zu ihren Ideen befragt.

Es wäre schön, wenn mit aufklärender Berichterstattung, Menschen bewegt werden könnten, mehr Vernunft walten zu lassen.

Willi Holdorf, Zehnkampf-Olympiasieger von Tokio 1964

Was den Terrorismus betrifft, bin ich so  ratlos wie viele andere.  Es ist so einfach,  sich in ein Auto zu setzen und Menschen zu töten. Wie soll man das stoppen? Ich weiß es nicht.

Ken Follett, Autor

Sicherheit, Freiheit,  Verantwortung und  Vertrauen sind untrennbare  Begriffe. Freiheit ist mir der Oberste. Um diese leben zu  können, muss jeder sich selbst vertrauen können und bereit sein,  Verantwortung zu tragen.

Elisabeth Lanz, Schauspielerin

Wir müssen die Ungerechtigkeit verringern.  So bedienen sich die Industrieländer an den Rohstoffen in den Entwicklungsländern.  Zu diesem Zweck sind  wir sogar bereit, Umweltzerstörung hinzunehmen, diktatorische Regime zu unterstützten. Das schürt Aggression, was zu radikalem Hass auf die westlichen Demokratien führen kann.

Mojib Latif, Klimaforscher

Es ist immer dasselbe: Machtgierige, oft unfähige Herrscher führen Krieg um vermeintlich hehre Ziele, dabei geht es nur um noch mehr Land und Macht und Geld. Lernen wir endlich aus der Geschichte! Das bietet erstaunliche Einsichten.

Sabine Ebert, Schriftstellerin


Der Weg ist der schwerste: die Beseitigung des Elends und der Ungerechtigkeit auf dem Globus. Glück ist nicht politisch herstellbar, seine Voraussetzungen müssten es aber sein.

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Demokratieverlust und Klimawandel, Kriminalität und Terror zählen zu den Bedrohungen unserer Zeit. Welche Möglichkeiten gibt es, ihnen zu begegnen?
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Was den Terrorismus betrifft, bin ich so  ratlos wie viele andere.  Es ist so einfach,  sich in ein Auto zu setzen und Menschen zu töten. Wie soll man das stoppen? Ich weiß es nicht.

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Es ist immer dasselbe: Machtgierige, oft unfähige Herrscher führen Krieg um vermeintlich hehre Ziele, dabei geht es nur um noch mehr Land und Macht und Geld. Lernen wir endlich aus der Geschichte! Das bietet erstaunliche Einsichten.

Sabine Ebert, Schriftstellerin


Sie wollen sich einmischen, engagieren und helfen, die Welt ein bisschen besser zu machen

Klimawandel, Kriminalität, Kriege, Terror – es gibt viele Gründe, warum Menschen Angst haben. Lässt sich die Welt wieder sicherer machen? Fünf junge Hildesheimer haben sich darüber Gedanken gemacht. (Foto: Gossmann)

von Ulrike Kohrs

Zoe Häckl kann sich noch gut erinnern. Die 18-Jährige absolviert im Juni ein Praktikum in einem Hotel in London, als Terroristen mit einem Lastwagen auf der London Bridge in eine Gruppe Menschen rasen. Acht Menschen sterben bei diesem Attentat – unweit des Hotels der jungen Hildesheimerin. „Das war wirklich schrecklich“, sagt die RBG-Schülerin. Dennoch: Sie will sich von diesem Erlebnis nicht in ihrer Freiheit einschränken lassen. „Das wollen die doch nur, die wollen, dass wir Angst haben“, sagt die 18-Jährige.

Dass es weltweit Terroranschläge gibt, ist unstrittig, und dass Menschen davor Angst haben, absolut nachvollziehbar. Doch die fünf RBG-Schüler, die an diesem Tag zusammen sitzen und die Frage diskutieren, ob und wie man die Welt sicherer machen könnte, bedauern dennoch, dass der Fokus so auf diese Terrorakte gerichtet wird. „Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Anschlag ums Leben zu kommen, ist sehr gering“, sagt Oberstufenschülerin Lotta Löwe. Ihr Mitschüler Morten Trambach nickt und ergänzt: „Aber jeden Tag sterben viele Menschen an den Folgen des Klimawandels.“ Doch tatsächlich sorge wohl die Angst vor Terror für größere Unsicherheit bei den Menschen als das Klima. „Dabei belastet zum Beispiel auch der demografische Wandel unsere Zukunft noch viel stärker“, überlegt Lotta Löwe und erinnert an wachsende soziale Ungerechtigkeit und daraus resultierende Kriminalität.

Die Probleme, die die Welt derzeit hat, sind also benannt. Zumindest einige davon. Aber haben die jungen Leute auch Antworten darauf, wie sie sich beheben lassen? „Die Zeiten haben sich sehr geändert“, sagt Henrik Reimers. Es lasse sich kaum ein Problem für sich betrachten und lösen, „irgendwie hängt heute doch alles zusammen.“ Dem Klimaschutz stünden eben oft wirtschaftliche Interessen gegenüber, erschwerend komme hinzu, dass die Länder oftmals auch sehr unterschiedliche Interessen und Schwerpunkte hätten. „Und es werden einfach keine Verbindlichkeiten geschaffen“, ärgert sich Morten Trambach. Was nütze ein Klimaabkommen, das kaum mehr als eine Willenserklärung sei. So lange die Staaten nicht gezwungen würden, mehr für den Klimaschutz zu tun, würde das auch nicht funktionieren.

Lotta nimmt da auch jeden einzelnen Menschen in die Pflicht, vor allen Dingen auch die jüngeren Generationen. „Jeder muss sich fragen, was kann ich als einzelne Person machen?“, sagt die 19-Jährige, die sich in ihrer Freizeit in der Grünen-Jugend engagiert. Das gehe schon damit los, mal öfter aufs Rad zu steigen, statt mit dem Auto zu fahren. Aber auch politisches und soziales Engagement fordert sie bereits von Jugendlichen ein. Morten hat dazu gleich eine Idee: „Zusätzlich zum Betriebspraktikum könnte es in der Schule doch auch noch ein Sozialpraktikum geben.“

Mitschülerin Marea Latzel hält das ebenfalls für eine gute Idee. Auch weil sie glaubt, dass manche Eltern ihren Kindern falsche Werte vermitteln. „Es kann doch nicht nur darum gehen, das neueste Smartphone in der Tasche zu haben, Markenklamotten zu tragen und immer der Beste zu sein“, sagt sie. Schon die unteren Schuljahrgänge müssten lernen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Sie selber hat an dem Tansania-Hilfsprojekt der RBG teilgenommen, war vier Wochen in Afrika. „Die Kinder haben dort in der Schule ganz trübes Wasser getrunken“, erinnert sich die junge Frau an die unvorstellbaren Lebensbedingungen dort. Sie habe sich da schon ziemlich schlecht gefühlt, mit ihrem Smartphone in der Tasche und dem Wissen um ihre eigenen Möglichkeiten in Schule und Familie.

„Viele Jugendliche können sich gar nicht vorstellen, dass es anderen Menschen schlecht geht. Auf solche Gedanken kommen die erst gar nicht“, kritisiert Henrik Reimers. Und wer keinen Blick für andere habe, könne schließlich auch kaum Engagement für andere entwickeln.

Aber der 18-Jährige nimmt auch die Verantwortlichen von heute in die Pflicht: die Politiker genau wie die Wirtschaftsbosse. „Heute werden die Weichen gestellt, gerade in Sachen Klimawandel“, sagt Henrik und leistet seinem Freund Morten Schützenhilfe, der dazu längst Verbindlichkeiten von der Politik gefordert hat.

Die fünf RBG-Schüler diskutieren munter weiter. Die so schwierige Frage, wie die Welt wieder sicherer werden kann, ist zwar dennoch nicht beantwortet. Sie scheint aber auch nicht unlösbar zu sein. Für die jungen Erwachsenen dreht sich dabei alles immer wieder um Engagement und Verantwortung eines jeden einzelnen. „Das löst natürlich nicht alle Probleme auf der Welt, wäre aber ein wichtiger Schritt“, ist sich Zoe sicher.

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